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WISSENSCHAFT

Hatschi - Warum wir niesen, wenn wir in die Sonne schauen

Kribbelt bei euch schon die Nase? [Foto: Magdalena Kensy]
13.05.2021 12:55 - Magdalena Kensy

Nach einem Kribbeln in der Nase kommt meistens ein Nieser. Nur manchmal kann es helfen, in die Sonne zu schauen. Doch warum bringt uns das überhaupt zum Schniefen? 

Menschen niesen in der Regel zweimal täglich. Auf die gesamte Lebenszeit gerechnet würden wir demnach 24 Stunden durchgehend niesen. So viel Zeit ist auch angemessen, denn Niesen ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Fremdkörper, wie Krankheitskeime und Sekrete werden aus den oberen Atemwegen herausgeschleudert. 

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Die ausgestoßene Luft kann dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h erreichen, zumindest wenn der Nieser tatsächlich rauskommt. Kribbelt die Nase nur minutenlang vor sich hin, soll ein alter Trick helfen: In die Sonne zu schauen. Aber hilft das wirklich?

Aristoteles fragte bereits vor rund 2300 Jahren: „Warum provoziert die Wärme der Sonne ein Niesen, die Wärme des Feuers aber nicht?“ Heute wissen wir, dass nicht die Wärme, sondern das Licht der Sonne dafür verantwortlich ist. Ein psychischer Reiz der Nasenschleimhaut löst einen Reflex aus, der ruckartig Luft durch die Nase und den Mund jagt. Grund dafür ist, dass im verlängerten Rückenmark eine Art Nieszentrum sitzt. In diesem Zentrum laufen die Signale aus der Nasenschleimhaut und dem Großhirn zusammen und werden verarbeitet. 

Drillingsnerv und Spargel 

Ob die Sonne einen Nieser provoziert oder nicht, liegt in den Genen. Nur etwas ein Viertel aller Menschen haben den photischen Niesreflex und müssen deswegen beim in die Sonne Schauen niesen.  Warum jemand ein:e Sonnennieser:in ist oder nicht, ist noch nicht 100 prozentig wissenschaftlich beweisen. Zwei Hypothesen gelten als besonders wahrscheinlich. 

Forschende gehen von zwei Genvarianten aus. Zum einen verlaufen bei Menschen zwei Nerven nah beieinander: der Sehnerv und der Trigeminus, auch Drillingsnerv genannt. Der Drillingsnerv hat seinen Namen daher, dass er aus drei Ästen besteht: der Augenast und der Ober- und Unterkieferast. Wenn der Mensch über die Pupillen Sonnenlicht einfängt, stimuliert das den Reiz im Augenast. Bei manchen Menschen führt das dazu, dass auch der Oberkieferast stimuliert wird. Das Ergebnis ist ein Kurzschluss in unserem Nervensystem, der uns niesen lässt, sobald wir ins Sonnenlicht schauen. Ein weiterer Erklärungsansatz liegt im parasympathischen Nervensystem. Dabei wird von einem generellen Reiz ausgegangen, der bei lichtempfindlichen Menschen zu verschiedenen Reaktionen gleichzeitig führen kann – unter anderem zu einem kräftigen Hatschi. Nieser sollten jedoch keinesfalls unterdrückt werden, egal ob von der Sonne ausgehend oder nicht. Sonst können Blutgefäße platzen und das Gewebe beschädigt werden, was  Risse in der Rachenmuskulatur oder ein verletztes Trommelfell verursachen kann.

Ob jemand nun ein Sonnennieser ist oder nicht, ist so ähnlich wie die Fähigkeit Spargelgeruch im Urin riechen zu können. Denn auch dafür sind bestimmte Gene verantwortlich. Wenn man die nicht hat, riecht der Urin nach einem Spargelessen nicht anders als sonst. 
 

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