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WISSENSCHAFT

Die Macht der Berührung

Roboter NAO berührt die Hand einer Probandin. [Foto: RUB/Marquard]
03.06.2021 19:51 - Mona Belinskiy

Kann eine Berührung zwischen einem Roboter und einem Menschen einen positiven Effekt auf das menschliche Empfinden haben? Dieser Frage sind Prof. Dr. Laura Hoffmann von der Ruhr-Universität Bochum und Prof. Dr. Nicole Krämer von der Universität Duisburg-Essen gemeinsam in ihrer Studie nachgegangen. 

Berührt ein Roboter einen Menschen während einer Unterhaltung, ist der Mensch eher bereit, einer Aufforderung nachzukommen. Das geht aus der kürzlich veröffentlichten Studie von Prof. Dr. Laura Hoffmann, Juniorprofessorin für Human Centered Design für sozio-digitale Systeme an RUB, und Prof. Dr. Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie – Medien und Kommunikation an der UDE, hervor. In dieser führte der humanoide Roboter NAO eine Studienberatung mit 48 Proband:innen durch. 

Bei der Hälfte der Teilnehmer:innen berührte NAO während der Unterhaltung scheinbar beiläufig die Hand. Genau diese vermeintlich zufällige Geste macht die Studie so besonders. Denn es existieren bereits zahlreiche Studien, die den Kontakt zwischen Mensch und Roboter untersuchen, doch in keiner geht die Berührung aktiv vom Roboter aus. Und noch etwas ist anders, denn bisher waren es immer funktionale Berührungen, zum Beispiel in Studien mit Pflegerobotern. “Wir haben die erste Studie durchgeführt, bei der es eine nonfunktionale Berührung gibt, also eine Berührung interpersoneller Kommunikation. So als würde man von einer Freundin beiläufig an der Hand berührt werden,“ erklärt Krämer. 

Nicht netter, aber überzeugender 

Diese nonfunktionale Berührung habe den Versuchsaufbau allerdings ziemlich herausfordernd gemacht. In natürlichen Interaktionsbedingungen sei das schwer zu realisieren, erklärt die UDE Professorin. Also wurden die Teilnehmer:innen aufgefordert, ihre Hand auf einer bestimmte Stelle des Tisches zu platzieren. So wurde sichergestellt, dass NAO diese mit Sicherheit trifft. Sowohl das Gespräch als auch die Berührung wurden durch die Versuchsleiterinnen gesteuert. Die Berührungen des Roboters waren an bestimmte Aussagen gekoppelt, um eine positive Interaktion an einzelnen Stellen zu unterstützen. 

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Auf die Berührung des Roboters reagierten die Teilnehmer:innen durchweg positiv, oft sogar mit einem Lächeln und gaben an, sich nach dem Versuch emotional besser zu fühlen als, die nicht von NAO berührt wurden. Somit kann eine vom Roboter ausgehende Berührung einen positiven Effekt auf die Erfahrung der Menschen haben. „Dann haben wir geschaut, ob die Proband:innen eine höhere Bereitschaft haben, an den vom Roboter empfohlenen Kursen teilzunehmen,“ erklärt Krämer. Tatsächlich zeigte sich die berührte Versuchsgruppe überzeugter von dem Angebot und kreuzte eine höhere Bereitschaft an, sich Informationen zuschicken zu lassen. „Das ist besonders erstaunlich, da hinsichtlich der Bewertung des Roboters kein Unterschied zu sehen war. Er war also nicht netter durch das Berühren, sondern überzeugender.“

Weitere Forschung nötig

Für die Zukunft sind weitere Studien nötig, um zu überprüfen, ob die Studie mit einem Roboter von anderer Größe zu einem anderen Ausgang gekommen wäre. Auch die Art und Stelle der Berührung müsste weiter variiert werden. Zum Beispiel könnte ein menschengroßer Roboter, im Vergleich zu dem 58 Zentimeter großen NAO, als bedrohlich und eine Berührung an der Schulter als dominant wahrgenommen werden. Insgesamt sind die Ergebnisse für die Mensch-Roboter Interaktion laut der Professorin zweischichtig zu betrachten: „Wir haben damit rausgefunden, dass es in der interpersonalen Kommunikation durchaus hilfreich sein kann, Roboter als Hilfestellung einzusetzen. Doch es gibt natürlich eine Manipulationsgefahr.“

Schon frühere Studien belegen, dass sich Menschen diese Macht der Berührung zunutze machen. Beispielsweise können Kellner:innen ihr Trinkgeld durch ein flüchtiges Streifen der Hand des Gastes deutlich erhöhen. Das sei laut Krämer bei dieser Studie zu erwähnen: „Wenn Überzeugungskraft wirklich stärker vorhanden ist, wenn der Roboter Berührung einsetzt, kann das natürlich ausgenutzt werden. Zum Beispiel zu Werbezwecken.“ Und das sei kritisch zu hinterfragen. 

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