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STUDIUM & FREIZEIT

Zwerge, Orks und Elfen

Emil auf einem LARP-Event [Fotos von Volker Lindhauer]

07.01.2019 12:38 - Sophie Schädel

Lea* und Emil* spielen Rollenspiele, sowohl beim sogenannten Pen and Paper am Wohnzimmertisch mit Würfeln und Phantasie, als auch beim Live Action Role Play (LARP) auf fast realen Schlachtfeldern mit eigenen Charakteren und Schaumstoffwaffen. Wie funktioniert Rollenspiel? Darüber hat sich akduell-Redakteurin Sophie Schädel mit den beiden unterhalten.

ak[due]ll: Ihr seid Spielleiter*innen bei einer Rollenspielrunde. Wie muss man sich so ein Pen-and-Paper-Spiel vorstellen?

Lea: Ich spiele seit acht Jahren DSA (Anm. der Red.: Das Schwarze Auge). Man sitzt mit einer Gruppe am Tisch. Es gibt eine Spielleitung, und man erlebt gemeinsam Abenteuer. Jeder ist mit Geschichten wie Harry Potter oder Herr der Ringe groß geworden und hat sich vielleicht auch schon mal gewünscht, selbst solche Abenteuer zu erleben. Beim DSA wird das durch eigene Phantasie am Wohnzimmertisch Realität.

Wir wollen ihnen klarmachen, dass das Szenario gerade zu bedrohlich ist, um in Ruhe eine Kneipenschlägerei anzuzetteln.

Emil: Ich spiele auch DSA, und zwar seit 15 Jahren, also schon mein halbes Leben. So eine Spielrunde kann man sich zum Beispiel so vorstellen: Die Spielleitung sagt den Leuten am Tisch: „Ihr geht gerade durch den Wald und hört von links tief im Wald einen Hilfeschrei.“ Dann können sich die Spieler überlegen, wie sie damit umgehen. Dazu kommen dann noch ein System mit Würfeln und komplizierte Kampfregeln, aber damit kann man sich befassen, wenn man sich dafür entschieden hat, das selbst zu spielen.

ak[due]ll: Warum braucht es eine Spielleitung?

Lea: Man überlegt sich ein Ziel, zum Beispiel ein Ort, ein Gegner oder ein Rätsel. Und dann gestaltet man das aus: Man überlegt sich, ob die Charaktere dafür lange reisen oder bestimmte Dinge sehen müssen, und passende Charaktere, auf die die Spieler treffen. Welche Pflanzen gibt es da, was können die Charaktere jagen wenn sie Hunger haben, welche Städte sind in der Nähe und so weiter. Das alles baut man drumherum, quasi wie eine Kulisse, aber mit viel Bewegungsfreiheit für die Spieler. Das ist keine Einbahnstraße, sondern die Spieler können an verschiedene Orte gehen und mit verschiedenen Leuten sprechen. Darum braucht man eine detailverliebte und sehr flexible Spielleitung, dann macht es für alle Seiten Spaß.

Emil: Das was man vorbereitet, überlebt oft den ersten Kontakt mit den Spielern nicht. Die fragen dann gar nicht nach dem, was man vorbereitet hat, oder wollen was ganz Anderes spielen. Grundsätzlich freut uns, wenn die Leute ihren Charakter ausleben und eigene Ideen ausspielen. Da sind wir nicht autoritär und unterbinden das. Aber wir üben schon gewissen Druck auf die Leute aus, dass sie der Geschichte folgen. Zum Beispiel: Eine Abenteuergruppe ist in einem Gebirge voller Drachen unterwegs, und die Spieler nehmen die Bedrohungslage nicht ernst. Wir wollen ihnen klarmachen, dass das Szenario gerade zu bedrohlich ist, um in Ruhe eine Kneipenschlägerei anzuzetteln.

Also lassen wir sporadisch einen riesigen Drachen am Himmel auftauchen, der die Gruppe beobachtet.

ak[due]ll: Wie funktioniert diese Welt? Könnte im DSA-Spiel auch ein UFO landen?

Lea: Die Welt ist ähnlich wie bei Tolkien phantastisch und mittelalterlich geprägt. Da gibt es keine moderne Technik. Es gibt Elfen, Zwerge, Menschen, Gnome, Trolle und so weiter. Im Setting gibt es keinen modernen Fortschritt.

Emil: Andererseits gilt für alle Rollenspiele: Wenn alle Lust auf was Anderes haben, können einzelne Regeln geändert werden. Ich glaube aber, wenn man Lust auf Space-Kram hat, gibt es passendere Rollenspiele. Das Setting von DSA ist sehr liebevoll und detailliert gestaltet. Es gibt für jede Region des Kontinents Aventurien, der da bespielt wird, eine ausgearbeitete Flora und Fauna, beschriebene Städte, politische Konflikte zwischen den Reichen und so weiter. Darum macht es schon Sinn, diese angebotene Hintergrundwelt so anzunehmen.

ak[due]ll: Ihr spielt auch LARP. Was muss man sich darunter vorstellen?

Lea: Dabei treibt man das, was man im Pen and Paper am Wohnzimmertisch macht, auf die Spitze. Man fährt in den Wald, trägt Verkleidungen und begibt sich komplett in die Rolle hinein. In Deutschland gibt es da eine recht große Szene, vielleicht 15.000 bis 20.000 Leute, die auf die verschiedenen Veranstaltungen fahren. Das sind reine Fantasy-Veranstaltungen mit Elfen, Zwergen, Orks und Menschen, oder welche mit Harry Potter-Settings oder dystopische Welten mit Zombies oder Postapokalypse nach einem Atomkrieg.

Emil: Ein typischer LARP-Tag fängt mit einem Kater an. Es gab Met und Bier, und auch in historischen Settings lassen wir es uns nicht nehmen, Rum-Cola aus unseren Krügen zu trinken. Wir schlafen also in unseren Zelten ordentlich aus und irgendwann gibt es Frühstück. Dann marschieren wir zum Beispiel zum Lager des Imperiums und machen mit denen eine Wehrübung in der prallen Mittagssonne, und ziehen danach gemeinsam zu einem ernsthaften Angriff auf ein anderes Lager. Zwischendurch hat man oft ein bisschen Leerlauf und kann zu den Händlern, der Taverne oder dem Badehaus in der Stadt gehen, und abends ins Lager zurückkommen. Da feiert man dann zum Beispiel eine Hochzeit oder begeht heidnische Blutrituale.

ak[due]ll: Wie tötet man bei Kämpfen seine Gegner, ohne die Spieler zu gefährden?

Lea: Es gibt schon manchmal blaue Flecken. Aber man kann sich dabei nicht wirklich verletzen. Die Waffen sind für LARPs konzipiert. Die sind aus einem Kunststoff-Kernstab und mit Schaumstoff ummantelt, mit Latex bezogen und angemalt. Viele kann man nicht mehr als Spielwaffen erkennen. Damit es nicht gefährlich wird, müssen die Waffen regelmäßig gepflegt und überprüft werden. Generell muss man aber sagen, dass der Kampf nur einen Teil vom LARP ausmacht. Ich spiele eine Heilerin, kümmere mich um Verletzte und um das Essen. Das ist für mich in Ordnung, und mit unserer Gruppe so abgesprochen. Es gibt aber auch Frauen, die lieber Kriegerinnen sind als solche Aufgaben auszuüben. Das ist das Schöne am LARP, dass man frei entscheiden kann wer man sein will.

Im Mai haben wir schon einmal über "DSA" - also "Das schwarze Auge" - berichtet. Hier könnt ihr den Artikel dazu lesen.

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