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WISSENSCHAFT

Die positive Wirkung des Waldes auf die Psyche

Schon das bloße Betrachten einer Waldlandschaft hat positive Auswirkungen auf die Psyche. [Foto: pixabay] 22.09.2021 13:48 - Ayssa Maiß

Viele Menschen sehnen sich intuitiv in die Natur, wenn sie gestresst sind oder Erholung suchen. Mittlerweile gibt es Kurse für das sogenannte „Waldbaden“, um die Vorteile des Waldes optimal für sich zu nutzen. Doch was genau passiert mit uns, wenn wir uns in der Natur aufhalten?

Die Idee beruht auf der japanischen Praxis „Shinrin Yoku“, also „Waldbad“, die durch den Mediziner Doktor Qing Li bekannt wurde. Die Idee des Shinrin Yoku ist es, den Wald mit allen Sinnen zu erleben und wahrzunehmen. Ob dieses aktive „Baden“ in der Atmosphäre des Waldes jedoch notwendig ist, um die positive Wirkung auf die Psyche zu erhalten, ist wissenschaftlich noch nicht belegt. Dennoch hat der Trend des Shinrin Yoku die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler:innen erstmals auf das Thema gelenkt.

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Einer der häufigsten Effekte eines Waldaufenthaltes ist die Senkung des sogenannten Stresshormons Cortisol. Ein weiteres Indiz für einen stressreduzierenden Effekt ist der Anstieg der Alpha-Wellen. Diese Elektromagnetischen Wellen entstehen entlang der Schädeloberfläche und treten besonders vor dem Einschlafen auf.

Außerdem verringert sich der Sympathikotonus; ein Erregungszustand des Nervensystems, der besonders in Gefahrensituationen ansteigt. In Studien, bei denen die Proband:innen im Wald Probleme lösen sollten, zeigte sich eine ansteigende Frustrationstoleranz und eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit bei ADHS-Betroffenen.

Vom Stressabbau bis zur Therapieunterstützung

Weitere Studien weisen auf einen besonders positiven Effekt für Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression und Angststörungen hin. Dabei war zum Beispiel der präfrontale Cortex weniger aktiv, der besonders bei depressiven Störungen anspringt.

Daher empfehlen einige Psycholog:innen Aufenthalte in der Natur als Präventivmaßnahme gegen depressive Verstimmungen. So bietet der Kanadier Doktor Nevin Harper für Jugendliche eine sogenannte „Wildnis-Therapie“ an, also psychotherapeutische Betreuung in und mit der Natur.

Die Entdeckung einer Black Box

Vieles spricht also für die vielfältigen positiven Auswirkung des Waldes auf die menschliche Psyche. Die meisten Studien wurden in Wäldern durchgeführt, da Befragungen ergaben, dass eine Waldlandschaft auf Menschen am ansprechendsten wirkt. Die Wissenschaft ist jedoch noch lange nicht bei einem Konsens über die Gründe dafür angelangt. Der Stimulus - in diesem Fall der Wald - und das Ergebnis - die Erholung - sind klar. Aber was genau die Auslöser sind und wie sie wirken, muss noch erforscht werden.

Ein Ansatz, der sich in der Umweltpsychologie hält, ist die Attention Restoration Theorie von Rachel und Stephen Kaplan, die belegen soll, warum wir uns in der Natur von mentaler Ermüdung erholen können. Sie konzentriert sich auf die Komposition des Erholungsortes, der gewisse Elemente beinhalten sollte, um eine Aufmerksamkeitsmüdigkeit zu reduzieren.

Das „Weg-Sein“ ist ein Element, das die meisten Erholungssuchenden intuitiv anstreben. Es ist weniger räumlich definiert, der Ort sollte Abstand vom Alltag schaffen. Die Natur fasziniert außerdem durch Reize wie raschelndes Laub, Vogelzwitschern oder das Licht- und Schattenspiel. Diese Reize können einnehmend sein, sind aber nicht zwingend neu und beanspruchen keine hohe Konzentration. So können wir den Alltagsstress leicht für eine Weile vergessen.

Liebt der Mensch von Natur aus die Natur?

Andere Wissenschaftler:innen berufen sich auf die „Biophilie-Hypothese“ von Edward O. Wilson. Laut dieser Hypothese erwarb der Mensch die Liebe zur Natur, und besonders dem Wald, im Evolutionsprozess durch den sicheren Lebensraum den sie bot. Wilson schließt, dass diese Neigung nun ein genetisch basiertes Bedürfnis ist.

Hinweise deuten auch auf eine positive Wirkung der Phytonzide auf das Immunsystem der Menschen. Sie sind pflanzeneigene antibiotische Wirkstoffe, die zum Schutz gegen Schädlinge ausgestoßen werden und vom Menschen über die Atemwege aufgenommen werden können. Studien dazu sind jedoch begrenzt, daher können Phytonzide noch nicht eindeutig als Auslöser für den Erholungseffekt bestimmt werden. Trotz Uneinigkeiten in der Wissenschaft bestätigt sich das Gefühl: Ein Aufenthalt im Wald bietet schon nach kurzer Zeit mentale Entlastung.

 

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