Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Zero Waste, Zero Problem?!

Müll. (Symbolbild: seg)
11.07.2018 13:11 - Julia Segantini

Pro Kopf produziert jeder Mensch in Deutschland 550 Kilogramm Müll im Jahr. Jährlich entstehen so 45 Millionen Tonnen Abfall. Dazu kommen noch andere umweltbelastende Faktoren wie Mikroplastik, Luft- und Wasserverschmutzung. Mit einer selbst entwickelten App wollen sich zwei Studenten der Universität Duisburg-Essen (UDE), für den Umweltschutz einsetzen. akduell hat die Entwickler und einige Studierende vom Campus Essen gefragt, wie man Müll vermeiden kann.

Erik und Arda studieren beide Wirtschaftsinformatik. Im Rahmen eines Workshops zur sogenannten Grünen Hauptstadt Europas entwickelten sie die kostenlose „Zero Waste App“ Essen als Studienprojekt. Die App soll den Nutzenden dabei helfen, umweltbewusster zu leben. „Wir sind eher zufällig an das Projekt gekommen und waren vorher da auch keine Experten. Das war für uns alles Neuland, wir mussten uns erstmal in die Materie einarbeiten“, erinnert sich Arda. Deshalb gibt es auch in der App zunächst einige Fakten zum Thema Müll und Zero Waste. „Die Leute wissen vielleicht, dass es wichtig ist, etwas für die Umwelt zu tun, aber sie haben nicht so richtig den Bezug dazu. Sie haben keine Zahlen im Kopf und wissen nicht, wo sie anfangen sollen“, vermutet Erik.

Wie man eine App entwickelt, erklärt Arda. Als erstes müsse man sich für ein Betriebssystem entscheiden. “Zu den beliebtesten gehören Android und IOS.  Prinzipiell kann jeder eine Android-App programmieren, der einen Computer besitzt. Hierfür sollte man sich die kostenlose Entwicklungsumgebung Android Studio herunterladen”, erläutert er. Programmierfähigkeiten brauche man für die Erstellung von grafischen Inhalten nicht unbedingt, diese füge man einfach per Drag und Drop ein. Schwieriger sei es, eine App iPhone tauglich zu machen, “dafür benötigt man nämlich einen Macbook.” Geld wollen die beiden Studenten mit der App nicht verdienen. “Die Kommerzialisierung der Applikation haben wir von Anfang an außen vor gelassen. Im Fokus steht die Unterstützung der Nutzer*innen in ihrem Zero Waste Lifestyle”, betont Arda.

Zunächst erklärt die App den Begriff Zero Waste. Im weitesten Sinne bedeutet er möglichst ganz ohne Müll auszukommen. Angesichts der unfassbaren Mengen an Abfall, die produziert werden, erscheint die Idee durchaus sinnvoll. Dabei handle es sich nicht um eine einzelne Aktivität, sondern um einen Lifestyle, unterstreicht Arda. Diesen Lebensstil wolle die App unterstützen. Neben hilfreichen Tipps für Anfänger*innen, wie Müll so weit wie möglichen in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen, um so eine bessere Mülltrennung zu erreichen, gibt es auch Infos für fortgeschrittene Müllsparer*innen.

Für diese gilt es die „5 Rs” – Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot – zu beachten. „Refuse” stellt laut der App den ersten und wichtigsten Schritt dar. Nathalie, Transnational Ecosystem-based Watermanagement-Studentin an der UDE, setzt diesen bereits in ihrem Alltag um. „Ich benutze eigentlich keine Plastiktüten – vor allem, wenn ich Obst und Gemüse einkaufe. Außerdem kaufe ich keine Sachen, die mehrfach verpackt sind“, berichtet sie. „Reduce” bedeutet das eigene Konsumverhalten zu reflektieren und sich auf das nötigste zu beschränken. Der dritte Schritt, „Reuse” soll durch Weiterverwendung von Materialien eine verschwenderische Lebensweise verhindern und Ressourcen schonen. Weiterhin erklärt die App, wie man Gegenstände recyclen kann und welche Stoffe nicht recyclebar sind. Unter dem letzten Punkt „Rot” wird das Kompostieren von biologisch abbaubaren Stoffen verstanden. „Kompostieren geht bei mir nicht”, sagt Anais, Literatur- und Medienpraxis Studentin an der UDE. “Ich wohne mitten in der Stadt im vierten Stock ohne Balkon oder sonstiges. Ich wüsste nicht, wie das gehen soll”, meint sie.

„Individuen machen die Massen“

Wie viel jede*r tun möchte, müsse man für sich entscheiden, finden die Entwickler. „Wir geben einige Vorschläge und manche davon sind sehr leicht umzusetzen, wie den eigenen Becher statt einen To Go-Becher zu nehmen. Andere Dinge sind zum Beispiel aus monetären Gründen schwieriger umzusetzen, wie der Einkauf in Unverpacktläden“, erklärt Erik. Kevin studiert Märkte und Unternehmen an der UDE und wusste vor dem Installieren der App nichts von solchen Läden. „Ich finde die Idee gut und würde an sich auch dort einkaufen, mir ist das aber etwas zu teuer“, sagt er. So wie ihm dürfte es vielen Studierenden gehen. Auch Nathalie hat ihren Einkauf bisher noch nie in einem Unverpacktladen erledigt. “Wenn ich spontan einkaufen gehe, habe ich ja nicht zufällig Behälter für die unverpackten Produkte dabei. Das ist schon umständlich”, findet sie.

Die App wolle niemanden dazu zwingen, etwas zu tun – sie gebe lediglich Tipps, so Erik. „Selbst wenn jeder nur das mit dem Kaffeebecher umsetzen würde, wäre das schon ein guter Anfang.“ Angesichts der Tatsache, dass die meisten Produkte irgendwie verpackt sind, mag es schwierig erscheinen, Müll aktiv zu vermeiden. Anais, Studentin der Literatur- und Medienpraxis an der UDE, hat oft das Gefühl, dass sich in Sachen Müllsparen wenig machen lässt. „Manchmal steht aber nur die Bequemlichkeit im Weg”, gibt sie zu. Erik und Arda sind überzeugt, dass jede*r einen Beitrag leisten kann. „Individuen machen die Massen. Wenn jeder etwas macht, summiert sich das. Wenn niemand anfängt, passiert gar nichts“, stellt er klar. Während der Entwicklungsphase haben beide Studenten viel dazu gelernt. „Sich bildlich vorzustellen, wie viel Müll jeder Einzelne produziert, hatte bei mir einen Aha-Effekt“, meint Arda.

Bisher ist die App nur für Android verfügbar und auch an anderer Stelle müssen die Studenten noch Hand anlegen. Unter anderem soll die Community-Funktion stark ausgeweitet werden. „Wir wollen Interaktivität und Austausch erreichen, da sehen wir viel Potential. Wir wollen das auch mit Facebook verbinden, damit man zum Beispiel Erfolge wie ‚Heute hab ich mein Tagesziel erreicht und so und so viel weniger Müll produziert‘ teilen kann“, erläutert Erik. Die Vorschläge zur Mülleinsparung sollen zudem stetig erweitert werden. Dazu können neue Hinweise von Expert*innen, die die App unterstützen möchten, über eine Webseite eingegeben und so in die App übertragen werden. „Wir möchten da eine gewisse Qualität sicherstellen, deswegen schalten wir dafür nur Expert*innen frei“, erklärt Arda. Darüber, wer diese Expert*innen sind hätten sich beiden noch keine expliziten Gedanken gemacht. “Theoretisch kann bei uns jeder Experte werden, der sich im Bereich Zero Waste auskennt und Lust dazu hat, seine Tipps mit anderen zu teilen. In naher Zukunft werden wir dafür einige Personen im Bekanntenkreis ansprechen”, meint er.

Müll vermeiden

Eine FoodSharing-Station gibt es auch am Campus Essen bei der Mensa. Bei der Nextbike-Station könnt ihr euch kostenlos für eine Stunde ein Fahrrad leihen.
Direkt am Mensaeingang am Campus findet ihr einen Bücherschrank, aus dem ihr euch kostenlos Bücher nehmen könnt und eure ausgelesenen Wälzer für andere bereitstellen könnt.
Mit der Too Good To Go App findest du Restaurants, bei denen du für kleines Geld Mahlzeiten kaufen kannst, bevor sie in der Tonne landen.

Die Funktionen sind auf die Stadt Essen ausgerichtet, das heißt, die Unverpacktläden und Food Sharing-Stationen befinden sich zum Großteil in Essen. Insgesamt die App sehr übersichtlich gestaltet, die Texte sind kurz, aber informativ und versorgen den Nutzenden mit den wichtigsten Basisinfos. Auch wenn hier und da noch etwas gefeilt werden muss, macht es Spaß sich durch die Kategorien zu klicken und herauszufinden, welche Hinweise man vielleicht schon unbewusst selbst umsetzt. Müllsparprofis dürfe die App allerdings wenig Neues bieten, die Anwendung funktioniert vor allem für Anfänger*innen, die sich zuvor wenig mit dem Thema beschäftigt haben.

Neben Vorschlägen zur Müllvermeidung bietet die App auch andere Services rund um das Thema Umweltbewusstsein, zum Beispiel eine Auskunft über Fahrradstationen in der Umgebung.  „Autofahren ist ja so gesehen auch eine Verschwendung von Ressourcen“, meint Erik. Zudem verrät die Rubrik Entsorgungsservice, wann wo welcher Müll abgeholt wird. Außerdem kann man sich über Umwelt-Initiativen informieren, sich konkrete Tricks holen, die den Abfallverbrauch im Badezimmer und in der Küche verringern und vieles mehr. Würde jeder Mensch In Deutschland jährlich nur ein Kilogramm weniger Abfall produzieren, wären das schon 80.000 Tonnen weniger im Jahr.

|Theorieklatsche|

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