Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

WISSENSCHAFT

Wie läuft ein Corona-Test ab?

Stäbchen rein, sicher sein. [Foto: Sophie Schädel]

25.05.2020 09:09 - Sophie Schädel

Wir nehmen euch mit von der Anmeldung zum Abstrich bis zu dem Moment, wo euch das Gesundheitsamt sagt, ob ihr Covid-19 habt oder nicht. Den Ablauf erklärt Robert Exner. Er arbeitet im Rettungsdienst und führt aktuell für das Dortmunder Gesundheitsamt Coronatests durch.

Auf dem Parkplatz vor dem Klinikum Nord in Dortmund stehen Zelte. Die lokalen Gesundheitsämter entscheiden, wer sich testen lassen darf. In Dortmund sind das alle, die wollen. Wer auf das Testgelände kommt, muss sich zuerst die Hände desinfizieren und bekommt eine Maske, um andere vor der eigenen Atemluft zu schützen. „Im nächsten Schritt füllt man einen Fragebogen des Gesundheitsamts aus, in dem man bestimmte Dinge angeben muss“, erklärt Exner. „Zum Beispiel, ob man in den letzten zwei Wochen gereist ist, ob man Kontakt zu Infizierten hatte oder Symptome zeigt.“ Danach nimmt medizinisches Personal in Ganzkörperanzügen, Masken und Schutzbrillen den Testabstrich.

Corona: Keine Versorgungsengpässe an der Uniklinik

 

Dabei wird ein Tupfer, ein Wattebausch an einem langen Plastikröhrchen, ähnlich wie ein langes Ohrenstäbchen, an der Rachen- und Nasenschleimhaut gerieben. Das ist nicht ganz angenehm: „Wir brauchen einen Abstrich hinten am Mandelbogen. Das ist da, wo das Zäpfchen hängt, darum ist das sehr unangenehm und viele müssen würgen“, bedauert Robert Exner. Da muss man durch – ein bis zwei Sekunden lang. „Es ist wichtig, dass wir bei diesen Tests relativ gründlich sind. Wenn nicht genug trägerfähiges Material von den Schleimhäuten abgestrichen wird – da ist ja die Viruslast am höchsten – dann kann es vorkommen, dass jemand nochmal getestet werden muss.“ Mit demselben Tupfer, an dem schon der Rachenabstrich haftet, wird dann noch in der Nase abgestrichen. Allerdings nicht vorne im Nasenloch, sondern tiefer, wo die Schleimhaut beginnt.

Ab ins Labor

Der Tupfer mit den Schleimhautpartikeln wird dann luftdicht verschlossen in ein Labor transportiert, das einen sogenannten PCR-Test durchführt, kurz für Polymerase Kettenreaktion. Dabei wird das genetische Material vom Tupfer vervielfacht, bis man sehen kann, ob Covid-19-Viren darunter sind. Derweil müssen die Getesteten und ihre Mitbewohner*innen zuhause in Quarantäne bleiben. So lange, bis das Gesundheitsamt Entwarnung gibt oder anruft, weil der Test positiv ist und das weitere Vorgehen besprochen werden muss.

Aktuell hat sich der Andrang an den Teststationen etwas gelegt. Zu Beginn der Testungen im März standen vor vielen Zentren Menschen stundenlang Schlange. Exner vermutet, dass zur anfänglichen Panik die Rückkehrer vom Karneval und aus dem Skiurlaub kamen und alle auf Nummer sicher gehen wollten.

„Wir testen mittlerweile täglich weniger als eine dreistellige Anzahl von Personen und könnten noch mehr“, berichtet Exner. Trotzdem: Weil die Ressourcen knapp sind, sollte man einen guten Grund dafür haben. Bei Familien oder anderen Personen, die sich einen Haushalt teilen, wird oft nur eine Person getestet, so Exner. Damit kann man in manchen Fällen auch Kindern die unangenehmen Abstriche ersparen. Weil sich eine Ansteckung in einer gemeinsamen Wohnung kaum vermeiden lässt, kann man bei einem positiven Ergebnis ohnehin davon ausgehen, dass alle Mitbewohner*innen für 14 Tage in Quarantäne müssen. [Anm. d. Red.: Das Interview wurde am 16. April geführt. Mittlerweile, auch auf Grundlage der Heinzbergstudie, hat sich das geändert und alle Personen mit Verdacht werden getestet, auch wenn sie im selben Haushalt leben.

Neu an der UDE: Dr. Christina Karsten forscht an HIV-Impfstoff

Was macht die Entwicklung eines HIV-Impfstoffes so kompliziert? Was passiert gerade am Institut für HIV-Forschung des UK Essen?
 

Coronakrise: Promovieren auf Sparflamme

Bibliotheken sind dicht, Literatur gibt es nur digital, in Forschungsfeldern fehlt der Zugang. Promovierende brauchen derzeit viel Geduld.
 

Früherkennung schwerer COVID-19-Verläufe

Die Menge an T-Zellen im Blut von COVID-19-Patienten gibt einen Hinweis darauf, wie schwer ein Mensch erkrankt ist.
 
Konversation wird geladen