Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

WISSENSCHAFT

Bekenntnis zu Deutschland kann Akzeptanz fördern

Was beeinflusst die Akzeptanz von Fremdgruppen? [Symbolfoto: pixabay]
25.02.2021 12:19 - Özgün Ozan Karabulut

Sich als Teil einer Gruppe wahrzunehmen, kann zur Ablehnung anderer führen. Hayfat Hamidou-Schmidt und Dr. Sabrina Jasmin Mayer von der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben in ihrer Studie untersucht, wie Deutsche mit Migrationsgeschichte Fremdgruppen wahrnehmen. Wir haben uns die Forschungsergebnisse genauer angeschaut. 

Migrant:innengruppen werden in der Forschung mehrheitlich als einheitliche Gruppe angesehen, was größtenteils an der bisherigen Datenlage liegt. „Viele Studien, die sich in der Vergangenheit mit Migrant:innengruppen auseinandergesetzt haben, hatten schlichtweg nicht genügend Beobachtungen, um auf dieser Grundlage differenzierte statistische Analysen durchzuführen”, meint Hamidou-Schmidt.

Als Grundlage der Studie dienen 480 Menschen mit türkischer und 471 Personen mit post-sowjetischer Migrationsgeschichte. Die Gruppe der Zugewanderten aus der ehemaligen Sowjetunion setzt sich mit über 95 Prozent aus ethnischen Deutschen (Russlanddeutsche) zusammen. Die Befragten haben neben Herkunftsland und Konfession ihr Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland angegeben. „Jemand aus Ihrer Familie heiratet eine Person aus einer Fremdgruppe. Was halten Sie davon?” Mit dieser Frage haben Mayer und  Hamidou-Schmidt die Ablehnung und Akzeptanz gegenüber Mitgliedern außerhalb der eigenen Gruppe gemessen.

Die Studienteilnehmer:innen wurden zur deutschen Mehrheitsgesellschaft, Neuankömmlingen — stellvertretend Geflohene aus Syrien — und zur jeweils anderen Gruppe mit Migrationshintergrund befragt. „So sehen die türkeistämmigen Deutschen syrische Geflüchtete positiver, als es die Gruppe mit post-sowjetischen Wurzeln tut“, erklärt Hamidou-Schmidt. Dies könne laut den UDE-Wisenschaflerinnen an der gemeinsamen Religion, dem Islam, liegen, der womöglich eine Verbundenheit herstelle. Eine stark ausgeprägte Religiosität bei türkeistämmigen führe jedoch zu einer Verminderung von Ablehnung gegenüber Fremdgruppen, unabhängig von ihrem religiösen Bekenntnis.

Ein „neues” Gefühl der Zusammengehörigkeit

Die ethnische Identität der Befragten nimmt einen hohen Stellenwert in dem Forschungspapier ein: „Je stärker sich jemand als Türke/Kurde begreift, desto negativer nimmt er beziehungsweise sie sowohl die Deutschen als auch andere Zuwanderergruppen wahr“, konstatieren Mayer und Hamidou-Schmidt. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer ethnischen Gruppe bei türkeistämmigen führe also zu einer geringen Akzeptanz von Fremdgruppen.

Das ändere sich, wenn das Zugehörigkeitsgefühl stark ausgeprägt ist: Das Bekenntnis zu Deutschland hat bei Deutschen mit türkischen Wurzeln einen positiven Einfluss auf die Akzeptanz von Fremdgruppen. Die Forscherinnen nehmen an, dass sich die Identifikation mit Deutschland positiv auf die Bewertung von Fremdgruppen derselben Nationalität, also der deutschen, auswirke. „Grund dafür ist, dass durch die geteilte Nationalität eine „neue“ Zusammengehörigkeit entsteht, sodass die einstige Fremdgruppe nicht weiter als solche wahrgenommen wird“, erläutern Mayer und Hamidou-Schmidt. Allerdings sei dies bei Russlanddeutschen nicht zu erkennen. Das liege daran, dass sie eine Sonderrolle einnehmen würden: Einerseits haben sie Migrationsgeschichte, andererseits sind sie ethnische Deutsche und nehmen sich selbst mehrheitlich als solche wahr. Die Wissenschaftlerinnen fordern, Migrant:innengruppen hinsichtlich der Herkunftsländer getrennt zu analysieren, anstatt sie pauschal als eine einheitliche Gruppe zu betrachten. 
 

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