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WISSENSCHAFT

Welche Daten wir Digitalkonzernen liefern und was damit geschieht

Wer nicht gerade den Tor-Browser benutzt, liefert Digitalkonzernen permanent die eigenen Daten und manchmal auch die von Freund*innen. [Symbolfoto: Pixabay]

09.09.2019 12:38 - Gastautor*in

Digitalkonzerne wie Facebook Inc. oder die Google-Mutter Alphabet sammeln, analysieren und verkaufen Nutzer*innen-Daten systematisch. Doch welche Daten werden erfasst und wie werden sie von den Konzernen analysiert? Dazu hat akduell-Gastautor Alexander Weilkes Prof. Dr. Stefan Stieglitz interviewt. Er leitet das Fachgebiet Professionelle Kommunikation in elektronische Medien am Campus Duisburg.

ak[due]ll: Zu welchen Themen forscht Ihr Institut?

Prof. Stieglitz: Meine Forschungsgruppe setzt sich damit auseinander, wie neue Technologien die Kommunikation und Zusammenarbeit für Menschen verändern. Wir beschäftigen uns dabei sowohl mit den Auswirkungen für Unternehmen als auch für die Gesellschaft und Individuen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Kommunikation in Sozialen Medien. So interessieren uns beispielsweise Phänomene wie Desinformationen und Fake News, Hate-Speech oder Social Bots. Für die Analysen sammeln wir große Datenmengen und werten diese aus.

ak[due]ll: Begriffe wie Algorithmen oder Big Data haben wir alle schon einmal gehört. Sie beruhen auf dem Sammeln und Auswerten von Datenmengen. Umgangssprachlich wird häufig vom Facebook- oder YouTube-Algorithmus gesprochen. Aber was bedeutet das eigentlich?

Prof. Stieglitz: Nutzer generieren im Internet gewaltige Datenmengen. Oftmals sogar unbewusst, da nicht nur manuelle Eingaben, wie zum Beispiel Texte, Videos oder Bilder, eine Rolle spielen, sondern beispielsweise auch Klickgeschwindigkeiten, Verweildauern oder Mausbewegungen. All diese Daten können genutzt werden, um etwa die Nutzererfahrung zu optimieren, indem nur noch Inhalte eingeblendet werden, die Nutzer als interessant oder angenehm empfinden. Mithilfe von maschinellem Lernen können solche Verfahren optimiert und Filtermethoden verbessert werden. Die zugrundeliegenden Algorithmen, also quasi die Regeln, nach denen Informationen dargestellt werden, können sich dabei aufgrund der gesammelten Daten automatisch anpassen. Problematisch ist dabei, dass für den Nutzer kaum ersichtlich ist, wie das vonstatten geht und welche Auswirkungen sich ergeben. Dadurch stellen sich etwa ethische Fragen, wenn so beispielsweise bestimmte Gruppen diskriminiert werden.

ak[due]ll: Welche Art von Daten nutzen Facebook, Google und co. mit diesen Techniken?

Prof. Stieglitz: Im Grunde genommen haben diese Unternehmen einen vollständigen Zugriff auf alle Daten, die von Nutzern bewusst oder unbewusst generiert werden. Zudem können diese Daten mit Informationen aus anderen Quellen kombiniert werden und so noch weitreichendere Auswertungsmöglichkeiten bieten. In den letzten Jahren hat sich zudem eine Entwicklung ergeben, in denen diese Konzerne nicht jeweils eine, sondern eine Reihe von Plattformen besitzen. So gehören beispielsweise Facebook, WhatsApp und Instagram zusammen und ebenso Google und YouTube. Nutzern ist das oftmals gar nicht bewusst.

ak[due]ll: Wie funktionieren solche Prozesse und welche Werkzeuge gibt es, um anhand von unstrukturierten Daten „neues Wissen“ über Menschen zu erhalten?

Prof. Stieglitz: Es können verschiedene Methoden eingesetzt werden, um Daten zu analysieren. Beispiel hierfür sind Textanalysen, mit deren Hilfe automatisiert Inhalte ausgewertet und kategorisiert werden können, oder Verfahren der sozialen Netzwerkanalyse, mit der Beziehungen zwischen Nutzern untersucht werden können. Die für Auswertungen zur Verfügung stehenden Programme sind dabei recht weit entwickelt und werden unter anderem stark im Marketing von Unternehmen eingesetzt.

Auch ist es wichtig, die Privatsphäre anderer zu achten und nicht ungefragt Fotos von anderen Personen einzustellen.

Problematisch ist, dass Nutzer sich nicht bewusst sind, welche Auswertungen und Rückschlüsse aufgrund ihrer Daten möglich sind. Da sich Analyseverfahren sehr schnell weiterentwickeln ist auch nicht klar, welche Aussagen in Zukunft möglich sind, beispielsweise auf Grundlage eines Fotos oder eines Videos. So können möglicherweise zukünftig noch einfacher Rückschlüsse auf persönliche Präferenzen, Gewohnheiten oder gar Krankheiten automatisch gezogen werden.

ak[due]ll: Was können Nutzer von sozialen Netzwerken tun, um ihre Privatsphäre zu schützen?

Prof. Stieglitz: Ein wichtiger Schritt ist es, bei den Nutzern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, ob sie Informationen wirklich preisgeben wollen und welche Konsequenzen das haben kann. So gab es Fälle, in denen Arbeitgeber Facebookprofile bei Personalfragen miteinbezogen haben. Auch ist es wichtig, die Privatsphäre anderer zu achten und nicht ungefragt Fotos von anderen Personen einzustellen.

ak[due]ll: Welche Chancen und Risiken bieten Social Media-Analysen?

Prof. Stieglitz: Aus Sicht der Forschung betrachten wir sowohl problematische Auswirkungen sozialer Medien, etwa die Verbreitung von Falschinformationen vor Wahlen, als auch positive Nutzungspotenziale. So können soziale Medien auch genutzt werden, um Menschen in Krisensituationen wichtige Informationen zukommen zu lassen. Auch können Hinweise von Betroffenen oder Bürgern genutzt werden, um anderen Menschen zu helfen.

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