Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

–>Mein Campuserlebnis<–

11.02.2019 11:06 - Sophie Schädel

Ich war früher vor Konzerten mit meiner Geige so nervös, dass mir die Hände gezittert haben. Der Bogen quietschte, die Töne saßen nicht, und einmal bekam ich sogar kaum einen Ton heraus. Mit den Jahren hat sich dieses Zittern darum von meinen Händen in die Beine verlagert, sodass bei Lampenfieber jetzt meine Kniescheiben beben. Konzerte spiele ich schon länger nicht mehr, aber das Lampenfieber ist lange geblieben. Ich hasse es, vor Leuten zu stehen, die mir zuhören – ob nun bei Vivaldi oder bei einem Vortrag.

Im Studium wurde das sehr lästig. Auch wenn ich wusste, ich bin gut vorbereitet, das Thema ist cool, der Kurs nett und das Referat unbenotet. Kurz: Ich habe nichts zu verlieren – und doch setzten zuverlässig miese Begleiterscheinungen ein, die mich ebenso zuverlässig dazu brachten, meine Sätze viel zu schnell herauszustammeln, mit knallrotem Kopf und weichen Knien.

Alle meinten immer, das gibt sich mit der Zeit, man muss nur Übung haben.

Hätte ich eine Fähigkeit über Nacht lernen können, es wäre gewesen, gelassen solche Situationen zu überstehen. Ich wollte nicht mal gut sein, nur nicht mehr im Panikmodus. Immer wenn ich vor einem Kurs stand und merkte, dass die Symptome wieder losgingen, hat mich das noch nervöser gemacht. Für mich gibt es wenig Unangenehmeres als das Wissen, dass alle bemerken, wie nervös man ist. Alle meinten immer, das gibt sich mit der Zeit, man muss nur Übung haben. Irgendwann habe ich aufgehört das zu glauben. Aber dieses Semester hat sich das geändert, weil ich fast wöchentlich ein Referat halten muss. Und tatsächlich stellt sich in meinem Inneren dabei mehr und mehr Ruhe ein. Ich werde gelassener und merke, dass das ganze Unterfangen auch für mein Publikum eine entspanntere Angelegenheit wird.

Neugierig teste ich neue Grenzen aus und merke, dass ich besser werde. Wenn mich das Lampenfieber nicht so sehr nervt, ist mehr Gehirnkapazität für andere Gedanken übrig. Ich kann mehr von meinen Stichworten abweichen, zwischendurch einen Gag machen, auf Dinge spontan eingehen und habe keine Angst mehr, wenn Fragen kommen. Bisheriger Höhepunkt dieser Entwicklung: Ich habe eine Eins in einer mündlichen Prüfung bekommen und hatte dabei so viel Spaß, dass ich mit der Prüferin statt den angesetzten 20 Minuten fast eine Stunde über meine Thesen diskutiert habe. Mittlerweile freue ich mich schon fast auf Reden vor Leuten. Ich habe die Nervosität nicht ganz abgelegt, aber sie ist auf ein Maß geschrumpft, mit dem ich gut leben kann.
 

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