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WISSENSCHAFT

Leukämie-Rückfälle besser verstehen – und behandeln

Leukämie greift die normale Blutbildung an. [Symbolfoto: pixabay]

19.05.2019 19:32 - Jacqueline Brinkwirth

Leukämie oder Blutkrebs geht von den Blutstammzellen aus – den Zellen,  aus denen alle Blutzellen hervorgehen. Für viele Patient*innen ist eine Blutstammzellspende deswegen oft die einzige Hoffnung auf Heilung. Doch die Zahl der Rückfälle ist hoch. Eine Forschungsgruppe mit Wissenschaftler*innen der Uni Duisburg-Essen (UDE) hat nun entdeckt, welche Mechanismen für viele der Rückfälle verantwortlich sind.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 12.500 Menschen an einer Leukämie. Das bedeutet, dass Blutkörperchen gebildet werden, die sich unkontrolliert vermehren und so die normale Blutbildung verdrängen. Wenn eine Chemotherapie nicht anschlägt, ist eine Blutstammzelltransplantation häufig die einzige Chance auf Heilung.
Etwa ein Drittel aller Patient*innen erleiden jedoch trotz Transplantation einen Rückfall.

Bisher waren die Mechanismen, die in den erkrankten Zellen zum Rückfall führen, weitgehend unbekannt. Eine internationale Forschungsgruppe hat mit der Unterstützung von Wissenschaftler*innen der Uni Duisburg-Essen (UDE) und des Universitätsklinikums Essen (UK) nun herausgefunden, was sich während in vielen dieser Rückfälle in der Zelle abspielt.

Rückfälle durch Ausschaltung des Spender-Immunsystems

Prof. Dr. Katharina Fleischhauer ist Leiterin des Instituts für Zelltherapeutische Forschung am UK Essen und hat bei der Forschung leitend mitgewirkt. Sie erklärt die Grundlage für das Projekt so: „In vielen Fällen ist eine Leukämie durch Chemotherapie nicht dauerhaft heilbar, weil sie nicht alle bösartigen Zellen vernichtet und die Patienten einen Rückfall erleiden. Vor einer Blutstammzelltransplantation erhalten sie eine starke Chemotherapie, die das eigene Blutsystem zerstört, welches dann durch das Spender-Blutsystem ersetzt wird. Die Spenderzellen wirken dann wie eine Polizei im Blut des Patienten: wenn sie auf eine trotz Chemotherapie verbliebene Leukämiezelle stoßen, können sie diese vernichten.“ Trotzdem komme es immer noch bei etwa einem Drittel der Patient*innen zu Rückfällen. „Die Frage war dann: Warum ist das so? Was passiert da im Blut? Genau an dieser Stelle setzt das Projekt an“, beschreibt sie.

Im Labor untersuchten die Wissenschaftler*innen Leukämiezellen bei der Erstdiagnose und verglichen diese mit den Leukämiezellen beim Rückfall nach der Blutstammzelltransplantation. Dabei stellten sie fest, dass man die Rückfälle in drei Typen einteilen kann: Beim ersten Typ werden bestimmte Gene, die für die Erkennung durch die Spenderzellen verantwortlich sind, unwiederbringlich aus dem Genom der Leukämiezelle gelöscht. Bei einem zweiten Typ werden eben diese Gene durch einen reversiblen Prozess ausgeschaltet, der durch medikamentöse Behandlung rückgängig gemacht werden kann – zumindest im Reagenzglas. Beim dritten Typ werden hingegen andere Gene angeschaltet, welche die Aktivität der Spenderzellen hemmen. Auch dieser Prozess kann medikamentös rückgängig gemacht werden, in diesem Fall durch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, welche bereits in der Therapie von anderen Krebsarten klinisch eingesetzt werden.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen, dass viele Rückfälle, nämlich diejenigen mit den reversiblen Genveränderungen, in Zukunft besser behandelbar sein könnten. Für betroffene Patient*innen könnte das eine neue Chance auf Heilung bedeuten. Allerdings ist das bisher nur im Labor gezeigt worden. „Bevor die Therapie standardmäßig in der Klinik eingesetzt wird, sollten weitere Versuche erfolgen, beispielsweise im Tiermodell“, so Prof. Dr. Fleischhauer.

Damit könnten Ärzt*innen in Zukunft Rückfall-Patient*innen genauer diagnostizieren.

Obwohl die Erkenntnisse des Projektes durchaus einen Durchbruch in der Forschung zu Blutkrebs darstellen, müsse man diese auch realistisch betrachten: „Wir haben mehr als 100 Rückfälle bestimmter Leukämieformen im Labor untersucht. Es könnte aber auch noch andere Mechanismen geben, die zu Rückfällen führen. Ein Durchbruch sind unsere Ergebnisse dennoch, weil wir vorher ratlos davor gestanden haben und jetzt zum ersten Mal zumindest einen Einblick in das bekommen haben, was auf der Molekülebene abläuft.“

Auch für Ärzte wichtig

Die Information, in welche der drei Typen ein Rückfall einzuordnen ist, könnte für Ärzte in Zukunft ein guter Hinweis auf mögliche Therapieoptionen sein. Bisher stehen diagnostische Kits bereits für den ersten, irreversiblen Typ zur Verfügung. Für die beiden anderen, reversiblen Typen gibt es bisher noch keine routinemäßig einsetzbaren Prüfverfahren: „Diese Verfahren sind ziemlich komplex und deswegen momentan der Forschung vorbehalten. Man könnte aber diagnostische Kits hierfür ebenfalls entwickeln.“

Damit könnten Ärzt*innen in Zukunft Rückfall-Patient*innen genauer diagnostizieren. Hier sei aber besonders auch die Aufklärung von Mediziner*innen ein wichtiger Punkt, betont Prof. Dr. Fleischhauer: „Es ist wichtig, dass Ärzte wissen, was wir herausgefunden haben, um Rückfälle besser einordnen zu können und dann eine geeignete Therapie auszuwählen.“ Für Patient*innen und Behandelnde sind die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts also ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, hin zu stetig verbesserten, personalisierten Therapieverfahren.

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