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STUDIUM & FREIZEIT

WG-Odyssee während der Pandemie

Umzugschaos während der Pandemie.
[Foto: Helena Wagner]

13.03.2021 09:58 - Helena Wagner, Özgün Ozan Karabulut

Egal ob Erstsemester:in oder Student:in im fortgeschrittenen Semester: Die Suche nach einer passenden Wohngemeinschaft (WG) hat für viele ihre Tücken. Neben klassischen Themen wie dem Putzplan stellt die Corona-Pandemie WG-Suchende vor neue Herausforderungen.

Eine Kolumne von Helena Wagner und Özgün Ozan Karabulut

Allein in eine neue Stadt zu ziehen, während auf der Welt eine Pandemie herrscht, war im Nachhinein nicht die beste Entscheidung. Dass mir die Einsamkeit und die fehlenden sozialen Kontakte so zu schaffen machen, hätte ich nicht erwartet. Nach langem Überlegen stand dann der Entschluss fest: Die Stadt zu verlassen, kommt für mich nicht in Frage, also muss eine WG her. Und das am besten schnell.

Die Suche nach einer geeigneten WG über einschlägige Portale kann jedoch eine Zumutung sein. Anzeigen mit Textstellen wie „Findest du die Corona-Maßnahmen auch so blöd wie wir, Zwinkersmiley?“, „Zu Vino sagen wir nie no“ oder „Alles kann, nichts muss“ lösen bei mir Stresspickel aus. Es ist ja schön, dass aus den Anzeigen hevorgeht, dass es sich nicht um eine Zweck-WG handelt, aber wer bitte zieht während einer Pandemie in eine WG, in der selten etwas gemeinsam unternommen wird?

Wenn man dann eine Anzeige gefunden hat, bei der sowohl Preis, als auch das Zimmer stimmen, geht es an das erste Kennenlernen der Mitbewohner:innen. Momentan führt kein Weg an digitalen WG-Castings via Zoom oder Skype vorbei. Auch wenn diese Vorgehensweise ihre Vorteile hat – Kontakte werden reduziert, An- und Abreise fallen weg – so fehlt doch die zwischenmenschliche Nähe. Das ehrliche Vermitteln von Emotionen fällt durch einen Bildschirm schwer. Es passiert häufig, dass eine peinliche Stille entsteht oder man sich gegenseitig ins Wort fällt. So entsteht ein verwirrender Hybrid zwischen einem steifen Bewerbungsgespräch voll mit typischen Floskeln und einer ungezwungenen Unterhaltung.

Kein Transporter? Kein Problem!

Wenn man dann endlich ein passendes Zimmer gefunden und den bürokratischen Kram erledigt hat, muss der nächste Teil der Umzugs-Odyssee bewältigt werden: der Umzug an sich. Da aufgrund der Pandemie die Kontaktmöglichkeiten eingeschränkt sind, gestaltet sich die Suche nach helfenden Händen nicht leicht.

„Hey, tut mir echt leid, ich muss dir für den Umzug leider absagen, in meiner Firma wurde heute ein positiver Kontakt bestätigt…“ und damit sagt bereits der:die zweite von drei Umzugs-Helfer:innen aus dem Freundeskreis coronabedingt ab. An einen Transporter für den Umzug zu kommen, gestaltet sich ebenfalls schwierig, wenn man noch keine 21 Jahre alt ist. Einen stressfreien Umzug habe ich mir anders vorgestellt.

Die WG-Suche an sich war durch die Corona-Pandemie schwierig genug, aber dass der Umzug so eine Hürde darstellen würde, hätte ich nicht erwartet. Mein bester Freund und ich waren nur zu zweit, um meine 2,5 Zimmer-Wohnung in Kisten zu packen und diese mit meinen Möbeln quer durch Essen zu transportieren. Doch nach einem Wochenende mit vielen Treppenstufen und der Hilfe meiner neuen Mitbewohner:innen haben wir es geschafft. Wer hätte gedacht, dass ein 1,60 Meter breites Bett samt Lattenrost in einen VW Polo passt?

Mit (noch) Fremden den Lockdown verbringen 

Die erste Woche in der WG war durch die Corona-Pandemie sicherlich anders als normalerweise. Meine Mitbewohner:innen sind wie ich im Homeoffice. So verbringen wir die meiste Zeit gemeinsam. Die Kennenlernphase ist sehr intensiv. Aber es ist auch schön, sich abends gemeinsam um das Essen zu kümmern und den Tag zusammen ausklingen zu lassen. Dass wir uns so gut verstehen, ist bestimmt nicht üblich. Ich kann mir gut vorstellen, dass das bei langjährigen WG-Mitglieder:innen vielleicht anders aussieht.
Ohne die Corona-Pandemie hätte ich bestimmt weniger Sorgenfalten wegen der WG-Suche und dem Umzug gehabt, aber ich hätte sonst auch nicht so eine tolle WG gefunden. Es hilft mir sehr zu wissen, dass ich den Lockdown nicht allein in der Wohnung absitzen muss.
 

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