Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Weihnachten freiwillig allein?

Dinner for One am 24. Dezember [Foto: Anna Riemen]

23.12.2019 14:53 - Anna Riemen

Eine 2018 vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov erhobene repräsentative Studie behauptet, dass 17 Millionen Deutsche Weihnachten nicht feiern. Kürzt man die Bürger*innen, die einer anderen Religion angehören, aus dieser Rechnung heraus, bleiben immer noch 13,6 Millionen Menschen über. Feiern Leute, die Weihnachten alleine verbringen, das Fest automatisch nicht? Und sind sie alle automatisch einsam?

Laut einer im Jahr 2012 repräsentativ erhobenen Studie, die das Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg veröffentlichte, verbringen 3 Prozent der Deutschen Weihnachten alleine. Das sind rund 2,4 Millionen Menschen. In der Medienlandschaft der letzten Jahre wurde vornehmlich darüber berichtet, dass gerade Rentner*innen an den Festtagen unfreiwillig für sich sind.

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Man denke an den berühmt gewordenen EDEKA-Werbespot aus dem Jahr 2015 zurück, der diese traurige Angelegenheit aufgreift. Als jedoch Manfred Beutel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Mainz, in einem Spiegelinterview gefragt wurde, ob von diesen drei Prozent der deutschen Bürger automatisch allesamt einsam seien, antwortete der: „Nur weil man allein ist, heißt das nicht, dass man einsam ist. Als einsam gilt nur jemand, der das Alleinsein als schmerzhaft empfindet, der sich isoliert oder nirgendwo zugehörig fühlt.“ Im Berliner Tagesspiegel etwa war vergangenes Jahr zu lesen, dass „überdurchschnittlich viele junge Menschen das Fest ausfallen“ ließen. Alleine diese Formulierung suggeriert eine gewisse Freiwilligkeit. 

Manche wollen das so.

Unter den jungen Leuten, die sich an Weihnachten für das freiwillige Alleinsein entschieden haben, ist auch UDE-Studentin Mira*. Sie verbringt das Fest schon seit einigen Jahren allein für sich. Hierfür nennt sie viele Gründe: „Heiligabend war schon immer unglaublich langweilig bei uns Zuhause. Ich bin das einzige ‘Kind’ in der Familie, habe weder Geschwister noch Cousins.“ Als Scheidungskind habe das Fest für sie schon lange einen bitteren Beigeschmack. Da sie nicht gläubig sei, habe auch der religiöse Hintergrund für sie keine weitere Bedeutung. Zudem widere sie „die kapitalistische Ausschlachtung“ dieser sowie anderer Festivitäten an. Statt mit der Familie unter einem festlich geschmückten Baum Weihnachtslieder zu singen, nutzt Mira* die freien Tage lieber, um zu reisen. Vor drei Jahren habe sie die Feiertage erstmals allein in Sevilla verbracht. Gerade ist sie im Auslandssemester in Barcelona, überlegt jedoch, über die Feiertage trotzdem wegzufahren. Dieses Jahr schwankt sie noch zwischen Nordspanien und Südfrankreich. Besondere Rituale oder andere Arten, das Fest zu begehen, hat sie nicht. „Auch, wenn ich gerade in Essen wäre, hätte ich die Tage wie alle anderen verbracht und wäre nicht zu meiner Familie gefahren.“ Auf Reisen hat sie immerhin einen Grund dazu, etwas Besonderes zu unternehmen. „Wenn ich verreist bin, mache ich eben entsprechende Sachen, wie die Stadt anschauen, mich in die Sonne setzen...“

* Name von der Redaktion geändert

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