Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Vorlesungsreihe an der UDE: "We don’t need another hero?"

Spider-Man: In Deutschland lange der beliebteste Charakter unter den Marvel-Held*innen. (Illustration: United States Postal Service)

15.04.2018 12:50 - Elena Wüllner



Sie sind irrsinnig-besonders. Sie haben Grausames durchgemacht und dennoch nicht den Glauben verloren. Und sie retten meist die ganze Welt. Gelegentlich sogar das Universum. Held*innen sind eben super. Die elfteilige Vorlesungsreihe „We don’t need another hero?“, die vom 17. April bis zum 10. Juli an der Universität Duisburg-Essen (UDE) stattfindet, stellt nicht nur Klischees infrage, sondern begutachtet die sogenannten Held*innen aus aktuellen Serien und Filmen mit wissenschaftlicher Akribie. Und das auf Englisch.

Ringvorlesungen sind keine Neuheit an der UDE. Aber das Kombipaket aus Held*innen, englischer Sprache und jungen Wissenschaftler*innen, denen eine eigene Plattform geboten wird, ist es. Zehn von ihnen kommen vom „Anglophone Studies Department“ der UDE. Die drei weiteren geladenen Dozent*innen reisen aus Deutschland und Großbritannien an, um jeweils kompakte 30 Minuten über einen Aspekt des Heldentums zu referieren und die restliche Zeit mit den Student*innen und Mitarbeiter*innen der Universität zu diskutieren. Die einstündigen Veranstaltungen finden auf dem Campus in Essen statt.

Dort bekommen die Held*innen eine Bühne, die sie vielleicht doch nicht so gerne betreten hätten. Blickwinkel sind primär die der Kultur- und Literaturwissenschaften und der Linguistik. Untersucht wird unter anderem die klassische Vorgeschichte der Held*innen; denn niemand wird zum Helden geboren. Das lernen wir aus nahezu alle Abenteuern, die wir mit Softdrink und Snack vom Kinosessel aus verfolgen. Oder seit Netflix von zuhause aus.

Weitere Themenkomplexe sind der historische Kontext der Figuren aus der zeitgenössischen anglophonen Kultur, die Serialität der Charaktere, aber auch die dominierende Maskulinität in der Welt der Held*innen. Das Phänomen der geheimen Identität, gewahrt durch mehr oder minder verhüllende Maskeraden, darf natürlich auch nicht fehlen. Dabei werden nicht nur die Held*innen in den Fokus gestellt, sondern auch die Antiheld*innen. Jeder Dozent hat seine eigene theoretische Herangehensweise, bei der kritische Fragen aufgeworfen werden. Ziel ist nicht die eine definitive Antwort, sondern das Weiterfragen.

Zu den Untersuchungsobjekten gehören Wonder Woman, eines der Urgesteine unter den Superheld*innen, die 2018, verkörpert von der israelischen Filmschauspielerin Gal Gadot, wieder zeigt, dass frau auch in knappen Outfits die Welt retten kann. Neben der Powerfrau kümmern sich die Dozent*innen auch um Sylvester Stallone als Kriegsheld John Rambo, der im dritten Teil der Filmreihe (1988) ein buddhistisches Kloster verlässt, um seine Heldenpotenzial nochmals unter Beweis zu stellen. Star Wars darf natürlich auch nicht fehlen. Denn das Weltraum-Epos strotzt nur so von tragischen Helden. Neben den Klassikern aus der Heroenliga, gesellt sich aber auch „Jane the Virgin“ (seit 2014) dazu. Eine 23-jährige Studentin, die in der ersten Folge der Dramedy-Serie versehentlich künstlich befruchtet wird und doch eigentlich gänzlich jungfräulich die Ehe mit ihrem Verlobten Michael eingehen wollte.

Helden, oder solche die es gerne werden würden, müssen eben nicht immer Cape und Emblem tragen. Denn auch diese Gadgets können sich abnutzen. Bei Marvel reicht schon lange nicht mehr ein Superheld aus. Sie treten inflationär auf: Spiderman, Captain America, Doctor Strange und Iron Man müssen neuerdings gemeinsam gigantische Schlachten auf der Kinoleinwand austragen. Untereinander und gegen die offensichtlichen „Bösen“.

Wer an dem Drama, das die US-amerikanischen Fernsehserie „The Leftovers“ behandelt, „schuld“ ist, kann nicht geklärt werden. Zwei Prozent der Weltbevölkerung verschwinden plötzlich spurlos. Wie die Bevölkerung mit diesem Verlust umgeht, analysiert Dozentin Lena Mattheis in ihrer Vorlesung  “And then there was … nothing? – Abscence and Origin stories in the series ‘The Leftovers‘“. Es bilden sich Sekten, Wunderheiler gewinnen Anerkennung, und die ohnmächtige Wut hat sich auch drei Jahre nach dem Verschwinden nicht gelegt. „Die Protagonisten Kevin und Nora wirken, inmitten dieser Versuche Sinn zu finden, manchmal wie Helden, manchmal aber auch einfach nur verloren.“, erzählt Lena Mattheis. Um diese Thematik erfassen zu können, muss den Teilnehmern die Serie nicht bekannt sein. „Im Idealfall haben Sie danach Lust, sich die gesamte Staffel anzusehen.“, ergänzt die Dozentin.

Wo? Campus Essen in R12 R04 B21


Wann? Dienstags von 13 (s. t.) bis 14 Uhr

17. April
Why Dead Heroes Live Longer: Historical Reflections on Heroism - Stefanie Lethbridge

24. April
Bokhara Burnes And John Rambo in Afghanistan: Imperial Heroism in Travels into Bokhara (1834), Cabool (1842) and Rambo III (1988) - Jasamin Ulfat & Dietmar Meinel

8. Mai
'And then there was ... nothing?' Absence and Origin Stories in the Series The Leftovers - Lena Mattheis

15. Mai
One-Punch Man: Trivializing the Superhero? - Adam von Wald

29. Mai
Heroes as Figures of the Social? The Sociopathic Detective on TV - Nicole Falkenhayer

5. Juni
The Rise of the 21st Century College Hero: Wendy Wasserstein's Third (2008) Between Those Who Have, Those Who Do, and the Question of What Makes a Hero - Saskia Hertlein

12. Juni
'They say a hero can save us:' The Popularity of Post-9/11 Super-Hero Movies - Wiebke Engel

19. Juni
Disseminating the Heroic: Reverse-Katabasis in WonderWoman (2017) - Torsten Caeners

26. Juni
'What did you think was going to happen here?' Generic Transformation in Recent Star Wars Films - Rafael Azevedo

3. Juli
Jane the Latina Superheroine? Negotiationg Sociolinguistic and Cultural Perspectives on Heroism in Jane the Virgin - Alexia Schemien & Katharina von Elbwart

10. Juli
State of Exception: The Superman as Sovereign Ruler - Danny Graydon

UDE-Studentin baut hyperrealistischen Beethoven

Jana Merkens arbeitet an einer Silikonfigur des Komponisten Ludwig van Beethoven. 2020 soll sie in Bonn ausgestellt werden.
 

Zwischen Bib und Babypuder

Studieren mit Kind – drei Mütter und zwei Väter berichten, wie es ist, Familie und Studium unter einen Hut zu bekommen.
 

Kurze Sitzung, viel Wirbel

Die Themen der letzten StuPa-Sitzung waren die Vollversammlung, der Senat und eine mögliche Beitragserhöhung.
 
Konversation wird geladen