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WISSENSCHAFT

PCR-Testergebnisse laut Studie ungeeignet

Corona-Tests sind zum Alltag geworden. [Foto: Magdalena Kensy]

29.06.2021 15:56 - Magdalena Kensy

Um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bekommen, wird neben den Impfungen auf die Teststrategie gesetzt. Selbsttests, Antigen-Schnelltests oder PCR-Tests geben Aufschluss darüber, ob eine mögliche COVID-19-Infektion vorliegt. Jetzt stehen PCR-Tests durch Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) in der Kritik.

Am 08. März 2021 wurde in Deutschland die Corona-Teststrategie eingeführt. Durch sie können Bürger:innen mindestens einen kostenlosen Schnelltest pro Woche durchführen lassen. Kostenpflichtig dagegen ist der PCR-Test, der rund 40 Euro kostet. Laut dem Bundesgesundheitsministerium gilt dieser als „Goldstandard“ unter den Corona-Tests. Grund für den Goldstandard ist, dass mittels eines PCR-Test zuverlässig nachgewiesen werden kann, ob Erreger vorhanden sind.

Bei dem Test handelt es sich um ein Standardverfahren in der Diagnostik von Viren. Der Test beruht auf der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion. Dabei wird Erbmaterial des Virus vervielfältigt. Dadurch gelingt es, Viren nachzuweisen, auch wenn erst wenige Erreger vorhanden sind. Der PCR-Test hat also eine hohe Sensitivität – er weist das Virus mit einer hohen Treffsicherheit nach.

Forschende der Medizinischen Fakultät der UDE haben zusammen mit Wissenschaftler:innen der Universität Münster und dem MVZ Labor Münster nun eine Studie veröffentlicht, die darauf hinweist, dass die Ergebnisse von RT-PCR-Tests eine zu geringe Aussagekraft besitzen. Die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung ließen sich demnach nicht anhand von PCR-Testergebnissen ausrichten. Das RT steht für Reverse-Transkriptas und ist die Kombination von zwei Methoden der Molekularbiologie – die Nutzung der Reversen Transkriptase (RT) und der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) – um Viren nachzuweisen zu können.

Ansteckungsgefahr bei 40 Prozent

Für die Untersuchung wurden rund 19.000 Ergebnisse von mehr als 160.000 Menschen ausgewertet. Die Untersuchung zeigt, dass ein positives Testergebnis nicht hinreichend belegt, ob die mit dem Virus infizierten Personen in jedem Fall auch andere Menschen anstecken könnten. Die PCR-Test-Technik diente in der Pandemie zur bundesweiten Bestimmung des Inzidenzwertes, sprich der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen innerhalb von sieben Tagen. Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, wie Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren, bauten auf diesen Werten auf. Das Forschungsteam aus Essen und Münster stellt das aufgrund ihrer Datenauswertung nun infrage.

Laut der Studie gehe von 40 Prozent der Positiv-PCR-Getesteten eine wirkliche Ansteckungsgefahr aus. „Ein positiver RT-PCR-Test allein ist nach unser Studie kein hinreichender Beweis dafür, dass Getestete das Coronavirus auf Mitmenschen übertragen können“, sagt Erstautor Prof. Dr. Andreas Stang, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) des Universitätsklinikums Essen. Der Vorschlag: Daten aus anderen Bereichen sollen als Bewertung der Pandemie-Lage genutzt werden. „Geeigneter wären zum Beispiel verlässliche Angaben zur Intensivbetten-Belegung sowie zur Mortalität, also zu der jeweiligen Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit COVID-19“, schlägt Epidemiologe Prof. Stang vor.

Ct-Wert als neuer Maßstab?

Eine weitere Möglichkeit wäre die Einbeziehung des Cycle-threshold-Wertes (Ct-Wert). Der Ct-Wert gibt an, wie ansteckend eine infizierte Person ist. Liegt er bei positiv Getesteten bei 25 oder höher, kann davon ausgegangen werden, dass keine Ansteckungsgefahr existiert. Grund dafür ist die zu geringe Virenlast. „Bei durchschnittlich etwa 60 Prozent der Getesteten mit COVID-19-Symptomen wurden solch hohe CT-Werte nachgewiesen. In den Wochen 10 bis 19, in dem die CT-Test durchgeführt wurden, waren es sogar 78 Prozent, die sehr wahrscheinlich nicht mehr ansteckend waren“, betont Prof. Stang.

Expert:innen geben jedoch an, das der Ct-Wert bei einen einmaligen Test nicht aussagekräftig sei. Friedemann Weber, Virologe an der Uni Gießen, argumentiert: „Woher soll man denn wissen, ob die niedrige Virenlast (hoher Ct-Wert) sich nicht einige Zeit später zu einer hohen infektiösen Virenlast entwickelt?“ Die Fehleranfälligkeit bei einem PCR-Test gehe gegen null, dennoch bestehe die Gefahr, bei einem schlechten Test-Abstrich einen verfälschten Ct-Wert zu erhalten. Trotz der Kritik ist die Bedeutung der PCR-Tests für das Pandemie-Geschehen laut Weber unverzichtbar: „PCR ist das sensitivste Mittel, um möglichst viele Infizierte - und potenzielle Ansteckende - zu identifizieren.“ 

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