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STUDIUM & FREIZEIT

Wie gut ist das Corona-Krisenmanagement der UDE?

Am Campus war schon länger kaum mehr jemand unterwegs.

[Foto: Sophie Schädel]

23.11.2020 14:12 - Sophie Schädel

Die Corona-Pandemie stellte die Universität Duisburg-Essen (UDE) vor große Herausforderungen. Innerhalb kürzester Zeit musste sie viele ihrer Abläufe umstellen, die gesamte Lehre neu organisieren und die Studierenden und Lehrenden stets auf dem Laufenden halten. Das erste Onlinesemester ist geschafft, das zweite hat gerade begonnen. Wie blickt die Universität auf ihr Krisenmanagement in den letzten Monaten zurück? Wir ziehen Bilanz mit UDE-Pressesprecher Thomas Wittek und den AStA-Vorsitzenden Maximilian Wernicke und Aylin Kilic.

Im Frühjahr eskalierte das Infektionsgeschehen in Deutschland. Der Lehrbetrieb durfte nicht mehr wie gewohnt stattfinden. „Wir hatten nur drei Wochen, um die gesamte Lehre auf digital umzustellen“ erinnert sich Pressesprecher Wittek. „Man kann durchaus sagen, dass das gut gelaufen ist, auch dank des Engagements der Lehrenden.“ In Windeseile leitete die Universität die nötigen Schritte zum Online-Vorlesungsstart in die Wege.

Besonders in den ersten Wochen hakte die Technik bei Dozierenden, der Uni und den Studierenden. „Zu Semesterbeginn wurde oft das Format gewechselt, von Big Blue Button über Zoom bis hin zu Jitsi. Viele Studis sind mit ihrer Ausstattung oder der Psyche an Grenzen gestoßen“, kritisiert AStA-Vorsitzende Kilic. Mit der Zeit rüttelte sich aber vieles zurecht. „Wir haben in die technische Infrastruktur kurzfristig investiert, also in Server- und Netzwerkkapazitäten, in Videokonferenz-Systeme und so weiter“, berichtet Wittek. „Mittlerweile sind wir dahingehend aber gut aufgestellt, und wir arbeiten weiter am Ausbau der digitalen Infrastruktur.“

Entscheidungsgremium Task Force

Um all die nötigen Umstrukturierungen einzuleiten, richtete die Universität im Sommersemester mehrere Entscheidungsgremien ein. Für Studierende besonders relevant: die Task Force für Studium und Lehre. Wittek berichtet: „Wir mussten aufgrund der sich ständig ändernden Lage Konzepte und Regelungen immer wieder überprüfen und anpassen. Und dann kamen auch immer wieder neue Vorgaben von Bund und Ländern.“ Insgesamt habe die Arbeit in den Gremien gut und konstruktiv funktioniert, bilanziert der Pressesprecher.

Digitale O-Woche: Wir ziehen Bilanz

Wie gut konnten die Fachschaften ihre Erstis auf den Semesterstart vorbereiten?
 

Zuerst wurde die Task Force ohne Beteiligung von Studierenden eingerichtet. Man wollte den Kreis kleinhalten, um effizient zu arbeiten, so die Begründung. Vor der ersten Sitzung jedoch lud sich der AStA-Vorsitz selbst ein, schuf einen Platz für die Vertretung der Fachschaften und bringt so die studentische Perspektive ein. „Das war extrem wichtig, weil wir Studierenden ja die größte Gruppe an der Universität sind. Wir sollten alle Informationen so schnell wie möglich bekommen“, argumentiert Aylin Kilic. Das habe zu Beginn teils nur langsam funktioniert. Die UDE etablierte jedoch schnell Informationskanäle wie Newsletter, eine Corona-Informationshomepage auf ihrer Startseite und Postings und Beratungsangebote via Social Media. Wernicke lobt: „Jetzt hat sich bei der Kommunikation ein Drive und eine Routine in der Arbeit entwickelt.“

Diskussionspunkt Bibliotheken

Um möglichst lange ein Lernen am Campus zu ermöglichen und Lernplätze bereitzustellen, schloss die UDE ihre Bibliotheken erst recht spät – zu spät in den Augen mancher Kritiker:innen. „Die Bibliothek ist das Herzstück einer Universität. Deshalb wollten wir den Betrieb möglichst lange aufrechterhalten“, verteidigt Wittek die Entscheidung. Im Rückblick hat es nicht geschadet, nichts lässt auf Infektionen in der Bibliothek schließen.

Mittlerweile sind die Bibliotheken wieder geöffnet, die Ausleihe läuft und ein Hygienekonzept ermöglicht Arbeit an den Lernplätzen vor Ort. „Der Leitfaden war eigentlich immer, dass den Studierenden durch die besonderen Umstände der Krise kein Nachteil entstehen soll“, betont Wittek. Wernicke bestätigt das, beispielsweise mit Blick auf die Verwaltung. „Da sehen wir, dass es mehr Ermessensspielraum gibt. Wenn zum Beispiel jemand ein Pflichtpraktikum absolviert, geht das jetzt je nach Einzelfall auch mal etwas fachfremder als normalerweise, weil das geplante Praktikum nicht stattfinden kann.“

Kürzere Vorlesungszeit

Der Vorlesungsstart verschob sich um zwei Wochen auf den 20. April. Zwei Wochen weniger, um den geplanten Lernstoff zu vermitteln. „Wir haben die Lehrenden angehalten, das bei ihrer Planung des Semesters zu berücksichtigen, sodass keine Nachteile entstehen“, so Wittek. Laut AStA-Vorsitz wurde das aber nicht immer umgesetzt. „Die Lehrinhalte wurden an vielen Stellen nicht an die verkürzte Vorlesungszeit angepasst“, kritisiert Kilic. „Der alte Plan wurde durchgezogen und Studierende waren dadurch zum Teil extrem überlastet. Es kann nicht sein, dass die verkürzte Zeit einen Nachteil für die Studierenden mit sich bringt.“

 

Die Bibliothek hat mittlerweile wieder geöffnet. [Foto: David Peters]

 

Eine Gruppe, die das Online-Semester besonders hart traf: die Erstsemester. Keine normale Orientierungswoche, kein reales Kennenlernen von Mitstudierenden und Lehrenden, oft nicht einmal eine Campusführung. „Es ist ganz klar nicht der Studienstart, den man sich wünschen würde“, gibt Wittek zu. Trotzdem ist er optimistisch. „Wir haben uns wirklich bemüht, den Erstsemestern Angebote und eine Orientierungswoche anzubieten, die es ihnen erleichtern, das Studium aufzunehmen, sich zurechtzufinden und sich mit der Universität zu identifizieren.“ Eine digitale O-Woche light, ein Erstsemesterportal auf der Startseite der Uni, ein ausgebautes Beratungsangebot, je nach Fakultät auch kleinere Präsenzveranstaltungen – die Uni hat sich einiges einfallen lassen, um die Neulinge trotz der Umstände gut einzubinden.

Prüfungen unter Coronabedingungen

Zu Beginn der Pandemiemaßnahmen war unklar, wie Prüfungen abgehalten werden können. Erst fanden sie nicht statt, dann entwarf die Uni ein Hygienekonzept und verlegte Klausuren ins Internet oder mietete externe große Räumlichkeiten für ausreichend Abstand zwischen den Prüflingen an. „Noch ist es zu früh, um zu sagen, wie sich das Ganze auf das Prüfungsverhalten ausgewirkt hat“, erklärt Wittek. „Was man schon sagen kann: Alle Prüfungen haben stattgefunden, wenn auch teilweise mit Verzögerung.“ Neben der Lehre ein weiterer elementarer Bestandteil von Wissenschaft: die Forschung. Gerade Fachrichtungen, die klassischerweise im Labor forschen, hatten es schwer.

„Aber unsere Forschenden haben natürlich nicht die Hände in den Schoß gelegt“, berichtet Wittek. „Dinge wie Datenanalyse, die theoretische Arbeit und Computersimulationen konnten weiterlaufen.“ Im Laufe des Sommersemesters wurde der Betrieb in den Laboren und Forschungseinrichtungen sukzessive wieder hochgefahren. „Wir haben da mit unserem Maßnahmenkonzept Vorkehrungen getroffen, damit das auch jetzt im Wintersemester weiter möglich ist“, so Wittek. „Unsere Forschungsgelder sind nicht gefährdet. Im Gegenteil: Die UDE ist mit vielen Anträgen im Moment sehr erfolgreich unterwegs.“ Insgesamt zieht Wittek recht zufrieden Bilanz zum Krisenmanagement: „Die Pandemie hat uns allen viel abverlangt. Aber ich denke, es ist gut gelungen, den Betrieb in einem gemeinsamen Kraftakt aufrecht zu erhalten. Grundlage aller Entscheidungen war Augenmaß und nicht in Aktionismus zu verfallen. Ich denke, das war auch im Rückblick eine gute Strategie.“

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/Beyond Borders/

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