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WISSENSCHAFT

|Theorieklatsche|

Für immer jung mit Peter Pan

01.04.2019 11:28 - Julia Segantini

„Forever young, I want to be forever young“ sangen Alphaville 1984 – und wir singen nur zu gerne mit. Für manche nur ein catchiger Song, für andere eine Lebensphilosophie. Was ist das Peter-Pan-Syndrom und wann wird es zum Problem?

Der amerikanische Familientherapeut Dan Kiley beschrieb 1983 mit „Männer, die nie erwachsen werden“ in seinem populärwissenschaftlichen Buch das Peter-Pan-Syndrom. Seiner Beobachtung nach leben diese Männer in unbekümmerter Verantwortungslosigkeit und wollen von Regeln und Pflichten nichts wissen. Weiterentwickelt wurde dieses Konzept vom amerikanischen Psychiater John J. Ritey. Die Ursachen von Misserfolg suchen diese Menschen seiner Meinung nach stets bei Anderen. Gleichzeitig zeigen sie eine perfektionistische und narzisstische Persönlichkeit. Innere Ängste und Einsamkeit kompensieren sie durch Kreativität, Fantasie und Spaß. Nicht selten sind diese Menschen emotional zurückgeblieben und verhalten sich chauvinistisch. Dadurch werden sie unfähig, aufrichtige Liebe für andere Menschen zu empfinden. Romantischen Beziehungen stehen Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen und cooles Macho-Getue im Weg.

Verlustangst und Narzissmus

Beispiele für das Peter-Pan-Syndrom finden sich zuhauf in Film, Literatur und Musik. So geht es in Blink 182s Hit What’s My Age Again um einen jungen Mann, der sich wie ein Teenager verhält: Der Fernseher interessiert ihn mehr als seine Freundin und er macht immer noch Scherzanrufe (“I'm still more amused by prank phone calls“). Seine Freunde wollen, dass er endlich erwachsen wird (“My friends say I should act my age“), aber der Protagonist sieht nicht ein, dass er sich ändern muss. Dass seine Freundin Schluss macht, nimmt er beiläufig in Kauf.

Um sich nicht binden zu müssen,
wird ein provisorisches Leben in Unabhängigkeit gelebt.

Funktionieren können Beziehungen mit so einem Menschen laut Ritey nur, wenn die andere Person aus Verlustangst eine opferbereite, überfürsorgliche, auf Harmonie bedachte Mutterrolle einnimmt. Die schweizerische Philologin Marie-Luise von Franz beschreibt das Peter-Pan-Syndrom als psychische Krankheit mit dem Begriff puer aeternus (lateinisch für „der ewige Jüngling“) bzw. der puella aeterna. Emotional ist er oder sie in der Adoleszenz stecken geblieben. Um sich nicht binden zu müssen, wird ein provisorisches Leben in Unabhängigkeit von Mitmenschen gelebt, Fremdbestimmung kann er oder sie nur schlecht ertragen. Die Person flieht vor dem Status Quo und lebt gern gefährlich, zum Beispiel durch Extremsport.

Die Ursache sieht Franz in einer gestörten Vater-Sohn- bzw. Mutter-Tochter Beziehung. Betroffene fühlen sich vom gleichgeschlechtlichen Elternteil abgelehnt, haben Schuldgefühle und sind verunsichert. Will aus dem Film About A Boy ist ein glänzendes Beispiel für einen puer aeternus. Er hat Erfolg bei Frauen, verabscheut aber geradezu Kinder, Domestizität und verantwortungsvolle Beziehungen. Er ist narzisstisch, steckt viel Zeit in sein Äußeres und ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht.

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