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STUDIUM & FREIZEIT

Was ich werden will, wenn ich groß bin

Maurice wird Lehrer und hat ein Theaterstück geschrieben.

[Foto: Julia Segantini]

08.07.2019 14:45 - Julia Segantini

Lehrer*in werden heißt jahrzehntelang stumpf dem Lehrplan folgen? Nicht wenn es nach Maurice geht. Weil er seine große Leidenschaft Theater in den Schulalltag integrieren will, hat er ein Theaterstück für Kinder geschrieben. akduell war bei der Uraufführung dabei und hat sich erklären lassen, was Kinder beim Schauspielern lernen können und welche Schwierigkeiten es bei den Proben gab. 

Auf einmal verstummt das Stimmengewirr der Kinder. Das Stück beginnt. Erste Szene: Die Lehrerin gibt den Kindern eine Hausaufgabe auf: „Überlegt euch, was ihr später mal werden wollt.“ Maurice stimmt auf dem Klavier ein Lied an, die Kinder beginnen zu singen. Er hat das Stück „Das Lehrerkind“ mit den Kindern eingeübt, den Text geschrieben und das erste Lied selbst komponiert.

Es geht um ein Kind, das nicht weiß, was es später werden will und deshalb mehrere Berufe ausprobiert. Dafür haben er und die Kinder die Turnhalle der Dürerschule in Essen-Borbeck in eine kleine Bühne verwandelt. Die Kulissen und Requisiten stammen aus der Turnhalle oder von den Kindern: Kleiderstangen mit Kostümen, Turnkästen als Tische und Ablagen, eine große blaue Matte als Tafel.

Neben seinem Lehramtsstudium arbeitet Maurice in der Ganztagsschule und leitet dort eine Theater-AG. Das Stück aufzuführen war seine Idee: „Wir haben die Kinder vorher gefragt, ob die Lust darauf haben. Ich hab denen eine Idee vorgeschlagen, das fanden die gut und haben dann noch eigene Ideen eingebracht. Die Berufe kamen alle von den Kindern. Dann habe ich die Texte geschrieben und noch einmal mit ihnen überarbeitet.“

Keine Angst auf der Bühne

Beteiligt waren 25 Kinder aus der ersten bis vierten Klasse. Geprobt wurde ein halbes Jahr, einmal die Woche für zwei Stunden. „Das schwierigste war, den Text mit den Kindern einzustudieren“, meint der Student. „Schauspieltechnisch waren die alle relativ fit, auch dadurch, dass wir davor viele Spiele gemacht haben. Ich bin seit einem Jahr an der Schule und das erste halbe Jahr habe ich nur Spiele mit denen gemacht: Warm-ups, wie spreche ich laut, wie werde ich die Angst auf der Bühne los“, erklärt er. 

Trotzdem merkt man einigen Kindern die Aufregung an. Andere wiederum bewegen sich selbstbewusst durch die Szenen. Vor allem merkt man, wie viel Spaß die Kinder beim Darstellen der verschiedenen Berufe haben: Clown, Polizist*in, Köchin, Designer*in, Tänzer*in, Kellner*in. „Ich hatte für die Tomatensuppe keine Tomaten mehr, also habe ich Äpfel, Thunfisch und was sonst noch so da war rein getan. Man nennt das ‚Kochen nach Gefühl‘“, sagt die Köchin grinsend und erntet einen Lacher aus dem Publikum.

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Für Maurice war vor allem wichtig, dass die Kinder das Stück verstehen. „Ich habe die Texte verteilt, neun Seiten für neun Szenen. Wir sind die einmal laut durchgegangen und haben geguckt, dass die Kinder verstehen, worum es geht. Dann die Texte weggelegt und dann sollten sie das Ganze noch mal sagen, aber mit ihren eigenen Worten, um zu sehen, ob die das wirklich verstanden haben und im Notfall auch improvisieren könnten.“ Das Improvisieren klappt mal mehr und mal weniger gut. Trotzdem schaffen es die meisten, ihre Rolle überzeugend darzustellen. So erklärt der Clown: „Du musst mit den Augen der Kinder sehen“ und fordert einige zuschauende Kinder zum Tanzen auf. Der Clown-Azubine gelingt das weniger gut. So stellt sie fest, dass dieser Beruf nicht zu ihr passt und sie weiter suchen muss.

Auf der Bühne lernen

Auch mit der Rollenverteilung ist Maurice zufrieden: „Natürlich wollten alle die Hauptrolle. Es war anfangs schwierig einzuschätzen, wer das gut macht. Letztendlich konnte ich die Kinder aber ganz gut einschätzen und hier und da habe ich mit der Besetzung echt ins Schwarze getroffen.“ Einige Kinder seien dabei regelrecht aufgeblüht.

Auch die Jüngeren hätten sich nicht hinter den Älteren verstecken müssen. Stolz erzählt der Student: „Wenn man den Kleinen etwas Mut zugesprochen hat, hat man gemerkt, dass die von jetzt auf gleich viel lauter werden und gut sprechen können. Die Kleinste war eine der Kellnerinnen. Die war sechs Jahre alt und die hat in der letzten Reihe jeder verstanden.“

Mit dem Ablauf seines Stück ist Maurice insgesamt sehr zufrieden. „Kleine Patzer passieren natürlich immer, das sind eben Kinder und keine ausgebildeten Profis“, meint er.  Trotzdem schallt es am Ende des Stück wie im richtigen Theater Applaus. Maurice ist sich sicher, dass die Kinder beim Theaterspielen eine Menge lernen können: „Dass man viel Spaß haben kann, dass man auf der Bühne keine Angst zu haben braucht, aber auch, dass es sehr viel Arbeit ist und man ein Theaterstück nicht mal eben so auf die Beine stellen kann. Das haben die Kinder auch gemerkt“, glaubt er.

Auch, wenn das Stück viel Arbeit gekostet hat, ist er sich sicher: „Ich liebe Theater. Ich möchte später auch eine Theater-AG leiten, gerne auch mit Jugendlichen aus der Oberstufe. Für mich war das jetzt wie eine kleine Probe um zu schauen, ob ich das hinkriege. Jetzt habe ich erst richtig Bock. Ich habe auch schon einige Ideen und Texte im Kopf.“

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