Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Warum sind plötzlich alle Hobbys gleich ein Lifestyle?

Ob man sich im Kopf wohl auch „frei klettern” kann? [Symbolfoto: pixabay]

22.07.2019 10:55 - Jacqueline Brinkwirth

Ob Bouldern, Rennrad-Fahren, Yoga oder einfach Laufen – Menschen machen Hobbys nicht mehr einfach nur, um ihre Freizeit zu füllen oder einen Ausgleich zum Alltag zu haben. Sie leben ihre Hobbys jede Minute jedes Tages. Warum mich die Professionalisierung der Freizeit so nervt.

Ein Kommentar von Jacqueline Brinkwirth

Instagram. Ein Bild einer weiblichen* Person, die irgendeine Yogapose auf einem Felsen macht. Im Hintergrund blauer Himmel über einer grünen Landschaft. Darunter die Caption „Quiet the mind, and the soul will speak.“ Ahja, denke ich mir und mache Instagram wieder zu. Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr dafür, den eigenen Horizont zu erweitern, mindful zu sein mit sich und seiner Umwelt und zu meditieren, sofern das einem selbst irgendeinen Nutzen bringt. Was ich wiederum echt uncool finde, ist diese ständige Professionalisierung der Freizeit. Man kann Yoga nicht mehr einfach nur zum Spaß machen oder weil es dabei hilft ins Gleichgewicht zu kommen. Nein, mittlerweile muss man an seiner Yoga-Reise natürlich die ganze Welt teilhaben lassen, sei es via Instagram oder sogar im realen Leben. Ich habe eine Bekannte, die immer gern in Gespräche aller Art ganz nebenbei einfließen lässt, dass ihr diverse Verrenkungen ihrer Gliedmaßen „echt viel bringen, um einfach mal zur Ruhe zu kommen.“ Good on you, Girl! Aber kannst du mich nicht mal zur Ruhe kommen lassen und aufhören, mir 17259 Mal in einer Stunde zu erklären, warum Bikram-Yoga der verdammt schönste Scheiß auf dieser Erde ist?

Genauso wie Joggen. Plötzlich joggt keine*r mehr, um einfach fit und gesund zu bleiben, sondern um sich „im Kopf“ freizulaufen. Ein Freund eines Freundes schlug mir das kürzlich als Heilung für meine Depressionen vor: „Du musst dich einfach freilaufen, den ganzen Stress mal abfallen lassen. Das gibt einen krassen Kick für die Stimmung.“ Ist schön gesagt, könnte man so oder so ähnlich eigentlich direkt auf T-Shirts drucken. Meine Kindheitstraumata löst das trotzdem nicht auf wundersame Weise in Luft auf. 

Man könnte die Liste der Hobbys um Bouldern, Wandern, Weightlifting, Radfahren und tausende andere erweitern, selbstverständlich nur mit der passenden, philosophischen Instagram-Caption. Was mich trotzdem nicht eher dazu animieren würde, das ein oder andere tatsächlich auszuprobieren, weil mich der Hype um Hobbys schon so unendlich anpisst. Macht eure Hobbys, wenn sie euch Spaß machen. Gönnt euch euren Aktivurlaub, wenn ihr Bock drauf habt. Aber ein Hinweis dazu: Ihr seid keine besseren Menschen und ihr habt auch das Leben noch lange nicht durchgespielt, nur weil ihr durch Hobby XY eine „andere mentale Ebene“ erreicht habt. Also bitte, hört doch einfach auf, jedem Menschen, der nicht danach fragt, euren Lifestyle ins Gesicht zu schreien. Mit freundlichen Grüßen, eine Hobby-Haterin.

Bildquelle: Lizenzfreies Bildmaterial von pixabay

Mehr als nur Posen: Stories, Selfies, Videos, Instagram

Kunst auf Insta: Was passiert, wenn man jungen Künstler*innen neue multimodale Funktionen an die Hand gibt, lest ihr hier.
 

Ist Happy Tea die magische Heilung für Ängste und Depression?

Happy Tea soll durch CBD angstlösend und stressreduzierend wirken. Auf Instagram verkauft der US-Konzern allerdings mehr als nur Tee.
 

Mein liebstes Hobby - Ärzt*innen anzeigen

Yannic H. nennt die Suche nach Ärzt*innen, die Abtreibungen anbieten, sein Hobby. Wir übertragen das Ganze in eine Hobbysendung.
 
Konversation wird geladen