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Die Revolution der Leukämie-Therapie?

21.01.2019 13:20 - Victoria Göres

Leukämie oder auch „Blutkrebs“ ist eine der bösartigsten Erkrankungen der Welt. Die bisherigen Behandlungsformen fokussieren sich vor allem auf Chemotherapie und Stammzellentransplantation. Seit November 2018 forscht der Verband iCAN33 an einer neuen Therapieform für akute myeloische Leukämie (AML). Koordiniert werden die insgesamt acht Einrichtungen von der Kinderklinik III der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Akute myeloische Leukämie (AML) ist eine spontan auftretende Form der Leukämie. Sie ist extrem aggressiv und führt, wenn keine Behandlung erfolgt, schnell zum Tod. AML beeinträchtigt die Bildung von Blutplättchen und roten und weißen Blutkörperchen stark, da das blutbildende System befallen wird. Statt gesunden Blutzellen werden entartete, unreife Blutzellen gebildet, die ihre Funktion nicht erfüllen können und im schlimmsten Fall andere Organe befallen und dort zu unkontrollierter Bildung von entarteten, nicht funktionsfähigen Zellen führen.

Diese Verdrängung von gesunden Blutzellen führt außerdem zu Blutgerinnungsstörungen, Immunschwäche und einer mangelnden Sauerstoffversorgung. Neben Chemo- und Erhaltungstherapie wird AML mit Hilfe von Stammzellen behandelt. Die Stammzellentransplantation erhöht die Überlebenschancen deutlich, allerdings muss zunächst ein*e passende*r Spender*in gefunden werden. Das ist allerdings sehr schwierig, da sich die Spenderzellen kaum von den Zellen der Patient*in unterscheiden dürfen. Wenn sich die Gewebemerkmale, also die Strukturen auf den Oberflächen der Zellen, unterscheiden, droht eine Abwehrreaktion des Körpers. Damit wäre die Transplantation nicht nur sinnlos, sondern im schlimmsten Fall sogar schädlich. AML tritt vor allem ab dem 60. Lebensjahr auf, ist allerdings auch die zweithäufigste Leukämieform bei Kindern. Gerade einmal 30 Prozent der älteren Menschen und 70 Prozent der Kinder können geheilt werden.

Natürliche Killerzellen

Der neue Forschungsansatz der iCAN33-Forscher*innen setzt auf sogenannte natürliche Killerzellen, die die entarteten Blutzellen früh erkennen und bekämpfen. Diese Killerzellen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems und bekämpfen von Krankheiten befallene Zellen und Krebszellen.

Allerdings bemerken auch die Killerzellen den Krebs oft erst zu spät, da Krebszellen sich gut tarnen und somit unter dem Radar des Immunsystems bleiben.
Aber auch darüber hat man sich bereits Gedanken gemacht: Durch gesunde Spender*innen will man mehr Killerzellen erhalten, die man den erkrankten Personen transplantieren kann, um deren Immunsystem im Kampf gegen die Leukämie zu unterstützen. Allerdings reichen mehr Killerzellen nicht aus, daher will man diese Spenderzellen genetisch so modifizieren, dass sie noch stärker gegen die Leukämie vorgehen können und sie schneller bemerken.

Eine ähnliche Behandlungsform existiert bereits für akute lymphatische Leukämie (ALL). Bei dieser Therapieform werden CAR-T-Zellen, also genetisch veränderte weiße Blutkörperchen, eingesetzt, um die Tumorzellen zu bekämpfen. Diese Behandlung ist zwar sehr effektiv, hat jedoch starke, teils gefährliche Nebenwirkungen wie Fieber oder Atembeschwerden.

Außerdem sind Fremdspenden nicht möglich, weshalb man Zellen der erkrankten Person entnehmen muss. Das ist oft schwer, da nicht ausreichend T-Zellen gewonnen werden, geschweige denn rechtzeitig modifiziert und zurückgegeben werden können.

Effektiv und verträglich

Da bei  Killerzellen Fremdspenden möglich sind, will man die Vorteile der CAR-T-Zellen übernehmen, aber die Probleme verhindern.

Da bei Killerzellen Fremdspenden möglich sind, will man die Vorteile der CAR-T-Zellen übernehmen, aber die Probleme verhindern.

Die natürlichen Killerzellen sollen genauso modifiziert werden wie die CAR-T-Zellen – man will also CAR-Killerzellen herstellen. Diese sollen bei Bedarf schnell und effektiv eingesetzt werden können.

Allerdings setzt man noch mehr Hoffnung auf genmodifizierte Killerzellen: Bisherige Infusionen mit Killerzellen haben sich als äußerst verträglich herausgestellt. Es wird kein gesundes Gewebe angegriffen, sodass keine Kollateralschäden entstehen. Auch sonst sind die Infusionen sehr nebenwirkungsarm – im Gegensatz zu beispielsweise einer Chemotherapie. Durch die CAR-Killerzellen soll eine hochdosierte und äußerst effektive Therapie für AML möglich gemacht werden. In den nächsten Jahren werden die Grundlagen geschaffen, um anschließend in der klinischen Phase die ersten Anwendungen zu testen.

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