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WISSENSCHAFT

Hilft Lakritz gegen Corona?

Möglicherweise könnte der Konsum von Lakritz den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. [Foto: David Peters]
20.01.2021 18:15 - David Peters

Forscher:innen der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersuchen die Wirkung des Stoffes Glycyrrhizin gegen SARS-CoV-2. Zellkulturversuche zeigen, dass der Stoff antiviral gegen den Virus wirkt. Eine Überprüfung der Wirksamkeit am Menschen steht allerdings noch aus.

Während in Deutschland die Ersten bereits gegen das Coronavirus geimpft wurden, zeigen Versuche von Wissenschaftler:innen der Klinik für Infektiologie am Universitätsklinikum Essen, dass der Stoff Glycyrrhizin stark antiviral gegen SARS-CoV-2 wirkt. Das Forschungsteam hatte die antiviralen Effekte eines Tees aus getrockneter Süßholzwurzel in Zellkulturversuchen untersucht. Lukas van de Sand und Dr. Adalbert Krawczyk fanden dabei heraus, dass für diese Wirkung das Molekül Glycyrrhizin verantwortlich ist.

„Glycyrrhizin hemmt ein für die Virusvermehrung essenzielles Enzym, die virale main protease“, erklärt der Leiter der Studie Dr. Adalbert Krawczyk. Laut der Studie ist bereits die in Süßholzwurzeltee enthaltene Menge an Glycyrrhizin ausreichend, um die Viren in einer Zellkultur zu neutralisieren. Der Stoff wird unter anderem in der Herstellung von Lakritz verwendet und schmeckt zirka 50 mal süßer als Rohrzucker.

Studie zur Wirksamkeit steht noch aus

Sind Lakritz und Süßholzwurzeltee also die neuen Geheimwaffen gegen den Coronavirus? Das könne man so pauschal nicht sagen, so Dr. Krawczyk. Man solle vor allem ausreichend Abstand halten, die Hygieneregeln beachten und wenn möglich eine Impfung in Anspruch nehmen. „Möglicherweise könnte der Konsum von Lakritz oder des Süßholzwurzelextrakts als Tee den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen“, ergänzt der Fachvirologe. Prof. Dr. Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie gibt zu bedenken: „Eine Untersuchung der Wirksamkeit von Glycyrrhizin zur Behandlung von COVID-19 beim Menschen, zum Beispiel im Rahmen von klinischen Studien, steht noch aus.“

Zuviel Lakritz kann aber auch schädlich sein: „Die maximale Tagesdosis von Glycyrrhizin liegt bei 100 Milligramm, das entspricht je nach Sorte etwa 50 Gramm Lakritz“, so Dr. Krawczyk. Nach Angaben des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) kann der Stoff Bluthochdruck, Ödeme und Muskelschwäche begünstigen. „Bei ständigem Verzehr größerer Mengen von Glycyrrhizin kann es zu einer Veränderung des Mineralstoffwechsels mit Natriumanreicherungen und Kaliumverlusten kommen“, heißt es in einer Einschätzung des BfR.

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