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WISSENSCHAFT

Gefühlslage Alkohol

 Beim Mixen kann einiges daneben gehen. [Foto: Magdalena Kensy]

24.08.2021 18:49 - Magdalena Kensy

In Deutschland herrscht eine weit verbreitete, unkritische und positive Einstellung zum Alkohol, dennoch wirkt er nicht immer positiv. Denn unterschiedliche alkoholische Getränke führen zu verschiedenen Emotionen beim Trinken.

Im jährlichen Durchschnitt werden in der Bevölkerung pro Kopf rund zehn Liter reinen Alkohols konsumiert (Jahrbuch Sucht 2021). In der Anfangsphase des Konsums hellt Alkohol die Stimmung auf. Der Effekt: Beruhigung und Entspannung. Neue Kontakte aufzubauen fällt leichter und wir werden aktiver. Doch die problematische Kehrseite ist, dass Alkohol von vielen gezielt eingesetzt wird. Trinkmotive können in vier Kategorien unterschieden werden: positive Gefühle verstärken, negative Gefühle bewältigen, um sozial zu sein oder sich anpassen zu wollen. Die Gefahr: im Laufe der Zeit wirkt Alkohol depressionsverstärkend. Doch was stellt Alkohol in unserem Körper an?

Nervengift und Promille

Alkohol ist ein starkes Zellgift, das durch die Blutbahnen schnell bis ins Gehirn gelangt. Durch den Alkohol wird die Informationsübertragung zwischen den Zellen verändert. Die Auswirkungen sind sowohl körperlich als auch psychisch. Entscheidend ist dabei die Menge des Konsums. Eine britische Studie beschrieb, dass viele Menschen eine Stimmungsveränderung erleben. Eine geringe Menge, wie zu Beginn des Konsums, wirkt entspannend und stimmungssteigernd, Angstgefühle werden gedämpft.

Wie wirkt Alkohol im Körper?

Ab 0,5 Promille: Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen lassen nach, Risikobereitschaft steigt
Ab 0,8 Promille: Trunkenheit zeigt sich deutlicher, Wahrnehmung beeinträchtigt, Reaktionszeit stark verlangsamt, Schwierigkeiten bei der Bewegungskoordination
Ab 1 Promille: Rauschzustand beginnt, Schwierigkeiten beim Sprechen, Orientierungsverlust, Verwirrtheit, Selbstüberschätzung
Ab 2 Promille: deutliche Gleichgewichts- und Konzentrationsprobleme, Gedächtnisstörungen, Erschlaffen der Muskeln, kaum noch Reaktionsvermögen vorhanden
Ab 3 Promille: Muskulatur erschlafft weiter, Bewusstseinstrübung, Gedächtnisverlust, schwache Atmung
Ab 4 Promille: Gefahr eines Komas und des Ausfalls lebenswichtiger Organfunktionen

Wie Menschen den Alkohol verarbeiten, hängt von der Alkoholverträglichkeit ab, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. In der Regel zeigen die Meisten ab einer Blutalkohol-Konzentration von drei Promille Anzeichen einer schweren Alkoholvergiftung. Ab einem Wert von fünf Promille enden die Trink-Exzesse oft tödlich.

In Deutschland konsumieren 6,7 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Analysen gehen von jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder durch den Konsum von Tabak und Alkohol aus (Jahrbuch Sucht 2021).

Sexy werden oder Schlummertrunk

Forscher:innen aus Wales haben in einer internationalen Studie herausgefunden, mit welchem Alkohol welche Gefühle assoziiert werden. 30.000 Teilnehmer:innen zwischen 18 und 34 Jahren mussten in 21 Ländern einen Online-Fragebogen ausfüllen. Die untersuchten Emotionen reichten von energiegeladen, entspannt, sexy und selbstbewusst, über müde bis hin zu aggressiv, krank, unruhig und weinerlich. Zu berücksichtigen ist, dass Zeitpunkt, Ort und die Alkoholmenge eine große Rolle spielen. Geschlechtsspezifisch ist festzuhalten, dass Männer Aggressionsgefühle signifikant häufiger mit allen Sorten von Alkohol verbinden. Frauen assoziierten jedes Gefühl - mit Ausnahme von Aggressionen - mit größerer Wahrscheinlichkeit als Männer mit allen Arten von Alkohol.

Das Ergebnis der Studie: Das Lieblingsgetränk der Deutschen, das Bier, führte bei den Befragten oft zu mehr Selbstbewusstsein (44,5 Prozent) und dem Gefühl von Entspannung (49,8 Prozent). Knapp dahinter mit einem schwächeren Effekt, der Konsum von Weißwein (28,2 Prozent und 32,6 Prozent). Schlummertrunk ist der Rotwein, da etwas sechs von zehn Befragten angaben, beim Konsum müde  zu werden (knapp 53 Prozent).

Spirituosen, also Getränke mit einem Mindestalkoholgehalt von 15 Prozent Volumen, lassen den Gefühlshaushalt hingegen Achterbahn fahren und hatten demnach den stärksten und negativsten Effekt auf die Konsument:innen. Übelkeit aufgrund der Spirituosen zeigte sich etwa bei der Hälfte der Trinker:innen. Etwa ein Drittel der Befragten verband den Konsum von Spirituosen mit Gefühlen der Aggression, über die Hälfte fühlte sich belebt und selbstbewusst (rund 59 Prozent); 42 Prozent sogar besonders sexy. Mehr als ein Viertel der Schnapstrinker:innen hingegen fühlen sich unruhig und aggressiv.

Warum unterschiedlicher Alkohol unterschiedliche Emotionen auslöst, ist für die Forscher noch unklar. Die Vermutung: Marketing und die Umgebung spielen eine Rolle. „Es gibt sicherlich eine Erwartungshaltung gegenüber bestimmter Getränke: Wer einen entspannten Abend erleben will, greift wohl häufiger zu einem Bier und zu Wein“, sagt Professor Mark Bellis von der Studie Public Health Wales.

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