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|Theorieklatsche|

Hefe, Hopfen, Malz und... Algen?!

18.02.2019 12:46 - Victoria Göres

Wenn mitten in der Vorlesung auf einmal das Wort „Bier“ fällt, sind auch in der letzten Reihe des Hörsaals schlagartig alle Studierenden wach. Es geht um Bier! Oder? Doch nicht. Auf der Folie steht nur irgendetwas über Kieselalgen. Es gibt zwar Craft Beer, das durch Algen einen salzigen Geschmack bekommt, aber Algen in der Bierherstellung? Wir erklären, wie Bier hergestellt wird und was Algen damit zu tun haben.

Was sind Kieselalgen überhaupt? Kieselalgen sind winzige, einzellige Algen. Sie betreiben Photosynthese und stehen daher, wie die vielzelligen Pflanzen an Land, am Anfang der Nahrungskette. Pflanzen, die ihre Energie aus Licht gewinnen können, bilden somit als „Produzenten“ die Grundlage für sämtliches andere Leben und bilden auch einen Großteil des Sauerstoffs auf der Erde. Andere Einzeller, aber auch Fische und sogar große Wale, ernähren sich teilweise ausschließlich von diesem Meeresplankton.

Auch wenn es noch viele andere Algenarten gibt, sind die Kieselalgen die wichtigsten Produzenten überhaupt. Sie sind oft freischwebend im Wasser, da die meisten von ihnen keine eigenen Fortbewegungsorgane besitzen. Außerdem haben die Algen eine Zellhülle aus Silikat, also Siliziumdioxid, der sie auch ihren Namen verdanken – das Silikat wird nämlich aus Kieselsäure gebildet.

Kurzer Crash Kurs: Bierherstellung

Mit Bier hat das allerdings erstmal wenig zu tun: Bier besteht nämlich aus Wasser, Hefe, Hopfen und Malz, von Algen also keine Spur. Bei der Bierherstellung wird zunächst das Malz, kurz gekeimtes und dann wieder getrocknetes Getreide, zu Malzschrot gemahlen. Der Schrot wird mit Wasser zur Maische gemischt und dann erhitzt, damit sogenannter Malzzucker entsteht. Anschließend wird die Maische geläutert: Man trennt die festen Bestandteile von den flüssigen.

Die festen Teile, wie beispielsweise Getreidehüllen, werden oft als Tierfutter verwendet, die Flüssigkeit wird in der sogenannten „Würzpfanne“ weiterverarbeitet. Dort wird der Hopfen hinzugegeben und es werden Trübstoffe entfernt. Wenn die Mischung abgekühlt ist, wird letztlich die Hefe hinzugegeben, sodass die Gärung beginnen kann. Dabei entsteht neben Kohlensäure auch der beliebte Alkohol. Im Anschluss wird das Bier gelagert – bis zu drei Monate, je nach Biersorte.

In der Lagerung entfaltet das Bier seinen Geschmack. Außerdem wird die Kohlensäure gebunden und die Hefe setzt sich ab, sodass das Bier langsam klar wird. Bevor das Bier dann abgefüllt wird, wird es noch gefiltert – und das ist der Punkt, wo die Kieselalgen ins Spiel kommen.

Mikroalgen als Filter

Kieselalgen, beziehungsweise die „Kieselgur“, wird als Filtermedium für Bier verwendet. Was Kieselgur genau ist und wie sie eingesetzt wird, weiß Christian Galaske, der im Außendienst  der Firma Lehmann & Voss arbeitet, die sich unter anderem auf Filtermedien für die Lebensmittelindustrie spezialisiert hat. „Kieselgur, auch Diatomeenerde genannt, sind die Skelette von vor über 10 Millionen Jahren abgestorbener und sich am Meeres- und Seeboden abgelagerter Kieselalgen.

„Besonders die einzigartige Struktur, sowie die große Oberfläche von bis zu 40 m²/g macht die Kieselgur als Filterhilfsmittel für Bier einzigartig“

Man unterscheidet zwischen Salz- und Süßwasser-Kieselgur“, erklärt der Fachmann. „Durch Naturgewalten verschob sich das Vorkommen zur Landmasse und wird seit Ende des 19. Jahrhunderts im Tagebau gewonnen. Aus der abgebauten Roh-Kieselgur werden durch physikalische und thermische Produktionsverfahren eine Vielzahl von pulverförmigen Kieselgur-Produkten von sehr grob bis sehr fein hergestellt“, erläutert er.

Somit gibt es für jedes Bier einen passenden Filter, um ein optimales Ergebnis zu erhalten. Die versteinerten Kieselalgen sind dabei echt besonders – nicht umsonst benutze man seit Mitte der 50er Jahre fast nur noch Kieselgur zum Filtern, so Galaske.

„Besonders die einzigartige Struktur, sowie die große Oberfläche von bis zu 40 m²/g macht die Kieselgur als Filterhilfsmittel für Bier einzigartig“, erzählt er weiterhin. „Nach Abschluss der Gärung und Reifung des Bieres werden durch die Dosage von Kieselgur Hefen und Trübstoffe aus dem Bier abfiltriert. Das aus dem Filter ablaufende Resultat ist ein klares, glanzfeines Bier, wie beispielsweise die Biersorte Pils“, verdeutlicht der Außendienstler).

Somit erweisen die winzigen Algen nicht nur verschiedensten aquatischen Ökosystemen einen großen Dienst, sondern auch den Studierenden auf der ganzen Welt. Klein aber Oho, könnte man sagen.

Übrigens: Wer sich noch weiter für Algen interessiert, darf sich freuen. In der zweiten Jahreshälfte zieht die größte Algensammlung weltweit von der Uni Köln zu uns nach Essen an die Fakultät für Biologie. Sie wird das Zentrum für Wasser- und Umweltforschung unterstützen und soll dort weiter erforscht werden.

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