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WISSENSCHAFT

Mikroorganismen im Darm entscheidend für Übergewicht

Ein Mikrobiom im Darm könnte über unsere Fettverbrennung entscheiden.

[Foto: pixabay]

21.09.2021 15:13 - Mona Belinskiy

Ergebnisse einer Studie der Universitätsmedizin Duisburg-Essen könnten Menschen zukünftig vor Fettleibigkeit schützen. Offenbar entscheidet ein Mikrobiom im Darm über die Fettverbrennung im Körper. Gemeinsam mit deutschen und amerikanischen Kolleg:innen haben die Wissenschaftler:innen der Universität Duisburg-Essen (UDE) hierzu geforscht.

In unserem Körper gibt es zehnmal mehr Mikrobiome als andere Zellen. „Mikrobiome sind alles, was bei uns keucht und fleucht“, erklärt Dr. Benedikt Hild von der Klinik für Hepatologie und Gastroenterologie der Universitätsklinik Essen. „Besonders viele davon gibt es bei uns im Darm. Das Darmmikrobiom kann man sich als kleines Ökosystem vorstellen. Das ist wie ein komplizierter Regenwald in uns, wo es unzählige verschiedene Virenarten und Bakterien gibt.“ Durch die Einnahme von Medikamenten und Antibiotika haben sich menschliche

Darmmikrobiome über die vergangenen Jahrzehnte sehr verändert, führt Hild aus. Diese Veränderungen im Darm seien auch der Anstoß für die Studie gewesen.

Darmmikrobiom verantwortlich für Fettleibigkeit

Das Darmmikrobiom steht schon lange im Mittelpunkt der Forschung zu den Ursachen von Übergewicht und Fettleibigkeit, doch eine konkrete Verbindung konnte bislang nicht nachgewiesen werden. In der neuen Studie wollte das deutsch-amerikanische Forschungsteam das jetzt ändern. Dazu arbeiteten sie mit Labor- und Wildmäusen. „Wir wollten die Mikrobiome der Wildmaus auf die Labormaus übertragen, um anhand dessen Stoffwechselforschung zu betreiben. Das haben wir auch geschafft“, erklärt der Gastroenterologe. Eine Wildmaus hat durch ihr Leben in der freien Natur deutlich mehr Keime und Viren als eine Labormaus, das wollten die Forscher für die Studie nutzen. Eine klassische Labormaus sollte mit einer Labormaus verglichen werden, die die Mikrobiome einer Wildmaus in sich trägt.

„Wir haben beide Mäuse mit derselben fettreichen Diät gefüttert. Die Maus mit dem wilden Mikrobiom hat kaum Gewicht zugenommen und wog am Ende deutlich weniger als die klassische Labormaus”, erläutert Hild. Das lag an einem erhöhten Umsatz im Körper der Maus, der Stoffwechsel hat also mehr Energie verbrannt. Das Forschungsteam fand heraus, dass das Mikrobiom der Wildmäuse innerhalb weniger Wochen nach der Geburt übertragen werden muss, damit der Organismus diesen positiven Effekt zeigen kann. Passiert die Übertragung in dieser frühen Phase, bleibt der Effekt selbst dann stabil, wenn die Mäuse mit Antibiotika behandelt werden.

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Hoffnung auf neue Therapieansätze 

Die Erkenntnis, dass ein Mikrobiom im Darm für den Stoffwechsel verantwortlich ist, könnte in Zukunft von großem Nutzen sein. Sie könnte zum Beispiel dazu beitragen, Menschen bereits in der frühen Kindheit vor Fettleibigkeit zu schützen. Das sei aber nicht ganz so leicht, sagt der Arzt: „Dieser Mechanismus muss jetzt erstmal beim Menschen gefunden werden. Man kann nicht erwarten, dass man das gleiche Bakterium wie bei der Maus findet. Es wird vielleicht ähnlich sein, aber ein anderes.” 

Mit Ergebnissen für den Menschen sei daher vielleicht frühestens in zwanzig Jahren zu rechnen, meint Hild. „Vielleicht könnte es irgendwann so sein, dass man Menschen ein bestimmtes Mikrobiom als Pille oder Impfung verabreicht, um den Energiehaushalt umzustrukturieren.“ Der nächste Schritt sei jetzt herauszufinden, welcher Teil des Mikrobioms für diesen Effekt überhaupt verantwortlich ist.

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