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WISSENSCHAFT

Wolkig mit Aussicht auf Corona

Sogar auf die Wettervorhersage hat die Corona-Pandemie Auswirkungen.
[Foto: Julia Segantini]​​​​​​​
10.06.2020 12:34 - Julia Segantini

Ist euch schon aufgefallen, dass eure Wetter-Apps seit Ausbruch der Pandemie weniger zuverlässig sind? Die Vorhersagen ändern sich häufiger, statt den angekündigten 30 Grad sind es nur schließlich doch nur 23. Tatsächlich hängt das mit dem Coronavirus zusammen, erklärt Ines von Hollen von der Essener Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes (DWD)

Letzte Woche konnte man in der Wetter-App ein durchgehend regnerisches Wochenende ablesen. Nun stellen sich der Samstag und Sonntag als weitaus trockener heraus. Außerdem scheinen sich die Wettersymbole und Temperaturangaben täglich zu ändern. Oder ist das nur Einbildung? Nein, zur Zeit sind Wettervorhersagen tatsächlich ungenauer, bestätigt die Meteorologin Ines von Hollen vom DWD. Der Grund dafür ist SARS-CoV-2. Das Virus behindert nämlich das Messen von Daten, die für Wettervorhersagen benötigt werden. 

Wie die Vorhersagen überhaupt zustande kommen, erklärt die Meteorologin. „Es gibt verschiedene Messinstrumente. In der Station in Essen stehen Temperatur-, Luftdruck- und Niederschlagmessgeräte. Außerdem können wir Wolkenuntergrenzen messen. Dazu gibt es Messgeräte für Wind, Bodentemperatur und Sonnenscheindauer“, zählt sie auf. Die Essener Station kann außerdem als eine der wenigen Stationen in Deutschland mit einem Wetterballon aufwarten. Der startet zwei Mal am Tag. Die unten angehängte Radiosonde misst ein sogenanntes Vertikalprofil der Atmosphäre.

„Der mit Helium gefüllte Ballon startet an einem Punkt und wird mit dem Wind verdriftet. Der schafft auch sehr viele Kilometer, das heißt wir kommen da auf deutlich über 10 Kilometer Höhe. Dort misst er dann noch mal das Temperaturprofil, die Feuchte, Windrichtung und Windgeschwindigkeit“, so von Hollen. In Essen Süd steht zusätzlich der Wetterradarturm. Von dort wird ein Radarstrahl ausgesandt und geguckt, wo etwas reflektiert wird. „Das wären dann Wassertropfen im Fall von Regen. So kann man detektieren, wo der Regen ist“, fügt die Meteorologin hinzu. Weitere Wetterdaten liefern zudem Satelliten.

Flugzeuge liefern wichtige Daten

Warum ist es zur Zeit also trotzdem schwierig, zuverlässige Vorhersagen über das Wetter zu treffen? Durch die Pandemie fliegen weniger Flugzeuge. Die liefern bei Start und Landung normalerweise wertvolle Daten, die den Wetterstationen jetzt fehlen. Von Hollen verdeutlicht: „Für uns ist das vor allem die Lufthansa-Flotte, die mit der Sensorik ausgestattet ist. Die Sensoren messen Temperatur und in seltenen Fällen auch Feuchte. Und wir bekommen Windgeschwindigkeiten, das messen die Flugzeuge sowieso, weil das für siewichtig ist.“ Die Flugzeuge würden im Endeffekt dasselbe wie der Ballon messen, allerdings natürlich deutlich häufiger Daten liefern. „Wenn man sich überlegt, was an einem Flughafen wie Frankfurt los ist, da sind wahnsinnig viele Lufthansa-Flüge. Wir bekommen zum Teil im zehn-Minuten-Takt oder noch häufiger Daten. Die fehlen jetzt“, gibt sie zu bedenken. 

Wie viel ungenauer die Vorhersagen sind, könne man nicht sagen, so von Hollen. „Wir haben jetzt als Ersatz mehr Ballonaufstiege angefordert. Das kann aber natürlich bei weitem nicht die ganzen Flugzeug-Flotten ersetzen“, meint sie. Und was heißt das jetzt für unsere Wetter-Apps? Besser deinstallieren? Ihr Tipp: Die detailliertesten Vorhersagen gibt es bei Meteorolog*innen direkt, also zum Beispiel auf der Seite des DWD. Denn Apps würden zwar eine gute Übersicht liefern, allerdings würden die Symbole dort automatisch generiert und deshalb viele Details verschlucken. Ärgern hilft also nichts, wer es genauer wissen will, muss sich derzeit häufiger Wetter-Updates holen. 
 

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