Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Wohnungsnot bei Studierenden: Wer muss jetzt handeln?

Wohnen ist teuer geworden.
[Symbolfoto: Jacqueline Brinkwirth]

22.10.2019 18:07 - Jacqueline Brinkwirth

Mit dem Start des neuen Semesters stehen Erstis in vielen Städten vor einem großen Problem: Sie müssen sich nicht nur auf ihr neu begonnenes Studium konzentrieren, sondern sich gleichzeitig auch eine Wohnung, ein WG-Zimmer oder einen Wohnheimplatz suchen. In Hamburg, München und Köln ein beinahe unmögliches Unterfangen. Doch auch im Ruhrgebiet ist der Wohnungsmarkt hart umkämpft.

Für viele Erstis markiert der Studienbeginn eine neue Lebensphase: den Start ins Erwachsenenleben, den Abschied vom Elternhaus und oft auch den Umzug in eine neue Stadt. Eine Wohnung oder einen Platz im Studierendenwohnheim zu finden, gestaltet sich jedoch in vielen Städten schwierig. Besonders in Großstädten wie Köln oder Hamburg ist Wohnraum hart umkämpft und zudem sehr teuer, sodass bewohnbare und bezahlbare Wohnungen kaum zu finden sind.

 
Bei WG-Zimmern sieht es ähnlich aus: In Münster ist ein Zimmer beispielsweise kaum unter 350 Euro pro Monat zu haben. Studierende, die Bafög-berechtigt sind und den Höchstsatz bekommen, erhalten seit der letzten Erhöhung allerdings nur eine Wohnpauschale von 325 Euro im Monat. Eine Differenz, die zwar nicht groß erscheint, aber für Viele einen gravierenden Unterschied macht. Denn 25 Euro haben in etwa den Gegenwert eines Wocheneinkaufs für eine Person. 

Mietpreise explodieren

Doch nicht nur die deutschen Metropolen sind von stetig steigenden Mieten betroffen: Auch in Städten innerhalb des Ruhrgebiets wird Wohnraum immer teuer. In Essen stieg der Mietpreis pro Quadratmeter bei kleinen Wohnungen (bis 40 m²) zwischen 2017 und 2018 von durchschnittlich 7,50 Euro auf 7,90 Euro, was einen Anstieg von rund fünf Prozent bedeutet. Zum Vergleich: Zwischen 2016 und 2017 stieg der Mietpreis lediglich um rund einen Prozent. Ein eindeutiges Zeichen, dass der Wohnungsmarkt immer mehr unter Druck steht. Was also tun, wenn eine eigene Wohnung oder ein WG-Zimmer zu teuer sind? 

Hier können Wohnheime häufig eine günstige Alternative sein. Diese werden meist von den Studierendenwerken betrieben und versprechen kostengünstiges Wohnen in zentraler Lage. Auch das Studierendenwerk Duisburg-Essen bietet solche Wohnheimplätze an.„ Wir betreiben insgesamt 19 Wohnheime in Essen, Duisburg und Mülheim an der Ruhr”, erklärt Johanne Peito-Höltgen, Pressesprecherin des Studierendenwerks. „Unsere monatlichen Mieten liegen zwischen 245,00 Euro und 450,00 Euro. Im Gegensatz zum freien Wohnungsmarkt sind die Kosten für Strom, Wasser, Heizung sowie der Internet- und TV-Anschluss  bereits im Mietpreis enthalten.” Da die meisten Zimmer voll möbliert sind, entfallen für die Mietenden zudem auch die Kosten für die Einrichtung. 

Rund 2.500 Zimmer und Einzelapartments bietet das Studierendenwerk derzeit an. Doch wie hoch ist die Auslastung? „Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist bei uns ausgewogen. Wir können in der Regel jedem Bewerber einen Platz im Wohnheim anbieten. Lange Wartelisten führen wir nicht”, erläutert Peito-Höltgen. Die Entwicklung am freien Wohnungsmarkt beeinflusse die Mieten für Wohnheimplätze nicht. „Als Anstalt des öffentlichen Rechts wirtschaften wir nicht gewinnorientiert, sondern decken mit unseren Mietpreisen ausschließlich unsere Kosten.” 

Bleiben Wohnheime günstig?

Das heißt jedoch nicht, dass die Studierendenwerke die Mietpreise nicht erhöhen müssen. Denn neben den Kosten für Personal seien auch die Kosten für Instandhaltung und Betriebskosten gestiegen. Das stelle zunehmend ein Problem dar: „Unsere Kosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Zuschüsse des Landes steigen jedoch nicht mit. Aktuell stagnieren die Zuschüsse auf einem Niveau von 1994 und dass trotz stetig steigender Betriebskosten und Studierendenzahlen.”

Die Studierenden-werke kämpfen mit der  Unter-finanzierung durch das Land NRW.

Wohnheimplätze könnten somit in Zukunft also ebenfalls teurer werden - für Studierende eine starke finanzielle Belastung, besonders wenn der freie Wohnungsmarkt keine Alternative mehr ist. Peito-Höltgen sieht nun das Land NRW in der Pflicht: „Das Land muss sich wieder stärker an der Finanzierung der Studierendenwerke beteiligen und in die soziale Infrastruktur an Hochschulen investieren, um weitere Kostensteigerungen für die Studierenden zu verhindern.”
 Obwohl die Lage in Essen und Duisburg noch vergleichsweise entspannt sei, sei auch hier der Blick in die Zukunft besorgniserregend. “Die Studierendenwerke kämpfen seit Jahren mit einer Unterfinanzierung durch das Land NRW. Das Ergebnis: Wir haben in ganz NRW einen Sanierungsstau in den Wohnanlagen von knapp 300 Millionen Euro. Über 20.000 Wohnplätze sind zum Teil dringend sanierungsbedürftig. Langfristig beträgt der Investitionsaufwand über 700 Millionen Euro, auch für Ersatzneubauten. Wenn es so weitergeht wie bisher, muss in einigen maroden Wohnanlagen irgendwann der Schlüssel umgedreht werden.”

In Köln gibt es derzeit bereits lange Wartelisten für einen Platz im Wohnheim. Sollte das Land NRW die Zuschüsse für die Studierendenwerke nicht anpassen, könnte dies bald auch in Duisburg und Essen der Fall sein. Die Arbeitsgemeinschaft der Studierendenwerke NRW macht sich deswegen nun auch in der Politik stark für eine Änderung der jetzigen Zustände. Mit erstem Erfolg: Das Thema Wohnungsnot bei Studierenden ist mittlerweile auch im Landtag angekommen. Ob das allerdings zeitnah etwas an den prekären Wohnsituationen von Studierenden in Köln oder Münster ändert, bleibt fraglich. Denn die Mühlen der Politik mahlen bekanntlich langsam. 

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