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STUDIUM & FREIZEIT

Zwischen Fetakäse und Maskenpflicht: Reisen im Corona-Sommer

Larissa ist auf die griechische Insel Rhodos gereist.

[Fotos:Larissa Rehbock]

12.09.2020 17:25 - Gastautor*in

Gastbeitrag von Larissa Rehbock

Ein ganzes Jahr ohne Reisen? Für mich ein unvorstellbarer Gedanke. Doch schon im Januar dieses Jahres zwang mich die Corona-Pandemie dazu, meine geplante Reise nach Laos und Kambodscha in Asien abzusagen. Von meinem Traum, in diesem Sommer eine Rundreise durch Peru und Bolivien zu machen, verabschiedete ich mich dann im März. Als Griechenland am 15. Juni wieder öffnete war für mich klar: Diesen Sommer gibt es Gyros und Feta statt asiatischer und peruanischer Küche. Denn auf das Reisen sollte auch im Corona-Sommer nicht verzichtet werden.

Ende Juli stand ich also mit meinen Geschwistern am Flughafen in
Düsseldorf. Unser Ziel war die griechische Insel Rhodos. Ich war
erschrocken von der Leere am Flughafen. Während eines normalen Sommers starten hier rund 650 Flieger am Tag. Nur nicht in diesem Jahr. Der einzige internationale Flug ging nach Abu Dhabi. Es war 10:30 Uhr und die vier Anzeigetafeln für die Abflüge zeigten alle Flüge für diesen Tag – nicht einmal 60. Mittlerweile sind es wahrscheinlich noch weniger geworden, nachdem fast ganz Spanien und Teile in Kroatien wieder als Risikogebiete gelten.

Kein Stau am Flughafen

Einen Vorteil für uns Tourist:innen hat es ja: Bei der Gepäckkontrolle ging es richtig schnell. Kein langes Anstehen und keine genervten Business-Männer, die sich vordrängeln, weil sie wieder einmal zu spät zum Flughafen gefahren sind. Nein, eher im Gegenteil, die Menschen waren super entspannt, sofern ich es mit den Masken im Gesicht erkennen konnte. Entspannt war auch der Flug. Davor, das muss ich zugeben, hatte ich ein bisschen Respekt. Da ich überwiegend mit günstigen Airlines wie der irischen Fluggesellschaft Ryanair fliege, wurde mir der Sitzplatz zugewiesen. Und was hätte ich gemacht, wenn ich plötzlich in Reihe 16 neben zwei fremden Menschen sitze? Mit wem hatten sie Kontakt? Doch der Flieger war nur halbvoll – so wie viele andere in diesem Jahr auch. So hatten wir zwei Reihen für uns. Da war der Regionalzug von Dortmund zum Flughafen Düsseldorf um das Vierfache voller. Ist das Risiko, sich mit Corona
anzustecken, dann nicht im deutschen Zug viel höher als am Flughafen?

Angekommen auf Rhodos bemerkte ich erst einmal keinen Unterschied. Bisher waren mir Reisen nach Griechenland und in andere beliebte, europäische Ferienorte im Hochsommer zu teuer. Auch Menschenmengen vermeide ich gerne. Deswegen war ich es gewohnt, leere Restaurants, ruhige Strände und die ein
oder andere geschlossene Bar vorzufinden. Doch ich war hier mitten in der Hauptsaison. Die Gassen in der Altstadt von Rhodos oder dem beliebten Ort Lindos waren wie ausgestorben. Normalerweise hetzen hier am Tag allein tausend Kreuzfahrer:innen von Souvenirshop zu Souvenirshop, bis hoch zur Akropolis. Überall wo wir waren, war kaum jemand. Für uns Tourist:innen ein angenehmes Gefühl. Kein Gedränge in den Straßen und wer hat nicht gerne einen ganzen Strandabschnitt für sich alleine? Und die Maske musste man auch nur im Supermarkt tragen.

Tourismusbranche unter Druck

Das Gefühl, die Tourismusbranche und die griechische Wirtschaft mit
unserer Reise und dem Kauf von Tischdecken, Keramik-Schüsseln und Postkarten zu unterstützen, war gut. Denn für die Menschen vor Ort ist die Situation eine Katastrophe. Bei einem Spaziergang durch den Ort Faliraki fiel mir auf, dass die meisten Hotels komplett geschlossen waren. Und auch unsere Gastgeberin Dagmar, eine deutsche Auswanderin, erzählte mir, dass sie froh ist, wenn sie 30 Prozent der Buchungen zum Vorjahr hat. Bei ihrer Schwägerin im Restaurant waren wir an zwei Tagen die einzigen Gäste. Der Urlaubsort Faliraki ist eigentlich für seine Partyszene bekannt. Viele Clubs bleiben im Corona-Sommer aber geschlossen. In einigen Bars aber sahen wir ein paar tanzende Gäste  – auch mit viel Körperkontakt. Ob das sein muss, ist eine andere Frage. Bei den Mitarbeiter:innen war die Stimmung betrübt. Vor einem Jahr standen die Menschen hier auf den Stühlen, erzählte mir eine Mitarbeiterin. Jetzt waren die meisten Tische nicht einmal besetzt.

So sehr ich die Ruhe und die lauen Sommerabende eine Woche lang auf Rhodos genoss, ein mulmiges Gefühl nach dem Urlaub bleibt. Ich habe kein schlechtes Gewissen während einer Pandemie zu reisen. Ich habe gesehen, dass man dort viel besser Abstand halten kann als in vielen deutschen Einkaufsstraßen. Ich mache mir mehr Sorgen um die Tourismusbranche und die Menschen, die davon abhängig sind. Ich bin mir bewusst, dass die Politiker:innen auf der ganzen Welt die Menschen mit den Maßnahmen schützen wollen. Doch in den Augen der Menschen auf Rhodos sah ich keine Angst vor dem Virus,
sondern Angst um ihre Existenz. Wer wirklich große Angst vor dem Virus hat, sollte Zuhause bleiben. Wer reist, sollte Abstand halten. Vor zwei Wochen, als ich auf Rhodos war, gab es europaweit kaum noch Reisewarnungen. Jetzt glaube ich, schrecken diese viele Menschen wieder ab. Wer leidet, sind die Menschen vor Ort, die vom Tourismus leben, in Ländern, in denen es kein Kurzarbeitergeld oder Corona-Hilfspakete gibt. Deren Hilfe sind wir. Menschen, die mit Abstand Reisen.
 

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/Beyond Borders/

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