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STUDIUM & FREIZEIT

Wenn alle im Seminar Expert:innen sind - außer dir

Wenn man plötzlich an sich zweifelt, nur weil andere mehr zum Seminarthema wissen.

[Foto: Sophie Schädel]

30.04.2021 10:16 - Sophie Schädel

Die erste Seminarsitzung im neuen Semester, und ich fühle mich dumm. So richtig schlimm dumm. Denn alle anderen in meinem Seminar scheinen sich im Thema schon perfekt auszukennen.

Ein Campuserlebnis von Sophie Schädel

Die Sitzung beginnt entspannt. Der Dozent ist cool und lustig, wir sind mit knapp 20 Leuten eine recht kleine Runde. Doch schon als wir uns Referatsthemen aussuchen, zweifle ich an meinen intellektuellen Fähigkeiten. Der erste Kommilitone meldet sich nicht nur für ein Referatsthema, sondern hält dazu spontan einen Monolog, in dem er ausführlich kritisiert, warum er die vorgeschlagene Literatur für nicht ausreichend hält, um dem Thema gerecht zu werden, und welche Werke und Autoren er gerne hinzufügen würde. Ok, denke ich, das ist dieser eine Überflieger, den es in jedem Seminar gibt. Kein Problem.

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Doch dann geht es so weiter. Der nächste Kommilitone mag zwar die Pflichtlektüre zu seinem Referatsthema, sagt aber: „Bei Gramsci würde ich eher das dritte als das zweite Kapitel vorstellen. Ich finde, im zweiten gibt er nur eine kurze Einleitung. Das dritte ist ja ungefähr doppelt so lang, aber dafür weitet er da den Blick auf das Problem und spezifiziert seine Theorie ausführlich.“ Er weiß auch direkt, welche Sekundärliteratur er dazu vorstellen möchte. Ein Kommilitone nach dem anderen outet sich als Experte für das, was im Seminar geplant ist. Ich versuche wenigstens ein paar Mal zu nicken, wenn ich glaube verstanden zu haben, worüber gesprochen wird. Ein paar Kommiliton:innen schweigen ebenfalls und ich hoffe, dass sie sich genauso fühlen wie ich.

So dumm habe ich mich noch nie gefühlt

Schließlich bin ich an der Reihe und melde mich für ein Thema, gemeinsam mit einem anderen Studenten. Er ändert direkt den Titel unseres Referats, weil er lieber einen Teilaspekt ausführlich als die gesamte Theorie oberflächlich behandeln will. Ich stimme zu und versuche, so zu wirken, als hätte ich zumindest eine grobe Ahnung von dem, was er sagt. Insgeheim hoffe ich, dass ich mit dem Thema im Endeffekt zufrieden sein werde.

Noch am selben Tag schickt mir der Kommilitone den Sammelband, auf den er sich in seinem Teil des Referats beziehen will, und unser Dozent fragt mich per Mail, welche Literatur ich zum Thema vorstellen werde. Hä, ich bin noch nicht im Thema, ich bereite doch nur das Referat vor! Ich kriege Panik, drücke mich tagelang vor einer Antwort. Mein Selbstbewusstsein ist dahin. Ich habe sogar Angst, ob ich überhaupt in der Lage bin, ein Referat in diesem Seminar zu halten, auch wenn ich mir immer wieder einrede, dass ich Referate eigentlich gar nicht schlimm finde und mit etwas Zeit zur Vorbereitung ganz bestimmt etwas zum Thema sagen kann. So dumm habe ich mich in meinen neun Semestern Studium noch nie gefühlt. Bestimmt wird es am Ende gar nicht so schlimm, aber wirklich daran glauben kann ich noch nicht.

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