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STUDIUM & FREIZEIT

Wie fair ist Fairtrade?

06.12.2012 17:56 - Teresia Minjoli

„Kauf doch nicht die billigen Bananen, die Teuren sind meistens fair gehandelt.“ Ein Irrtum, der weit verbreitet ist. Wer wirklich fair gehandelte Produkte kaufen will, sollte sich vorher informieren. Es reicht nicht sich auf die „guten“ Marken und ihren Namen zu verlassen. Aber auch die zahlreichen Fairtrade Siegel garantieren nicht die Sicherheit, die man sich von ihnen erhofft.

Noch nicht einmal Bananen kann man heutzutage noch bedenkenlos kaufen. Für zahlreiche Familien in Entwicklungsländern ist die Hauptexportfrucht eine der wichtigsten Einkommensquellen. Gerade deshalb ist ein fairer Handel für die Plantagenbesitzer*innen und Arbeiter*innen besonders wichtig. Während 90 Prozent des Gesamtexports in reiche Industrieländer gehen, scheren sich Marken und Supermarktketten allerdings hauptsächlich um die eigene Marktmacht. Das macht sich nicht nur bei Lebensmitteln bemerkbar, auch auf dem Textilmarkt sind klare Mängel zu erkennen. Denn die großen Marken sind in erster Linie darauf bedacht, ihre Produkte möglichst billig herstellen zu lassen.
Erst kürzlich gingen Bilder einer brennenden Textilfabrik in Bangladesch durch die Medien. 110 Arbeiter*innen kamen dabei auf Grund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen ums Leben. Schnell wurde bekannt, dass in dieser Fabrik auch Ware von bekannten Firmen, wie C&A oder Kik produziert wird. Schon ist auch das Thema Fairtrade wieder vermehrt in den Medien vertreten.

 Fairtrade ist in

Tatsächlich steigt der Betrag, der jährlich für fair gehandelte Produkte ausgeben wird, seit 2009 exponentiell an. Denn Fairtrade ist in. Kein Wunder, dass nun auch Billigdiscounter auf der Fairtraide-Welle mitreiten wollen. Normalerweise findet man ein umfangreiches Angebot an Fairtrade Produkten eher in sogenannten Welt-Läden. 2009 gab es dazu im Rahmen einer bundesweiten „fairen Woche“ bereits eine große Debatte, denn die Begriffe Billigdiscounter und Fairtrade sind eher schwer unter einen Hut zu bringen. Trotzdem findet man in den Regalen von Aldi, Lidl und Co. immer öfter Produkte mit dem den verschiedensten Fairtrade-Siegeln. Viele davon sind allerdings oft mehr Schein als Sein. Fairglobe, One World und andere Namen sind Fairtrade-Eigenmarken der Discounter. Produkte mit diesen Siegeln erfüllen aber nicht die gleichen Kriterien, wie Waren, die mit dem etablierten Siegel von Fairtrade Deutschland versehen sind. In solch einem Siegelwald können Kund*innen schon mal den Überblick verlieren. Und tatsächlich ist genau diese Vielfalt unter Anderem dafür verantwortlich, dass auch das Fairtrade-Siegel von Fairtrade Deutschland mittlerweile immer mehr an Aussagekraft verliert. Dazu passt auch, dass nur 20 Prozent fairer Handel bereits ausreichen, um das Siegel zu erwerben.
Eine der größten Organisationen des fairen Handels, die Gepa, hat deshalb bereits Konsequenzen gezogen: Die Entscheidung, das Fairtrade-Siegel von einem Großteil der Ware zu entfernen und es durch ein „Fair-Plus“ Siegel zu ersetzen, soll signalisieren, dass ihnen die Standards nicht mehr hoch genug sind.

„Fairtrade ist mir zu teuer“ gilt nicht

Leider ist auch das Angebot in den Cafeterien auf der UDE nicht wirklich „fair“. An den Fenstern hängen zwar einladende Bionade-Poster, in den Getränkekühlschränken stecken dafür fast hauptsächlich Produkte der Marke Coca-Cola, die leider denkbar wenig mit Fairtrade zu tun hat. Und zur Weihnachtszeit gibt es jetzt auch wieder diese schön großen und verhältnismäßig billigen Schokoladentüten. Wer achtet da schon auf das Herkunftsland? Aber was viele nicht wissen: Einige der goßen Marken beziehen ihre Kakaobohnen von Plantagen, auf denen die Bedingungen alles andere als Menschenwürdig sind. Selbst vor Kindesentführung und Sklaverei wird oftmals kein Halt gemacht. Und das passt in unser Bild von Weihnachten ja nun gar nicht rein. Da gilt auch die Ausrede „Fairtrade ist mir zu teuer“ nicht mehr. Denn Milka, Lindt und andere Marken sind den fair gehandelten Produkten preislich in keiner Weise voraus. Das gleiche gilt nicht nur für andere Lebensmittel sondern auch für Kleidung. Und auch diese müssen nicht immer teuer sein. Man muss nur auf die Labels achten und wer sich auch dann nicht sicher ist, kann sich immer noch im Second Hand Laden umschauen.

 

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