Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Warum wählt ihr nicht?

Was ist den Studierenden die repräsentative Demokratie wert? Der Gang zur Wahlurne sollte das Mindeste sein. (Foto: dav)

10.01.2018 01:13 - Daniel Veutgen



Der Massenansturm auf die Urnen bei der Wahl zum Studierendenparlament (StuPa) der Universität Duisburg-Essen (UDE) blieb auch im letzten Jahr aus. Eine Wahlbeteiligung von unter zehn Prozent ist die traurige Realität. Doch wie kommt es, dass sich so wenige Studierende für das hochschulpolitische Gremium begeistern können? Einige Nichtwähler*innen haben uns erzählt, warum sie die Wahlkabine meiden.

Nicht einmal 3.000 der über 42.000 UDE-Studierenden hatten in der Wahlwoche vom 27. November bis zum 1. Dezember ihre beiden Kreuze auf dem Wahlzettel gemacht. Eine Wahlbeteiligung von 7,04 Prozent, verkündete der Wahlausschuss. Dieser Wert entspricht in etwa der Beteiligung der vergangenen Jahre. 2015 waren es sogar nur 6,57 Prozent, 2016 immerhin 8,47 Prozent. Damals gab es jedoch auch parallel die beiden Urabstimmungen zu Nextbike und dem freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs). Dass die Beteiligung so gering ist, hat verschiedene Gründe – zumindest wenn man die fragt, die es wissen müssten: die Nichtwähler*innen.

Fehlende Identifikation mit den Listen, geringe Bewerbung der Wahl, fehlende Zeit aufgrund eines durchgetakteten Bachelor- oder Masterstudiengangs. Sich überhaupt mit Hochschulpolitik auseinander zu setzen und der Mangel an Informationen über die Kandidat*innen und Aufgaben des StuPas sind nur einige Punkte, die von Studierenden gegenüber der akduell genannt wurden. „Es wurde auch erst ein bisschen Werbung gemacht, als die Wahl schon fast vorbei war in Duisburg. Ich hätte mir gewünscht, dass vorher schon Flyer verteilt würden, im Internet übersichtlicher und transparenter die Parteien und Kandidaten vorgestellt würden“, schreibt beispielsweise Maximilian. Für mehr Transparenz schlägt er eine Plenumsdiskussion vor, die via Livestream im Internet übertragen wird. „In der Diskussion hätte ich dann gerne gesehen, wer welche Argumente hat und wie er für seine Position eintritt.“

Steigert eine Bleibeuni die Wahlbeteiligung?

Ein weiterer Vorschlag, um die Wahlbeteiligung langfristig zu erhöhen, kommt von Facebook-User Em Mo. Er findet, dass die zuständigen Gremien ihre Prioritäten überdenken müssten, „mehr Partys und Kultur auf dem Campus machen nicht nur unsere Uni interessanter, sondern auch die Stadt an sich und laden zum Bleiben ein“. Je mehr Zeit Studierende freiwillig auf dem Campus verbringen würden, desto eher würden sie sich auch für hochschulpolitische Wahlen interessieren. Seine Kritik richtet sich auch an die aus seiner Sicht fehlende Kommunikation der verschiedenen Gremien mit den Studierenden. Viele Information würden nicht weitergegeben oder nicht wahrgenommen werden.

So progressiv äußern sich jedoch nicht alle Studierenden. Karim steht den Parlamentarier*innen grundsätzlich negativ gegenüber und meint: „Das Studierendenparlament ist eine Instanz, die quasi in ihrer eigenen Welt lebt und größtenteils von Langzeitstudenten oder Abbrechern besetzt ist, die im Stupa ihre Selbstverwirklichung suchen.“ Zumindest mit den Abbrecher*innen hat Karim in diesem Punkt jedoch Unrecht, da Parlamentarier*innen an der UDE eingeschrieben sein müssen. Facebook-Nutzer und Student Sergej steht den Mitgliedern des StuPas ebenfalls negativ gegenüber. „Der Großteil davon sind linke Wirtschaftsanalphabeten“, schreibt er. Darauf angesprochen, dass mit den Unabhängigen Demokraten, dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten und der Liberalen Hochschulgruppe auch Listen zur Wahl standen, die sich selbst nicht als links einordnen würden, sagt er: „Die Inhalte der anderen Listen haben mich nicht sonderlich angesprochen. Es gab nur wenig detaillierte Vorschläge. Das ist für mich nicht überzeugend genug.“

Umgangston wird kritisiert

Für einige Studierende spielte es auch eine Rolle, wie die verschiedenen Listen im Vorfeld miteinander umgegangen sind. „An manchen Stellen fand ich den Umgangston der online und auf Facebookseiten der Listen, Gruppen oder Flyern geherrscht hat schon recht bissig und manchmal etwas zickig“, erklärt Studentin Julia. Ein ganz anderes Problem hatte hingegen Carina. Sie hat aufgrund ihres Studienfaches keine Veranstaltungen am Essener Campus, sondern lediglich im Weststadt Carree. „Dort konnte man, soweit ich das gesehen habe, gar nicht wählen“, erzählt sie. Der Wahlausschuss bestätigte auf Anfrage der akduell: „Am WSC (Mathegebäude) gab es tatsächlich kein Wahllokal. Die Stimmabgabe an diesem Standort ist so gering gewesen in der Vergangenheit, dass es sich einfach nicht lohnte. Aus diesem Grund wurden die Standorte in der Vergangenheit auf die stärkeren Standorte reduziert.”

Generell sei es aufgrund der Brandschutzverordnungen am Campus gar nicht mehr so einfach, ein Wahllokal anzumelden, bemängelt der Wahlausschuss: „So durfte in der Vergangenheit zum Beispiel in R12 schon kein Wahllokal mehr aufgebaut werden und in diesem Jahr wurde ein Wahllokal in V15 vor der Bib untersagt.”

Von Seiten der Universität wird die geringe Wahlbeteiligung nicht sonderlich diskutiert. Es werde lediglich „allgemein bedauert, dass das Wahlrecht nicht von mehr Studierenden ausgeübt wird und sich deshalb zum Beispiel auch die Frage nach Repräsentativität stellt“, schildert Beate Kostka, Leiterin des Presseressorts. Sie betont: „Ändern können dies aber nur die Studierenden selbst.“ Diesmal wurde auf die StuPa-Wahl im Uni-Newsletter hingewiesen, der auch an alle Studierenden verschickt wird. Ansonsten sei der AStA dafür verantwortlich, seine Kanäle zu nutzen und auf die Wahl hinzuweisen. Dennoch ist es ein wenig unverständlich, warum beide Seiten nicht stärker miteinander kooperieren. So sendet doch ein starker AStA, der von vielen legitimiert wurde, auch ein positives Signal an potenzielle Studienanfänger*innen.

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