Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

"Wer solche Taten ausführt oder gutheißt, hat hier keinen Platz"

Wer steckt hinter den Angriffen auf Büros zweier Referate der HUU? (Symbolbild: rat)

23.01.2018 09:23 - Mirjam Ratmann



Vom 8. bis 12. Januar fand an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf die erste „Awareness Week“ statt, bei der durch verschiedene Veranstaltungen zu mehr Toleranz und Diversität aufgerufen wurde. Die von der Studierendenvertretung (AStA) der HHU organisierte Aktionswoche wurde jedoch überschattet: Unbekannte verwüsteten wiederholt den Vorraum der Büros des LesBi-Referats und des Autonomen Referats für bisexuelle und schwule Studierende Düsseldorf. Nun ermittelt der Staatsschutz.

„Diese feigen Taten sind unerträglich und einer universitären Gemeinschaft unwürdig. Sie können nur eine Reaktion erfahren: Dass wir uns alle noch entschiedener und sichtbarer für eine liberale und weltoffene Gesellschaft einsetzen“, urteilte Klaus Pfeffer, Prorektor für Chancengleichheit an der HHU, kurz nach dem Angriff auf die Büroräumlichkeiten. Laut Aussage des Autonomen Referats für bisexuelle und schwule Studierende Düsseldorf seien Regale mit Heften und Broschüren umgeworfen und queer im Raum verteilt worden. „Die haben von sämtlichen Türen alles runtergerissen“, ergänzt das LesBi-Referat.

Zwei Tage nach dem ersten Angriff, am 11. Januar, wurde der Vorraum erneut verwüstet vorgefunden. „Diesmal waren auch Einbruchsspuren an den Türen erkennbar“, sagt Cristiano Spina vom Referat für bisexuelle und schwule Studierende. Beide Referate teilen sich den besagten Vorraum. Am vergangenen Montag, 15. Januar, habe man zudem ein an die Wand geschmiertes Hakenkreuz vorgefunden. „Daher vermuten wir stark, dass die Angriffe aus dem rechten Spektrum kamen”, so das LesBi-Referat.

„Unser Tesa ist stärker als euer Hass“

Ausgerechnet in der Woche, in der der AStA der HHU in mehreren Veranstaltungen auf verschiedene Arten von Diskriminierung aufmerksam machte, wurden zwei Referate, die selbst aktiv an der Woche mitgestalteten, Opfer von einer womöglich homophob-orientierten Attacke. Noch am Dienstag, 9. Januar, hatten beide betroffenen Referate gemeinsam mit dem Frauenreferat und der Gender-Stelle des Hochschulpolitikreferats ein Programm zu den Themen Geschlecht, Sexualität und Rollen-Stereotypen abgehalten. „Wir als AStA haben den Betroffenen von Diskriminierung deutlich gemacht, dass wir sie unterstützen, dass sie eindeutig Teil dieser Universität sind“, sagte AStA-Vorsitzende Jennifer Voß rückblickend über die „Awareness Week“.

Ein Blatt Papier mit den Worten „Unser Tesa ist stärker als euer Hass“, das nach den Angriffen an der Tür des LesBi-Referats befestigt wurde, demonstriert, dass sich die Referent*innen nicht unterkriegen lassen. Dennoch: Man sei vor allem über die Feigheit der Angreifer*innen verärgert. „Kommt ihr doch auch lieber vorbei, wenn wir da sind und wir klären das persönlich!“, postete das Referat einen Tag nach der ersten Attacke auf Facebook. Cristiano Spina vom Referat für schwule und bisexuelle Studierende wünscht sich vor allem, dass auf die Taten angemessen reagiert wird. „Wünschenswert ist eine klare Stellungnahme und Positionierung gegen homo-, bi-, und transphobe Gewaltaktionen. Außerdem wäre es wünschenswert, dass unser Vorraum eine Tür erhält, damit unser Eigentum sicher verwahrt werden kann“, so der Schwulenreferent. Dem schließt sich das LesBi-Referat an und ergänzt: „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Rektorin persönlich auch mal mit uns oder wenigstens dem AStA-Vorstand in Kontakt getreten wäre.“

Erst am 16. Januar und somit eine Woche nach dem Angriff auf die Räumlichkeiten, gab die HHU eine offizielle Stellungnahme heraus. Darin wurde auch HHU-Rektorin Anja Steinbeck zitiert, welche die Taten als „Angriff auf die gesamte HHU, die sich seit längerer Zeit - auch von Seiten der Hochschulleitung – intensiv für Toleranz und Chancengerechtigkeit einsetzt“ bezeichnete. Der AStA selbst unterstützt den Wunsch der Referate: „Die Kommunikation in der Verwaltung muss verbessert werden, sodass die passenden Stellen im Rektorat nicht erst aus der Presse, sondern intern von solchen Vorfällen erfahren“. Man werde weiter zusammen mit den autonomen Referaten gegen Diskriminierung in jeglicher Form aktiv kämpfen und sich gegen diese aussprechen. Dazu seien weitere Veranstaltungen, ähnlich der „Awareness Week“ , bereits in Planung. Prorektor Pfeffer, der sich nach den Angriffen persönlich mit den betroffenen Referent*innen traf, befand indes: „Wer solche Taten ausführt oder gutheißt, hat hier keinen Platz.“

Die 10 nieschigsten Lehrveranstaltungen in Duisburg und Essen

Wer zum Henker kommt auf diese seltsamen Seminare? Wir haben die abwegigsten Veranstaltungen aus Duisburg und Essen für euch zusammengestellt.
 
 

Senatswahl 2018: Die Juso Hochschulgruppe

Es treten Kandidat*innen von vier politischen Listen der Universität Duisburg-Essen an. Wir haben ihnen vier Fragen gestellt.
 

Von Frauen für Frauen

 
Konversation wird geladen