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STUDIUM & FREIZEIT

Wieso verfällt die Haltbarkeit von Uni-Freundschaften so schnell?

Freund*innen am Campus gehören irgendwann zum Unialltag. (Foto: BRIT)

28.04.2018 10:29 - Britta Rybicki

Freundschaften, die man in der Uni knüpft, sind anders. Sie haben einen stärkeren Praxisbezug und in vielen Fällen ein schnelleres Verfallsdatum. Wir waren am Campus und haben uns eure Geschichten erzählen lassen.



Oft ist man weit weg von zuhause, fühlt sich noch fremd im neuen Wohnort. Steht gerade einmal mit seinen Mitbewohner*innen in Kontakt. Für viele ist das Studium ein kleiner Neuanfang mit vielen Herausforderungen. Eine davon: Wegbegleiter*innen zu finden. Wie auch für Sabrina*, die im Bachelor an der Universität Duisburg-Essen anfängt, Angewandte Informatik zu studieren. „Ich kannte bis zur Einführungswoche nicht nur keinen in der Uni, sondern nicht mal jemanden in Duisburg”, sagt sie. Neue Kontakte knüpfen fällt nicht jedem Menschen einfach. Selbst in der Wissenschaft ist man sich nicht einig darüber, was Freundschaft eigentlich ist. Trotzdem hält man es für eine freiwillige und persönliche Beziehung, die aus Sympathie, Vertrauen, Verständnis und Unterstützung wächst. Und eine Spielart neben Sandkasten- und Vereinsfreundschaften sind dann eben Studienfreund*innen.

Glücklicherweise trifft die gebürtige Münsteranerin in der ersten Woche dann auf Claudia*. Wie im Campusmärchen sitzen sie nebeneinander und landen in einer Projektgruppe. Als einzige Frauen im gesamten Kurs kommen sie schnell ins Gespräch. Laut der Sozialpsychologin Beverly Fehr von der kanadischen University of Winnipeg braucht es Risikolust, Begegnungen zu Freundschaften werden zu lassen. Wer direkt mit einer Selbstoffenbarung einsteigt, wirkt komisch. Das ist jedenfalls die gesellschaftliche Norm. Wer es trotzdem macht, erwartet Erwiderung – denn sonst fühlt man sich vor den Kopf gestoßen. Umso häufiger man sich begegnet, desto sympathischer wird einem sein Gegenüber. Das Bekannte schlägt selbst gemeinsame Interessen. Psycholog*innen sprechen dabei von dem sogenannten Mere-Exposure-Effekt. Der Prozess dahinter: Vertrautes verarbeitet unser Gehirn leichter, wodurch wir es als belohnend empfinden und insgesamt positiver auffassen.

Freundschaften verdoppeln die Freude und halbieren das Leid

Fünf Projekttage und eine Semstereinstiegsparty schweißen die Kommilitoninnen zusammen. Von da an stimmen sie ihre Stundenpläne acht Semester lang aufeinander ab, unterstützen sich in den Klausurphasen und zelebrieren jeden erworbenen Credit an der Kneipentheke. „Wenn die andere mal was nicht bestanden hat, hat man trotzdem weiterhin zusammen gelernt und sich abgefragt”, erklärt Sabrina und ergänzt: „In dieser Zeit war sie meine beste Freundin.” Laut einer Längsschnittstudie in Tacoma wählen Menschen beste Freund*innen insbesondere deswegen aus, weil sie sie in ihrer Identität bestärken. Es hängt also nicht so sehr davon ab, dass uns die andere Person gefällt, sondern dass wir uns von ihr bestätigt fühlen. Wie in einer Sportmannschaft schätzt Sabrina die Rolle ihrer Wegbegleiterin Claudia. Im Team verfolgen sie ein Ziel: Ihren Hochschulabschluss. Dabei arbeiten sie sogar Stärken und Schwächen der anderen heraus und setzen sie gemeinsam ein. „Da Claudias Muttersprache Englisch ist, hat sie mich da entsprechend unterstützt. Ich hab ihr hingegen in Mathe geholfen”, sagt Sabrina und beteuert, dass sie das ein oder andere Modul ohne Claudias Unterstützung nicht im ersten Versuch bestanden hätte.

Warum Freundschaften dann enden

Nach dem Abschluss erwartet die Freundinnen eine räumliche Trennung. Während Sabrina den Master auch in Duisburg absolviert, fängt Claudia an zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie wieder in ihrem Geburtsort in Baden Württemberg. „Anfangs haben wir täglich telefoniert, dann wöchentlich, monatlich, dann geschrieben und jetzt stalkt man sich mehr auf sozialen Medien, als das man miteinander kommuniziert”, erzählt Sabrina. Denn darin liegt leider auch die Kehrseite der Medaille. Freund*innen nehmen zwar viele Anstrengungen auf sich, erfüllen die Bedürfnisse der anderen Person, teilen Leid und steigern das Selbstwertgefühl, geben uns das Gefühl dazuzugehören. Und wenn es sein muss, springen sie für uns in die Bresche.

Genauso entlastend wie das klingt, genauso anstrengend sind Freundschaften auch. Deswegen können wir maximal zu fünf Menschen einen engeren Kontakt pflegen. Sehr enge Freundschaften funktionieren stattdessen nur mit zwei Personen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Universität Chemnitz kommen Befragte im Schnitt auf drei Personen, denen sie regelmäßig persönliche Gedanken und Gefühle anvertrauen – auf dessen Rat sie bauen. „Vielleicht muss man sich einfach damit abfinden, dass Freundschaften sich verändern. Trotzdem hat man ja weiterhin das Gefühl, wenn man die andere Person nur jedes halbe Jahr spricht, dass sich nichts verändert hat”, sagt Sabrina. Es schadet also trotz aller Bedenken nicht, am Campus Freundschaften einzugehen. Schließlich wirken sie sogar präventiv auf erhöhten Blutdruck, Depressionen und verlängern das Leben (zwinker, zwinker).

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