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WISSENSCHAFT

Diagnose Endometriose

Endometriose-Patientinnen bleibt ein Krankenhaus-Aufenthalt oft nicht erspart. [Symbolbild: pixabay]
​​​​​​​11.03.2020 18:08 - Julia Segantini

Einige Frauen werden während ihrer Periode von Schmerzen geradezu außer Gefecht gesetzt. Viele wissen nicht: Hinter den starken Schmerzen könnte mehr stecken –, denn jede zehnte Frau leidet unter Endometriose. Was das ist und wie man mit der Diagnose umgeht, erklären Dr. Peter Rusch, Oberarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Essen, und eine Betroffene. 

Tessas* letzte Operation liegt noch nicht lange zurück. Im Sommer letzten Jahres musste sie wegen eines entzündeten Blinddarms unters Messer. Nur durch Zufall stellten die Ärzte dabei fest, dass sie auch an Endometriose leidet. „Das hat mir der Arzt auf den Ultraschallbildern gezeigt“, erinnert sie sich. Er habe nur sehr knapp erklärt, was für eine Erkrankung das ist und sie dann an ihre Frauenärztin verwiesen. „So wirklich etwas damit anfangen konnte ich nicht. Ich wusste nicht, was das genau heißt und ob das schlimm ist“, sagt sie. 

Die Gebärmutterschleimhaut wird als Endometrium bezeichnet. Ist diese auch außerhalb der Gebärmutter zu finden, spricht man von einer Endometriose. Betroffene leiden unter anderem unter starken regelabhängigen Schmerzen und können unfruchtbar sein. „Theoretisch kann das an jeder Stelle des Körpers auftreten. Es gibt Fallberichte, wo Endometriose auch im Gehirn oder in der Lunge gefunden wurde“, erklärt Dr. Peter Rusch, Oberarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Essen. Die Ursache für die Verwachsungen ist bis heute ungeklärt. 

Vielfältige Symptome 

Laut der am weitesten verbreiteten Theorie, gelangt mit dem Monatsblut Gebärmutterschleimhaut in die Bauchhöhle. Dort wächst die Gebärmutterschleimhaut wieder an und verursacht bei jedem nächsten Zyklus eine kleine Blutung, die zu Verklebungen und Problemen im Bauchraum führen kann. Das könne die starken Schmerzen und die mögliche Unfruchtbarkeit erklären, vermutet der Arzt.

Starke Schmerzen hatte Tessa schon immer vor und während ihrer Periode, besonders nachdem sie vor drei Jahren die Pille absetzte. Trotzdem dachte sie nicht daran, zum Arzt zu gehen: „Man denkt, das ist normal.“ So gehe es vielen Endometriose-Patientinnen, bestätigt Dr. Rusch. Die Verzögerung einer Diagnose hänge zudem mit einer sehr unterschiedlichen Beschreibung der Symptome zusammen: „Die Diagnosestellung erfolgt aufgrund des uneinheitlichen Symptombildes im Mittel nach fünf bis zehn Jahren.“ 

Die Symptome variieren zwischen unterschiedlich starken Schmerzen, gestörter Fruchtbarkeit bis hin zu drohendem Organversagen. Weil die Ursachen für die Erkrankung bisher ungeklärt ist, bleibt jede Behandlung symptomorientiert. So können Schmerzmittel zwar das akute Leiden lindern, aber nicht gegen die Krankheit an sich eingesetzt werden. Auch eine komplementäre Behandlung zielt eher darauf ab, das Immunsystem durch gesunde Ernährung und Bewegung zu stärken. „Ein neues Verständnis der Endometriose und eine darauf aufbauende Optimierung der Therapie ergeben sich hoffentlich nicht nur durch intensivierte Grundlagenforschung, sondern auch durch die Integration neuer Techniken wie roboterunterstütze Präzisionschirurgie mit hochauflösenden Spezialkameras“, hofft der Arzt. 

Denn Klarheit über ihren Zustand könnte auch bedeuten, dass ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Tessa steht mittlerweile kurz vor der Endometriose-Operation. Einerseits freut sie sich, danach endlich zu wissen, wie schlimm ihre Endometriose ist, andererseits hat sie Angst vor den Konsequenzen. Denn Klarheit über ihren Zustand könnte auch bedeuten, dass ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Das Thema Schwangerschaft beschäftigt sie deshalb zur Zeit am meisten. „Ich möchte gerne schwanger werden und man liest immer wieder, dass Menschen mit Endometriose unfruchtbar sein können oder sehr große Probleme haben, schwanger zu werden. Das macht mich schon sehr nachdenklich und ich weiß nicht so genau, was das jetzt bedeutet“, erzählt sie. 

Mit Hormonen gegen Endometriose

Dass eine Operation keine Garantie für eine Heilung ist, ist ihr bewusst. Das macht auch Dr. Rusch deutlich: „Solange die Patientin eine Gebärmutter hat und diese unter dem Einfluss der Eierstockhormone steht, finden monatlich Blutungen statt. Wenn die eben genannte Theorie stimmt, wäre es denkbar, dass die Patientin bei jedem nächsten Zyklus unter dem gleichen Zustand leidet, auch wenn sie dazwischen operiert worden ist.“ Muss eine Endometriose-Patientin also einmal im Monat unters Messer? „Es sollten alle Maßnahmen ergriffen werden, um die Patientin vor weiteren Operationen zu schützen“, betont der Arzt. Die einzige Möglichkeit sei dann eine medikamentöse Behandlung in Form einer Hormontherapie, zum Beispiel durch die Anti-Baby-Pille oder die Hormonspirale. „Sie stellt den Zyklus der Frau ruhig, das heißt, es finden keine Eisprünge statt. Wenn keine Eisprünge stattfinden, findet auch keine Monatsblutung statt. Endometriose-Patientinnen wird daher oft empfohlen, die Pille durchzunehmen“, erklärt er. 

Dass viele Frauen oft auf eine Operation drängen, weil die medikamentöse Therapie nicht immer greift und sie aufgrund der Nebenwirkungen auf Hormone verzichten möchten, kann er nachvollziehen. Besonders schwer hätten es Frauen wie Tessa mit einem Kinderwunsch. „Dann muss man die Pille absetzen und hat bis zum Eintritt der Schwangerschaft das Risiko einer Endometriose. In der Schwangerschaft finden ja keine Eisprünge mehr statt, sie stellt also einen Schutz vor Endometriose dar. Aber um dahin zu kommen, müssen erstmal Eisprünge stattfinden“, verdeutlicht er. Den Patientinnen werde daher geraten, möglichst schnell schwanger zu werden, wenn ein Kinderwunsch besteht. 

Wieder die Pille zu nehmen, steht für Tessa momentan nicht zur Debatte, denn sie will weiterhin auf Hormone verzichten. Deshalb setzt sie große Hoffnungen in die Operation. Ihr Tipp gegen starke Regelschmerzen: „Die goldene Milch. Das ist Kurkuma und Gerstengras. Das gibt es in Kapselform und tut mir sehr gut. Ich habe weniger Schmerzen und fühle mich besser.“

*Name von der Redaktion geändert

Lizenzfreies Bildmaterial von pixabay
 

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