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WISSENSCHAFT

TU Dortmund löst kulturwissenschaftliche Institute auf – zu Recht?

Für Studierende der TU Dortmund könnte die Umstrukturierung weitreichende Folgen haben. [Symbolfoto: pixabay]

17.06.2019 12:31 - Jacqueline Brinkwirth

Erst wurde das Institut für Anglistik/Amerikanistik aufgelöst, nun hat das Rektorat der TU Dortmund im April auch das Institut für deutsche Sprache und Literatur abgeschafft. Nicht nur bei Studierenden der TU Dortmund sorgt die strukturelle Umordnung durch Rektorin Ursula Gather für Verwirrung.

Obwohl das Institut für deutsche Sprache und Literatur über die Grenzen der TU Dortmund hinaus für seinen Forschungsschwerpunkt „Differenz und Variation“ bekannt und anerkannt war, ist das Institut im April überraschend aufgelöst worden. Zuvor hatte es an der Fakultät für Kulturwissenschaft bereits eine strukturelle Veränderung gegeben: das Institut für Anglistik/Amerikanistik existiert an der TU Dortmund ebenfalls nicht mehr.

Unklar ist, welche Gründe es für die Auflösung der Institute gibt

Ein ähnliches Schicksal wird das historische Institut ereilen, das nur noch so lange besteht, bis der letzte verbliebende Lehrstuhlinhaber in den Ruhestand geht. Nicht nur unter den Studierenden machte sich aufgrund der Entscheidung Verwirrung breit. Auch ehemalige Lehrende äußerten ihren Unmut zur Entscheidung des Rektorats: „Das Verhalten des Rektorats d(er) TU Dortmund halte ich für einen SKANDAL. Sage ich als letzter Geschichtsdottore an dieser Uni (2003) u(nd) Vater einer Germanistikstudentin dort“, erklärt Dr. Marko Demantowsky auf Twitter, der bis 2003 am historischen Institut der TU lehrte.

Die Gründe

Unklar ist bislang, welche Gründe es für die Auflösung der Institute innerhalb eines so kurzen Zeitraumes gibt. Eine Nachfrage bei Rektorin Ursula Gather beantwortet die Hochschulkommunikation der Uni folgendermaßen: „In den letzten Jahren gab es in den beiden Fächern zunehmend Auseinandersetzungen zwischen Kolleginnen und Kollegen über Governancefragen, Budgetverteilung und Zuständigkeiten. Mehrere Professorinnen traten aus den bestehenden Instituten aus, Strukturdebatten prägten den Alltag und Lösungen für anstehende Aufgaben und Probleme in Lehre und Forschung konnten kaum mehr gefunden werden.“

Bestehende Konflikte innerhalb der Institute konnten folglich nicht einmal durch „vielfältige Beratung durch Dekanat und Rektorat“ aus dem Weg geräumt werden. Doch welche Funktion erfüllen Institute an Universitäten überhaupt, wenn ihre Existenz den Uni-Alltag an der TU offenbar so stark einschränkte?

Institute fassen innerhalb von Fakultäten (Fachbereichen) mehrere Professuren oder Lehrstühle mit einem gemeinsamen Forschungshintergrund zusammen. Dabei dienen sie der Organisation der übergeordneten Fakultät, treffen Entscheidungen zur Ausrichtung von Forschung und Lehre und verwalten Finanzierungsmittel. Zugleich stellen sie auch eine weitere hierarchische Ebene in der universitären Ordnung dar. Was im Falle der TU nun scheinbar zum größten Konfliktherd wurde. Seitens der Uni heißt es hierzu: „Daher sind in den Fächern Germanistik und Anglistik/Amerikanistik seit einigen Wochen nur noch einfachste Strukturen eingezogen: Die Organisations- und Administrationsebene der Institute als Zwischenstruktur zwischen der Fakultät und den Professuren besteht nun nicht mehr.“

Die Auswirkungen

Für Studierende und Lehrende an der TU Dortmund hat die Auflösung der Institute theoretisch keine Auswirkung. „Die Fortexistenz der Professuren und der Erhalt aller Ressourcen im Bereich Germanistik sowie Anglistik/Amerikanistik sind davon in keiner Weise betroffen. Beide Fächer bleiben selbstverständlich in der TU Dortmund in vollem Umfang erhalten“, erklärt die Uni.

Studierende könnten vor größeren bürokratischen Hürden im Lehr- und Prüfungsbetrieb stehen

In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Denn auch Zulassungsbedingungen zu Lehrveranstaltungen oder Lehrformate werden innerhalb eines Instituts vereinheitlicht. Mit der Auflösung der Institute könnte es nun dazu kommen, dass einige Professor*innen und Lehrstühle eigene Bedingungen stellen – und Studierende vor größeren bürokratischen Hürden im Lehr- und Prüfungsbetrieb stehen, wenn es beispielsweise um den Nachweis von Leistungen vor der Prüfungsanmeldung geht.

Die Uni sieht darin bislang keine Schwierigkeit: „Mit der Vereinfachung der Organisationsstruktur ist die Hoffnung verbunden, dass sachorientierte Lösungen für alle anstehenden Aufgaben gefunden werden und sich alle Beteiligten wieder besser den originären Aufgaben in Forschung und Lehre widmen können.“ Ob diese Hoffnung begründet ist, werden die kommenden Semestern nun beweisen müssen.

Bildquelle: lizenzfreies Foto, pixabay

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