Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

RATGEBER & TERMINE

Wie Mikroabenteuer den (Corona-) Alltagstrott durchbrechen können

Einfach mal raus kommen. [Foto:Alexander Weilkes]

20.04.2020 18:55 - Alexander Weilkes

In Zeiten von Corona ist Social Distancing das Mittel der Wahl, um die Geschwindigkeit der Virusverbreitung abzubremsen. Damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt, bietet sich ein Ausflug in die Natur an.

Für mein Mikroabenteuer habe ich mir ein großes Waldgebiet im nördlichen Ruhrgebiet ausgesucht. Mit vierzig Kilometern Anfahrt lag die Destination nicht wirklich vor meiner Haustür, im betonierten Ballungsgebiet macht ein solches Vorhaben allerdings auch nur wenig Spaß. Mit dem Fahrrad erreiche ich mein Ziel in den frühen Abendstunden und biege vom Asphalt ab auf einen Weg mit losem Untergrund. Der Lärm der Straße verstummt mit jeder Kurbelumdrehung ein wenig mehr. Langsam arbeite ich mich die konstante Steigung hoch, während Hasen neben mir durchs Gras hoppeln. Nach etwa zwei Kilometern stoppe ich meine Fahrt und verlasse den Weg, um mir einen geeigneten Schlafplatz für mein Mini-Zelt zu suchen.

Was Mikroabenteuer sind

Der Ausdruck Mikroabenteuer hat seinen Ursprung in dem englischen Ausdruck microadventure. Gemeint sind damit Outdoor-Erlebnisse, die unweit vom Wohnort stattfinden und sich mehr oder weniger einfach in den Alltag integrieren lassen. Es geht darum, die Routine aufzubrechen und Dinge in der Natur zu erleben. Eigentlich ein banales Vorhaben, aber doch ist man häufig so im Trott, dass man es kaum umsetzt. Nach der Arbeit oder der Uni los und zumindest eine Nacht draußen verbringen, wer macht das schon? Wie man sein kleines Abenteuer gestaltet, ist nicht in Stein gemeißelt. Wichtig ist nur, dass ihr rausgeht und etwas erlebt. Das könnt ihr bei einer Nachtwanderung, einer Übernachtung im Freien, einer ausgedehnten Radtour, beim Wandern oder Bushcrafting. Informationen dazu findet ihr hier.

Das Aufhalten im Freien kann dabei helfen, Stress und Angespanntheit abzubauen. Ein wenig Eskapismus steckt vielleicht auch dahinter, aber das kann zeitweise durchaus heilsam sein.

Mit wenig Aufwand abseits der Gewohnheiten wandeln

Die Kombination von sportlicher Aktivität und dem Entspannen in der Natur macht den Kopf frei und bringt Abwechslung in den meist eintönigen Corona-Alltag. Die Fitnessstudios haben geschlossen und die Hausrunde, die man joggend oder radfahrend schon unzählige Male absolviert hat, kickt einfach nicht mehr. Ein klares Ziel vor Augen zu haben, das nicht gleichzeitig Startpunkt der Aktivität ist, motiviert ungleich stärker. Etwas Neues zu tun, zu entdecken und sich vielleicht ein wenig herauszufordern, ist spannend und bleibt im Gedächtnis.

Anfangen kann man zum Beispiel mit einer Nachtwanderung, bei der man mit etwas Glück Sterne beobachten kann. Wer sich nicht direkt in eine ungewohnte Umgebung traut und einen Garten hat, der*die schlägt sein*ihr Zelt zunächst dort auf. Wer dem Alltag häufiger entfliehen möchte, sich jedoch nur schwer überwinden kann, sollte sich einen Rucksack bereitstellen, der bereits mit den benötigten Utensilien für einen Ausflug gepackt ist. Damit wird die Zeit und der Aufwand zur Vorbereitung reduziert. Einpacken solltest du aber nur die Dinge, die du auch verwenden wirst, denn jeder Gegenstand muss getragen werden. Eine kleine Erste-Hilfe-Tasche kann allerdings nie verkehrt sein und gibt es bereits für unter 10 Euro. Für eine Übernachtung im Freien braucht ihr mindestens eine Isomatte und einen Schlafsack. In den wärmeren Monaten könnt ihr dann unter freien Himmel schlafen oder ein Tarp oder Zelt verwenden. Ersteres ist eine Kunststoffplane, die sich als Regen- und Windschutz abspannen lässt.

Ich habe schon einige Nächte draußen verbracht und ziehe eine möglichst menschenleere Natur vor. Die Temperaturen gehen in dieser Märznacht runter bis auf 2°C. Kein Problem mit der Ausrüstung, die ich verwende. Mir ist warm und es ist erstaunlich still im Wald. Das ist nicht immer der Fall und man muss sich anfänglich an die vielen unbekannten Geräusche gewöhnen.

Draußen schmeckt ohnehin alles besser.

Viel schlafe ich nicht, aber das ist mein erster Overnighter in diesem Jahr und im heimischen Bett kann sich der Nachtschlaf aufgrund mangelnder Körperbewegung oder Zukunftsängsten auch problematisch gestalten. Am nächsten Morgen wache ich mit den ersten Sonnenstrahlen auf und fühle mich trotz unruhiger Nacht nicht erschöpft. Die frische Luft und das Verlangen nach heißem Kaffee wirken belebend. Draußen schmeckt ohnehin alles besser, zumindest bilde ich mir das ein. Wer sein (mitgebrachtes) Essen nicht nur kalt verspeisen will, sondern über einem Feuer oder mittels eines Gaskochers zubereiten möchte, sollte unbedingt darauf achten, wo dies erlaubt ist, dann steht der Lagerfeuerromantik nichts entgegen.

Wenn ich nach meinen Mikroabenteuern nach Hause komme, erscheint es mir häufig so, als sei ich länger fort gewesen als ich es tatsächlich war. Nicht selten kommt mir die lückenhafte Netzabdeckung meines Mobilfunkanbieters gelegen, da sich so ein spontanes Digital-Detox ergibt. Die Flucht aus der gewohnten Umgebung, die Ruhe und die einfachen, aber abwechslungsreichen Aktivitäten in der Natur entspannen mich. Dieser Zustand wirkt auch noch am Schreibtisch nach, an dem wir uns derzeit und im Sommersemester 2020 vermehrt aufhalten werden.
 

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