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WISSENSCHAFT

Freier Zugang zu Wissen: Die Bibliothek der UDE forscht

 Open Access-Publikationen bieten eine weltweite Sichtbarkeit und kostenlose Nutzungsmöglichkeiten. [Foto: pixabay]
21.05.2021 09:05 - Saskia Ziemacki

Wenig wissenschaftliche Literatur ist in den Geistes- und Sozialwissenschaften frei über Open Access zugänglich. Das Projekt „AuROA – Autor:innen und Rechtssicherheit für Open Access“ versucht, Publikationsabläufe von Büchern im Open Access zu standardisieren und damit zu vereinfachen. Dorothee Graf leitet das Projekt für die Universität Duisburg-Essen (UDE) und klärt über die rechtliche Lage und die Vorteile von Open Access auf.

Damit die Universitäts-Bibliothek der UDE E-Books bereitstellen kann, muss sie viel Geld für Lizenzen an die jeweiligen Verlage zahlen. „Das kann auf Dauer nicht so weitergehen“, erklärt Dorothee Graf, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bibliothek. „Deshalb bemühen wir uns, mit Projekten wie AuROA einen Wandel im wissenschaftlichen Publikationswesen herbeizuführen.“ Das Forschungsprojekt findet unter der Leitung der Bibliothek der UDE in Zusammenarbeit mit der Abteilung Buchwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und dem Fachbereich Kommunikation und Wirtschaft der IST-Hochschule in Düsseldorf statt. 

Verlage sichern sich die Rechte an der Verwertung wissenschaftlicher Publikationen, weshalb Bibliotheken und auch Nutzer:innen auf die Verlagsangebote angewiesen sind. Durch die Pandemie habe das ganze einen Schub bekommen, so Graf. „Jetzt, wo die Bibliotheken geschlossen sind, fällt noch mehr auf, wie notwendig der digitale Zugriff ist.“ Die meisten elektronischen Bücher, die im Bibliothekskatalog Primo zu finden sind, wurden lizenziert und haben somit die Kennung „Online Zugriff frei“. Das bedeutet in den meisten Fällen ein Closed Access-Zugang, der nur für Hochschulangehörige frei ist, die sich im Universitätsnetz befinden. In nur wenigen Fällen sind sie Open Access, also weltweit kostenlos zugänglich. 

Urheberrecht vs. Verwertungsrecht

Autor:innen, die ein wissenschaftliches Werk schreiben, sind und bleiben die Urheber:innen ihres Textes. Sobald sie das Werk mit einem Verlag veröffentlichen, wird das Verwertungsrecht der Autor:innen an den Verlag übertragen. Das umfasst die Verbreitung auf verschiedenen Kanälen, die Vervielfältigung, die Herstellung gedruckter Exemplare, das Einspeisen in digitalen Plattformen, sowohl des Textes sowie der Metadaten, der Verkauf und dessen Gewinn. Dann fließen die Daten in Buchhandelsverzeichnisse, in Publikationslisten von Zwischen- und Großhändlern, aus deren Katalogen wiederum die Bibliotheken auswählen, um Bücher zu kaufen oder im Falle des E-Books zu lizenzieren. All diese Unterrechte haben mit der Publikation des Werkes zu tun. Im klassischen Verfahren übertragen Autor:innen genau diese Rechte in einer ausschließlichen Form an Verlage. Open Access 2.jpg

Musterverträge sollen ausgehandelt werden, die alle Beteiligten zufrieden stellen. [Foto: pixabay]

„Diese ausschließlichen Nutzungsrechte sind der entscheidende Punkt“, so Graf. Wenn der Verlag diese Rechte hat, kann das Werk nur genutzt werden, wenn man die Erlaubnis beim Verlag einholt. Die bekommt man, indem man das Buch kauft oder in der Bibliothek die Lizenz dazu erworben wird. „Wir wollen erreichen, dass nicht mehr die ausschließlichen, sondern nur noch einfache Nutzungsrechte übertragen und die Werke unter einer Open-Access-Lizenz, einer sogenannten CC-Lizenz, veröffentlicht werden,“ beschreibt Graf. Denn dann haben verschiedene Nutzer:innen die Möglichkeit, das Werk je nach Lizenz sogar selbst zu verbreiten, mindestens aber zu lesen. „Der Kern des AuROA-Projekts ist es“, so Graf, „dass Musterverträge entwickelt werden, damit die Verbreitung und Zugänglichkeit der digitalen Publikation verbessert wird.“ Studierende wären damit nicht mehr auf den Bestand der eigenen Universitätsbibliothek angewiesen, sondern könnten von überall, aus jedem Netzwerk, unkompliziert auf E-Books zugreifen. Erstmal richte sich das nur an zukünftige Publikationen. Doch auch für bereits bestehende Werke soll mit den Verlagen verhandelt werden.

Wissenschaftliche Publikationen von Steuergeldern finanziert

Autor:innen verdienen nur in Ausnähmefallen überhaupt etwas an ihren wissenschaftlichen Werken, egal, wie es hinterher vermarktet wird: ob Open Access, Closed Access, digital oder Print. „Das ist eine Utopie“, schildert Graf. Es gebe selten eine Umsatzbeteiligung von Verlagen für Autor:innen. „Davon kann man nicht leben und auch nicht die Arbeit refinanzieren, die man in so ein Werk gesteckt hat“, so Graf. Dabei muss jedoch zwischen wissenschaftlicher und belletristischer Literatur unterschieden werden. Autor:innen belletristischer Literatur versuchen, von ihren Romanen zu leben. Wissenschaftliche Literatur hingegen entsteht häufig im Kontext einer Anstellung, zum Beispiel an der Universität. Professor:innen und wissenschaftliche Mitarbeiter:innen werden mit Steuergeldern finanziert, somit auch ihr Werk. Auch die Bibliothek bezieht ihre Mittel aus Steuern und kauft davon Bücher und Lizenzen. „Damit die öffentlich finanzierten Forschungsergebnisse auch der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stehen, kam die Open Access-Bewegung auf“, führt Graf aus. 

Von der Verlagswelt wird es jedoch zögerlich aufgenommen, Bücher im Open Access zu publizieren. „Es stellt finanziell ein großes Problem dar“, erklärt Graf. Der Verlag würde das Werk quasi verschenken. Oft bringe der Verkauf der Printexemplare genug ein, sodass anderen Leistungen kostenlos erfolgen können, „aber das trägt sich natürlich nicht auf Dauer“, so Graf. Deswegen wollen viele Verlage ihre Bücher lieber mit kostenpflichtigen Lizenzen an zahlreiche Bibliotheken verkaufen, statt sie unter einer CC-Lizenz im Open Access online frei zugänglich zu machen. „Die UDE ist in der glücklichen Lage, dass sehr viele Lizenzen für E-Books finanziert werden können“, sagt Graf. Lizenzieren bedeutet jedoch nicht erwerben, denn man kauft nicht den Inhalt eines E-Books, sondern nur den Zugang. „Wenn wir das irgendwann nicht mehr bezahlen können, fallen all diese Inhalte weg.“ Daher ist sich Graf sicher: „Wenn alle Open Access publizieren, haben wir dieses Problem nicht mehr.“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Ziel, dass bis 2025 70 Prozent aller neu erscheinenden wissenschaftlichen Publikationen ausschließlich oder zusätzlich im Open Access veröffentlicht werden. Das Projekt AuROA wird vom BMBF bis 2023 gefördert. 
 

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