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WISSENSCHAFT

Mit „Housing-First“ in die eigene Wohnung

Das Konzept wird nun auch in Nordrhein-Westfalen erprobt.
[Symbolbild: pixabay]

06.08.2019 15:42 - David Peters

Menschen, die wohnungslos geworden sind, haben oft Schwierigkeiten, erneut in ein eigenes Mietverhältnis zu kommen. Das aus den USA stammende Konzept „Housing-First“ geht deshalb neue Wege. Es sieht vor, dass Wohnungslose zuerst eine eigene Wohnung bekommen. Auch in Nordrhein-Westfalen wird das Konzept inzwischen erprobt.

Wohnungslosigkeit ist ein großes Problem in Deutschland. 2016 waren nach Information der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe rund 860.000 Menschen in Deutschland wohnungslos. Die Betroffenen müssen im gängigen Hilfsmodell oft ihre „Wohnfähigkeit“ in Sammelunterkünften unter Beweis stellen. Das Konzept des in den 90ern in den USA entwickelten Housing-First verfolgt einen anderen Ansatz: Die Betroffenen sollen erstmal eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag erhalten und dort das Wohnen wiedererlernen.

Der Sozialwissenschaftler Volker Busch-Geertsema von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) forscht zu Housing-First. Für ihn sind die Vorteile des Konzeptes klar: „Wenn man Wohnen lernen muss, dann ist es am einfachsten, es da zu lernen, wo die realen Bedingungen des Wohnens gegeben sind. Wohnen kann man nicht in Zwangsgemeinschaften, irgendwo außerhalb des Wohnungsmarktes, erlernen.“ Auch die damit verbundene Bleibeperspektive sei für die Betroffenen wichtig, so der Sozialwissenschaftler.

Es fehlt passender Wohnraum

Housing-First sieht neben der eigenen Wohnung auch ein Angebot an wohnbegleitenden Maßnahmen vor. „Das ist ein Konzept, das an den Präferenzen der Betroffenen ansetzt“, erklärt Busch-Geertsema. „In der Regel ist das eine weitergehende soziale Integration.“ In vielen westeuropäischen Ländern, wie Dänemark, Finnland, Schweden, Frankreich, Spanien, Portugal und Belgien wurde das Konzept bereits erprobt und hat sich inzwischen etabliert. Vorreiter hierbei ist Finnland, denn hier sinken die Wohnungslosenzahlen.

Das Problem bei der Umsetzung des Konzepts sei eher die Verfügbarkeit von passendem Wohnraum.

Housing-First folgend wurden hier Sammelunterkünfte geschlossen und in Wohnräume umgewandelt. Auch in Nordrhein-Westfalen wurden erste Versuche unternommen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Wohnungslosenhilfe fiftyfifty haben einen Fonds gegründet, mit dem der Ankauf von Wohnungen für das Housing-First-Konzept finanziell unterstützt werden kann. Fiftyfifty verfolgt den Housing-First-Ansatz selbst und hat nach eigenen Informationen seit 2014 48 Wohnungen gekauft und an Langzeitwohnungslose vermittelt.

Finanzierung für wohnbegleitende Hilfen benötigt

Laut Busch-Geertsema ist Housing-First auch keine Kostenfrage: „Das Wohnen im normalen Wohnraum ist ja nicht unbedingt teurer, als wenn man in einer Einrichtung oder in Obdächern untergebracht ist. Was finanziert werden muss, das sind die wohnbegleitenden Hilfen.“ Die Kosten würden in der Regel durch die SGB2-Kostenregeln übernommen werden. Das Problem bei der Umsetzung des Konzepts sei eher die Verfügbarkeit von passendem Wohnraum. Dieses Problem müsse die Politik lösen. Damit allein sei es aber nicht getan, da Wohnungslose beispielsweise aufgrund von Schufa-Einträgen keinen Zugang zum Wohnraum hätten. Hier müssen, laut Busch-Geertsema ebenfalls Barrieren abgebaut werden, um die Wohnungslosigkeit in Zusammenarbeit mit dem Housing-First-Konzept effektiv zu senken.

 

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