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STUDIUM & FREIZEIT

Weihnachten – das Fest der Familie?

Foto: seg

24.12.2018 11:45 - Redaktion

Weihnachten läuft auf Hochtouren. Die Familie reist aus allen Teilen der Welt an, man isst innerhalb von drei Tagen so viel wie sonst in einer Woche und die Müllabfuhr sammelt nach den Feiertagen eine Menge Geschenkpapier ein. Unsere Redakteurin Julia liebt Weihnachten vor allem wegen dem Zusammentreffen der Familie. Redakteur Dennis hingegen kann dem Fest wenig abgewinnen und hat dem Familiengedanken „Lebe wohl“ gesagt.

Dennis‘ Sicht

Nein, ich bin nicht der Grinch, aber Weihnachten und der vermeintliche Familiengedanke dahinter sind für mich nur eine gesellschaftliche Fassade. Nun glaubt ihr sicherlich, dass ich hier etwas über meine ewig währenden Familienstreits schreiben werde, aber da habt ihr euch getäuscht. Streit war für mich nur einmal ein wirklich größeres Problem dabei, als ich danach mal einige Monate Abstand zu meinem Stiefvater brauchte. Dass das ausgerechnet an Heiligabend passiert ist, war aber eher Zufall als der große, gewollte und erwartete Weihnachtsclinch.

Viel schlimmer finde ich, dass ich jedes Jahr Weihnachtskarten von Menschen bekomme, mit denen ich weniger Zeit in meinem Leben verbracht habe, als mit meinen Arbeitskolleg*innen und Freund*innen. Belangloser Quatsch wie „ein frohes Fest, lieber Dennis, wünschen dir X, Y, Z“ steht meistens darin. Eine inhaltsleere Floskel, die sie auch an zig andere Menschen verschicken. Dabei sind X, Y und Z – quasi ein wenig so wie in der Mathematik – Variablen (Mathematik- und Statistik-Studierende hier bitte wegschauen, ihr wisst ja was ich meine) und Unbekannte. Variablen, weil sie austauschbar sind. Mir könnte auch meine Twitter-Follower*innen eine Karte schreiben und sie wüssten wahrscheinlich mehr über mich und mein Leben als der Großteil meiner Verwandtschaft.

Und hier kommt auch schon die große Unbekannte. Würde mir meine Mutter nicht regelmäßig davon berichten, was in der Familie so passiert, wüsste ich auch nichts darüber. Klar, ich könnte selbst etwas daran ändern, aber mein Interesse ist gering. Genauso wird es auch andersherum sein, denn wir melden uns beieinander nur alle paar Jahre mit einem kurzen Smalltalk, der irgendwann von einer Seite unbeantwortet zu Ende geht – bis zum nächsten Mal.

Familie ist kein Automatismus und die Verwandtschaft zueinander kein unzertrennliches Band, wie es uns besonders an Weihnachten versucht wird einzutrichtern. Auch mit Familienmitgliedern kann ich mich genauso wenig gut oder schlecht verstehen wie mit einem anderen Menschen, den ich irgendwann in meinem Leben getroffen habe. An Weihnachten kommt diese Heuchelei umso mehr zur Geltung. Wir gehen meistens unsere eigenen, individuellen Wege, mit Unterstützung aus unserem engsten Umfeld. Warum also soll ich an Weihnachten nun vorgeben eine besondere Beziehung zu Leuten zu haben, die es gar nicht gibt? Und warum tun das so viele andere Menschen ohne es zu hinterfragen?

Wäre Weihnachten ein Fest, an dem wir gemeinsam darüber diskutieren, was Solidarität ist, (Ein Wert, der in Familien oft hochgehalten wird, dessen Umsetzung aber meist darin mündet, kluge Tipps geben zu wollen ohne vorher die Lebensrealität des Menschen zu erfassen) dann wäre ich voll dabei. Das ist es aber nicht und eine grenzenlose Solidarität gibt es in den meisten Familien nicht. Insbesondere dann nicht, wenn die Verwandtschaftsverhältnisse weiter voneinander entfernt sind, sprich: Meine Mutter ist solidarischer mit mir als meine Cousine.

So bleibt Weihnachten, das sogenannte Fest der Familie, ein Fest dass zwar Werte vorgeben will, in der praktischen und alltäglichen Umsetzung aber grandios scheitert. Also, ich verbringe Weihnachten dann doch lieber mit den Menschen, auf die ich mich wirklich verlassen kann, wenn es notwendig ist.

Julias Sicht

Dass ich Weihnachten so gern mag, hat viel mit Kindheitserinnerungen zu tun. Als Kind habe ich mich kaum dass der 26. Dezember vorbei war, schon auf das nächste Weihnachtsfest gefreut. Besonders wichtig ist und war, dass an Heiligabend alle meine drei Halbgeschwister da sind. Klar, kommen die auch zu anderen Gelegenheiten wie Geburtstagen, aber da kann man immer noch Last Minute absagen. An Weihnachten sagt keine*r ab. Das gilt auch für die Partner*innen meiner Geschwister. Sie sind es von zu Hause aus nicht gewöhnt, wirklich Weihnachten zu feiern. Für einen von ihnen ist dieses Jahr eine Premiere. Mit meinem Vater feierte ich das letzte Mal schätzungsweise vor 17 Jahren bevor er wegzog. Er gehört für mich nicht richtig dazu. Dafür aber der Vater meiner drei Halbgeschwister und der Freund meiner Mutter.

Zu unserer Tradition hat es immer gehört, dass wir nach dem Essen das „Christkind“ suchen. Bei uns hatte das nie mit Religion zu tun – dass das Wort „Christ“ darin steckt, habe ich erst spät verstanden. In die Kirche sind wir nie gegangen. Wir Kinder – meine Geschwister sind 9, 10 und 14 Jahre älter als ich – sind also nach dem Essen losgezogen, um das Christkind zu suchen. Immer wieder gaben meine Geschwister vor, es gesehen zu haben. Komischerweise war es immer schon verschwunden, wenn ich mich umgedreht habe. Ich habe ihnen jedes Mal geglaubt. Als wir dann aus der Kälte kamen, verkündete meine Mutter, dass wir das Christkind knapp verpasst hätten, es aber Geschenke da gelassen hätte. Auch in den Jahren, als es uns finanziell nicht so gut ging und mein Vater sich längst nicht mehr um Geschenke für mich kümmerte, hat meine Mutter es immer irgendwie geschafft, mir meine Weihnachtswünsche zu erfüllen und behauptete sogar, dass Geschenk sei auch von meinem Vater.

Dafür komme ich schon einige Tage vor Heiligabend in meine Heimatstadt. Dann lasse ich mich sogar zu kitschigen Weihnachtssongs hinreißen.

Den Geschenkestress haben wir mittlerweile reduziert. Anfang des Monats machen wir eine Art Wichteln: Man zieht einen Zettel und muss nur dieser einen Person ein Geschenk besorgen. Daran nehmen auch die jeweiligen Partner*innen meiner Geschwister teil. Jede*r muss einen Wunschzettel schreiben und sich dabei an das Preislimit halten, damit kurz vor den Feiertagen keine Panik ausbrechen kann. Stressig wird es natürlich trotzdem – vor allem wegen dem Essen. Meine Mutter würde am liebsten alles selbst machen, jede Soße, jeden Dip. Und würde man sie lassen, dann würde sie wahrscheinlich auch die Tischdecke selbst häkeln. Aber auch mir macht das Kochen, Backen, Dekorieren und Vorbereiten Spaß. Dafür komme ich schon einige Tage vor Heiligabend in meine Heimatstadt. Dann lasse ich mich sogar zu kitschigen Weihnachtssongs hinreißen. Bei meiner Mutter zu Hause ist dann alles warm, hübsch geschmückt, leuchtend und gemütlich. Alles, was meine Wohnung nicht ist.

Normalerweise bin ich kein großer Freund von Traditionen, aber an Weihnachten mache ich eine Ausnahme. Auch dieses Jahr wird mein griesgrämiger Bruder sich über die nervige Musik aufregen und skeptisch das Verfallsdatum auf den Soßen prüfen. Der Vater von meinen Geschwistern wird sich weigern Salat zu essen, der Freund meiner Mutter wird laufend Flachwitze erzählen, meine Schwester noch ein wenig mehr mit den Augen rollen, mein anderer Bruder glücklich Brot in sich reinschaufeln und meine Mutter als letzte mit dem Essen fertig sein. Und ich werde mich aufs nächste Jahr freuen.

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