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WISSENSCHAFT

Studi in the Sky with Diamonds?

Können kleine Dosen gut für uns sein?

[Symbolfoto: Julia Segantini]

27.10.2020 13:34 - Julia Segantini

Könnte LSD in Zukunft als wirksames Medikament gegen Depressionen helfen? Was auf den ersten Blick absurd erscheint, untersuchen zur Zeit Forscher:innen. Microdosing nennt sich die Methode, bei der kleinste Mengen psychedelischer Drogen produktiver, fokussierter und glücklicher machen sollen. Wir blicken genauer auf die Studienlage. 

Beim Microdosing geht es nicht darum, in einen Rauschzustand zu gelangen. Deswegen verabreichen sich Anwender:innen nur ein winzige Menge der high-machenden Dosis. Neben LSD finden seltener auch auch andere Psychedelika wie Psilocybin, der Wirkstoff der ‚magic mushrooms‘, Ibogain, Meskalin oder Ayahuasca Verwendung. Die Stoffe sollen die Stimmung verbessern, Schmerzen lindern, kreative Ideen fördern, produktives und flexibles Denken und die Konzentration steigern.

Seinen Ursprung hat der Trend in der kalifornischen Start-up-Szene im Silicon Valley. Auch Apple-Gründer Steve Jobs bekannte sich zu der Methode. Viele Gründer:innen sehen Microdosing als effektive Antwort auf die hohen Erwartungen im Berufsleben. Diese positiven Berichte wollen Forscher:innen wie Professor Johannes Ramaekers von der Universität Maastricht in einer Reihe von Studien wissenschaftlich belegen. Er forscht seit Jahren auf diesem Gebiet und befasst sich zum Beispiel auch mit den Auswirkungen von Alkohol und Cannabis auf das Nervensystem. Momentan konzentriert er sich auf die Auswirkungen von Mikrodosierungen von LSD. „Wir wollen herausfinden, ob diese Substanzen sicher sind und täglich angewendet werden können“, erklärt er der Technology Network Group, einem Verlag für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Interessant sind für die Studien die Veränderungen der Neuroplastizität im Gehirn, die einige der psychedelischen Wirkungen von LSD bewirken. „Beeinflussen sie Vitalzeichen, und wenn ja, ist das von klinischer Relevanz, wie wirken sie sich auf Ihre kognitive Funktion, auf das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit aus und können sie therapeutische Anwendung finden?“, fasst Ramaekers zusammen. 

Was bedeutet ‚Mikrodosis‘?

Das Problem beim Microdosing sei bisher, dass die Menschen, welche die Methode bereits anwenden, ihre Dosis selbstständig und daher ungenau wählen. Schließlich gibt es noch keine Erkenntnisse darüber, was ‚Mikrodosis‘ wirklich bedeutet. „Eine Mikrodosis würde buchstäblich bedeuten, dass Sie ein Tausendstel der normalen Dosis nehmen, aber in diesem Fall nehmen die Leute etwa 10 oder 20 Prozent der vollen Dosis“, bemängelt er. Schwerpunkt seiner Studien ist deshalb, die ideale Menge zu ermitteln.

„Mikrodosis würde buchstäblich bedeuten, dass Sie ein Tausendstel der normalen Dosis nehmen“

Diesen Teil der Studie hat er an 24 gesunden Freiwilligen durchgeführt. Wichtig war für die Forscher:innen dabei, wie die Behandlung sich auf die Stimmung der Teilnehmenden auswirkt, da viele Anwender:innen von einer verbesserten Laune berichteten. Weil es auch Berichte über gesteigerte Kreativität und verbesserte Leistungsfähigkeit gibt, führte das Forschungsteam Tests für die Aufmerksamkeit und Kreativität durch. Interessiert sind die Wissenschaftler:innen auch daran, ob Microdosing chronische Schmerzen lindern könnte. 

„Es gibt einige interessante, aber veraltete Arbeiten, die bis in die 60er und 70er Jahre zurückreichen und zeigen, dass volle Dosen von LSD tatsächlich als Analgetikum (Anm.d.Red.: Schmerzmittel) wirken können, insbesondere bei todkranken Patienten“, erklärt er. „Es schien sehr gut zu funktionieren. Aber gleichzeitig hat man natürlich, wenn man eine volle Dosis erhält, eine volle psychedelische Erfahrung.“ Aber wie muss man LSD dosieren, damit es als Analgetikum eingesetzt werden kann, ohne dass eine psychedelische Wirkung einsetzt? Noch steckt die Forschung in diesem Bereich in den Kinderschuhen. Welche möglichen Risiken diese Form der Therapie haben könnte, ist bislang unbekannt. Unklar ist beispielsweise, ob selbst so geringe Dosen Psychosen hervorrufen könnten. 

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