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WISSENSCHAFT

Hausmittel und Erkältungsmythen im Faktencheck

Tee, Ingwer oder doch eine Brühe? Welches Hausmittel wirklich hilft.

[Foto: Magdalena Kensy]

14.03.2021 15:25 - Magdalena Kensy

Die schwankenden Temperaturen im Frühling ziehen das Immunsystem in Mitleidenschaft. Doch wie kann man sich am besten schützen, um nicht verschnupft im Bett liegen zu müssen? Ein Faktencheck der bekanntesten Hausmittel und Erkältungsmythen mit Dr. Hermann Römer, Facharzt für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Essen.

ak[due]ll: Entsteht eine Erkältung durch kalte Füße oder einer generellen Verkühlung? 

Dr. Hermann Römer: Es ist so, dass der Körper in irgendeiner Form von der Immunabwehr geschwächt ist. Das Virus kann sich vermehren, es fängt mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit an und kann zu ein wenig Fieber führen. Wenn ich vorher natürlich eine Stunde spazieren war und nasse Schuhe und durchgeweichte Socken bekommen habe, zieht sich diese Erkältung von unten nach oben durch. Grundsätzlich einfach nur kalte Füße wären keine Ursache, weil viele Menschen von Natur aus welche haben. Frauen haben das zum Beispiel fast immer. Der grippale Infekt kann drei bis sieben Tage dauern. Wenn ich mich mit vielen gesunden Sachen ernähre wie Vitamine C oder Zink, kann es den Körper unterstützen. Vitamin C verringert die Virusaufnahme in die Zelle. 

ak[due]ll: Also wirken Nahrungsergänzungsmittel, in denen Vitamin C oder Zink enthalten sind, vorbeugend?

Römer: Ja, damit macht man nichts verkehrt. Vitamin C ist ein wasserlösliches Vitamin. Was ich davon zu viel einnehme, wird automatisch über die Niere ausgeschieden. Man kann auch natürliche Substanzen wie beispielsweise Zitronensaft nehmen. Wichtig ist, den Zitronensaft nicht mit kochendem Wasser aufzugießen, sondern erst das warme Wasser in die Tasse zu geben. 

ak[due]ll: Neben der Zitrone wird Ingwer gerade hochgelobt. Wäre Ingwer eine Alternative für ein heißes Getränk oder einen Tee?

Römer: Ingwer kann durch die Schärfe dafür sorgen, dass die Nase frei wird und schleimlösend wirken. Grundsätzlich ist jeder warme Tee schleimlösend. Ingwer ist besonders reizvoll, weil er Schärfe besitzt. Inwieweit damit Erkältungen vermieden werden, ist schwierig zu kalkulieren. Es gibt keine großen Studien dazu. 

ak[due]ll: Wie ist es mit Dampfbädern oder heißen Duschen, haben die denselben Effekt? 

Römer: Dampfbäder führen dazu, dass sich verdicktes oder verhärtetes Sekret in der Nase auflöst und ablaufen kann. Dadurch wird die Nasenatmung verbessert. Die freien Nasennebenhöhlen führen zu einer Verbesserung der Schleimhautsymptomatik zwischen der Nase und dem Mittelohr. Wenn man ein bisschen Druck auf dem Mittelohr hat, kann sich das lösen. Heiß duschen ist sicherlich angenehm, was aber Erkältungsprotektiv wäre, wäre nach dem heiß duschen kalt abduschen. 

ak[due]ll: Der Nasenausfluss kann manchmal eine Verfärbung haben. Kann anhand der Farbe etwas über den Gesundheitszustand ausgesagt werden? 

Römer: Grundsätzlich sorgt ein grippaler Infekt dafür, dass die Schleimhäute gereizt sind und Sekret produziert wird. Der klare Ausfluss spricht primär für einen grippalen Infekt. Sollte sich auf diesen Virusinfekt ein bakterieller Infekt setzen, kommt Farbe ins Spiel. Dann können sich alte weiße Blutkörperchen darin befinden. Dadurch hat man Eiter im Nasenausfluss, der gelblich-grünlich sein kann. Dieser bakterielle Infekt ist antibiotisch behandelbar. Auch mit Honig oder Ingwer, die leicht antibiotische Wirkungen haben. 

ak[due]ll: Apfelessig bei Halsschmerzen gurgeln, ist das hilfreich? Schließlich ist Essig ein ätzendes Mittel. 

Römer: Essig oder auch Apfelessig wirkt je nach Konzentration desinfizierend. Wichtig ist, dass die Konzentration mit warmem Wasser verdünnt und vorher mal auf die Zunge gegeben wird, damit es nicht zu ätzend ist. Ich kann auch eine Salzwasserlösung empfehlen. Schmeckt schrecklich, aber es schmeckt den Bakterien genauso schrecklich und desinfiziert. Einen halben bis einen Teelöffel Salz in einem Liter warmen Wasser lösen und damit gurgeln. Das Salz bricht die Proteinketten auf, dadurch löst sich der Schleim. 

ak[due]ll: Die Hühnersuppe von Oma hat immer geholfen. Ist das ein Irrglaube oder hat die Suppe wirklich erkältungslindernde Kräfte?

Römer: Ich glaube, es ist erst einmal egal, ob es das Hühnchen ist oder eine Gemüsesuppe. Wichtig ist, dass viele verschiedene Gewürze, Kräuter und pflanzliche Zutaten drin sind, wie Zwiebeln. In ihr sind viele ätherische Öle. Und auch hier wirkt die heiße Substanz schleimlösend. Die multiplen Zusatzstoffe des Gemüses und des Salzes stabilisieren den Kreislauf. 

ak[due]ll: Wadenwickel, die kalten nassen Lappen an den Beinen. Unangenehm, aber wirksam?

Römer: Heute ist man bequem und greift auf verschiedene Medikamente zurück, die das Fieber senken. Früher gab es kein Paracetamol oder ähnliches. Damals war es wichtig, einfach das Blut herunter zu kühlen, damit das Fieber nicht zu hoch geht. Auf der anderen Seite ist Fieber gar nicht schlecht, weil es die natürliche Art und Weise ist, das Virus zu bekämpfen. Wichtig ist bei Kleinkindern, dass die Wadenwickel an den Oberschenkeln gemacht werden, aber nicht zu lange. Das kann sonst dazu führen, dass das Blut zentralisiert und dann dort eine Fehlregulierung stattfindet. 

ak[due]ll: Wann sollte man mit Hausmitteln aufhören und zum Arzt gehen?

Römer: Eine normale Erkältung kann drei bis fünf Tage dauern. Wenn richtig Farbe ins Spiel kommt, also der Auswurf gelblich-grün wird, kann man darüber nachdenken, das antibiotisch zu behandeln. Wenn die üblichen Hausmittelchen nicht helfen und ich immer wieder erkältungstypische Symptome habe, also mich gar nicht richtig erhole, wäre ein ärztlicher Rat zu empfehlen. 

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