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WISSENSCHAFT

Studie nimmt Merkel-Phänomen in den Blick

Auch die Medien beeinflussen, wie sich Menschen während einer Pandemie fühlen.

[Bild: Jaqcueline Brinkwirth]

20.07.2020 13:41 - Jacqueline Brinkwirth

Die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat mit einer Studie die Bedeutung von politischer Kommunikation in der aktuellen COVID-19-Pandemie untersucht. Ein zentraler Punkt dabei: Kanzlerin Angela Merkels Fernsehansprache am 18. März 2020.

Dass die COVID-19-Pandemie nicht nur die physische Gesundheit gefährdet, sondern sich auch belastend auf die Psyche auswirken kann, war Gesundheitsexpert*innen bereits mit Beginn der Kontaktbeschränkungen klar. Ein multidisziplinäres Forschungsteam der UDE hat sich deswegen mit der Frage beschäftigt, wie sich die Angst vor COVID-19 in der Allgemeinbevölkerung seit den ersten Einschränkungen des öffentlichen Lebens über die Merkel-Ansprache bis zum Schließen von Schulen und KiTas entwickelt hat.

Über 17.000 Menschen aller Altersgruppen haben bisher an der freiwilligen, digitalen Studie teilgenommen. Die federführenden Forscher*innen um Prof. Dr. Martin Teufel von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Essen warfen vor allem auch einen Blick darauf, ob und wie bestimmte Aussagen in der Studie spezifischen politischen Ereignissen wie dem Verkünden der Kontaktbeschränkungen zugeordnet werden konnten.

Mit der ersten Welle der Pandemie in Deutschland stieg das Angst- und Depressionslevel stetig an und erreichte mit den Schließungen der Grenzen am 16. März seinen Höhepunkt. „Bemerkenswert ist, dass nach der öffentlichen Ansprache der Bundeskanzlerin am 18. März die Angst- und Depressionswerte deutlich zurückgingen“, erläutert Teufel. Zwar seien die Werte mit Einführung der Kontaktbeschränkungen wieder gestiegen, blieben aber unter dem Level vor Merkels Rede.

„Die Ergebnisse unterstreichen die enorme Bedeutung politischer Führung für die psychische Gesundheit und das psychische Wohlbefinden. Eine transparente und nachvollziehbare Information kann dazu beitragen, dass die Ängste und Sorgen der Bürger in Krisenzeiten nicht zu groß werden“, resümiert Teufel. Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Teilnehmenden mit der Führung durch die Krise zufrieden sind und das Vertrauen in die Politik mit Verlauf der Pandemie sogar gestiegen ist. Veröffentlicht wurden erste Ergebnisse im internationalen Magazin Journal of Public Health.

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