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WISSENSCHAFT

Placebo oder Nocebo? Über die menschliche Einbildungskraft

Medikamente oder Bonbons in Tablettenform?
[Symbolfoto: Magdalena Kensy]

06.01.2020 12:45 - Magdalena Kensy

Der Placebo-Effekt wird oft für wissenschaftliche Untersuchungen verwendet. Ob zur Heilung von Krankheiten oder zur Analyse empirischer Daten. Besonders in klinischen Studien wird häufig von Placebos Gebrauch gemacht. Der Nocebo-Effekt ist die unbekannte Seite des Placebos, doch wie hilfreich oder vielleicht sogar schädlich ist er für die menschliche Einbildung?

Die Erforschung des Placebos-Effekts, in Form von Publikationen, steigt seit zehn Jahren kontinuierlich an. Neurowissenschaftler Professor Dr. Manfred Schedlowski vom Universitätsklinikum Essen stellte im Jahr 2017 beim Wirtschaftsforum dar, welchen Einfluss die Psyche auf den Therapieerfolg nehmen kann.

Besonders herausgestellt wurden dabei Punkte wie Kommunikation und persönliche Betreuung von Patent*innen, die dabei eine große Rolle spielen. Es ließ sich feststellen, dass, wenn Patient*innen während der Therapie eng vom Arzt oder der Ärztin begleitet wurden, die Wirkung des Scheinmedikaments anstieg. Des Weiteren hat eine positive Äußerung der Arzt*innen zur Therapie die Wirkung nochmals ansteigen lassen.

Professor Schedlowski erzählt beim Wissenschaftsforum: „Die Erwartung der Patienten beeinflusst den Effekt von Medikament und Placebo. Auch die offene Gabe von Placebos ist besser als eine Nichtbehandlung." Die reine Erwartung an das Placebo bewirkt, dass ebenfalls Nebenwirkungen psychischer Natur entstehen.

Auslöser, Wirkung und ethisches Dilemma

„Der böse Bruder des Placebos", so lautet die Beschreibung für den Nocebo-Effekt. Die Ableitung aus dem Lateinischen (Schaden) sowie die Gegenüberstellung zum Begriff Placebo (lat. „gefallen"), leitet darauf hin, dass der Nocebo-Effekt die negativen Folgen einer Scheinbehandlung auf die menschliche Psyche beschreibt. Doch obwohl Nocebo ein vergleichbar junges Forschungsgebiet darstellt, ist das klinische Phänomen längst etabliert.

Ängstliche Patient*innen neigen eher zur Entwicklung von Nocebo-Symptomen.

In Studien, die zu Nocebos durchgeführt werden, brechen in kontrollierten klinischen Untersuchungen auch Patienten, die Placebos erhalten, ihre Teilnahme häufig wegen scheinbaren Nebenwirkungen ab. Bei unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen ist es schwer, zwischen einem Nocebo-Effekt und anderen Gründen zu unterschieden.

Der häufigste Auslöser dafür, so Schedlowski, seien falsche Patienteninformationen. Durch Missverständnisse oder negative Formulierungen sowie das Verbreiten von Gerüchten kann der Effekt zu einem Wirkungsverlust führen oder im schlimmeren Fall eine Zustandsverschlechterung des Patienten erzeugen. Formulierungen wie „Probieren wir mal dieses Medikament aus" sollten demnach vermieden werden. Eine negative Erwartungshaltung oder ängstliche Patient*innen neigen eher zu Entwicklungen von Nocebo-Symptomen.

Auf das ethische Dilemma, das für den Arzt oder die Ärztin aus der Nocebo-Wirkung entsteht, weisen einige Studien hin. Ärzt*innen sind zur Aufklärung gegenüber den Patient*innen verpflichtet, doch gerade die Aufklärung über die Placebos kann schaden. Die Seite der Rechtsprechung sieht das jedoch anders und beantwortet die Frage, ob eine Verschweigung von Therapiewirkungen rechtens sei, deutlich mit „Nein". Gerichte sind der Auffassung, dass Ärzt*innen ihre Patient*innen vollständig über Risiken und Nebenwirkung der Behandlung aufklären müssen.

Ein Lösungsansatz für die ethische Debatte könnte sein, den Betroffenen das Nocebo-Phänomen zu erklären und anzubieten, über weniger gravierende unerwünschte Arzneimittelwirkungen nicht zu informieren. Jedoch komme es bei solch einer Aufklärung immer auf den Kontext an, erklärt Prof. Dr. med. Claudia Witt vom Institut für Sozialmedizin.

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