Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Vorhang auf – Geldsorgen aus

Peter Aurich (links) macht mit der Kulturloge auf dem Schulfest der Grundschule Essen Nord einen Malwettberweb für Kinder. Zu gewinnen gibt es Theaterkarten. (Foto: Gerne)

18.09.2014 14:00 - Linda Gerner



Momentan läuft Cinderella als Ballett im Essener Aalto Theater. Das ist bestimmt einen Besuch wert. Schade nur, dass schon wieder die Mitte des Monats erreicht ist. Gerade als Student*in überlegt man schon zweimal, ob man sich einen Ballettabend noch leisten kann. Denn die Ticketpreise liegen bei 42,50 bis 17,50 Euro. Als Student*in kann man auch für 12,50 Euro ermäßigt dabei sein, doch dann natürlich in den letzten Reihen. Und eigentlich wollten wir nächstes Wochenende  ja auch noch feiern... Dieses Abwägen zwischen Lust auf Kultur und Angst vor Geldknappheit kennen sicher viele – die Kulturloge Ruhr könnte die Lösung sein.

Denn die Kulturloge Ruhr spricht genau diese Problematik an und bietet Menschen mit einem monatlichen Einkommen unter 980 Euro und damit nahe der europäischen Armutsgrenze, die Möglichkeit, Kulturveranstaltungen zu genießen.  Egal ob Harz IV-Empfänger*in, Student*in oder Rentner*in: Die Kulturloge sorgt für freien Eintritt für alle, die sich Kultur sonst einfach nicht leisten könnten. „Wir schenken den angemeldeten Menschen Karten, die wir auch kostenlos bekommen“, sagt Peter Aurich, Leiter der Kulturloge Essen. „Prinzipiell läuft es bei uns nach dem Tafel-Prinzip – was wir an Karten kriegen, können wir vermitteln.“  Über 2200 aktive Kulturgäste hat der Verein nun bereits und seit der Gründung  2010 wurden schon vielen Menschen Vorstellungen im Aalto-Theater, in der Philharmonie oder der Zeche Carl ermöglicht. Die Kulturloge bekommt von vielen Theatern und Schauspielhäusern im Ruhrgebiet umsonst Karten zur Verfügung gestellt. Außerdem haben sie Kooperationspartner*innen wie beispielsweise die  AIDS-Hilfe, die Stadtbibliotheken oder das Studentenwerk.

Kultur ohne Ausgrenzung

Nach der Anmeldung bei der Kulturloge Ruhr werden die Gäste telefonisch über Veranstaltungen informiert und können sich dann bei Interesse ihre Tickets kostenlos an den Theaterkassen abholen. Dabei bleiben die Informationen über das eigene Einkommen diskret und die Gäste der Kulturloge müssen ihre finanzielle Situation  am Theaterabend nicht ausweisen. Denn genau das unterscheidet die Kulturloge von Angeboten, die einige Veranstalter*innen beispielsweise Hartz IV-Empfänger*innen machen. Die unangenehme Situation an der Theaterkasse persönliche Unterlagen zu zeigen, die besagen: Nein, ich habe nicht viel Geld. Die Kulturloge möchte mit ihrem Angebot genau diese Ausgrenzung verhindern. „Wer bei uns angemeldet ist, der muss nichts mehr nachweisen. Wir geben den Namen dann an die Veranstalter weiter und unsere Gäste können sich dann ihre reservierte Karte an der Kasse abholen“, sagt Peter Aurich. Eine Gegenleistung wird nicht erwartet – jedoch freuen sich die rund 96 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen im Ruhrgebiet immer über ein Dankeschön und über begeisterte Reaktionen der Kulturlogegäste. „Wir bekommen immer wunderbare Resonanz von unsere Gästen, das ist das was Spaß macht“, freut sich auch Peter Aurich.

Wenig BAföG = wenig Kultur?

Franziska ist 22 und studiert in Essen. Sie ist BAföG-Empfängerin und geht eher selten zu Kulturveranstaltungen: „Gerade am Ende des Monats hab ich nicht mehr genug Geld für einige Sachen, egal ob es Theater, Kino oder Schwimmbad ist. Da bleib ich dann lieber zuhause, anstatt mir Sorgen machen zu müssen, ob das Geld für den Einkauf reicht.“ Leider verzichte sie dann öfter gerade auf das Kulturangebot in Essen: „Eigentlich interessieren mich viele Theaterstücke, aber da ich am Wochenende auch gerne mal feiern gehe, hab ich nicht genug Geld für beides“, sagt die Studentin.

Angebot für Studierende

Gerade auch für Student*innen gilt soll die Kulturloge da sein. Denn das vielfältige Angebot an Theater, Musicals und Konzerten im Ruhrgebiet, richtet sich oft auch an junge Leute. Finanzielle Barrieren sollen da kein Grund für den Verzicht sein, findet auch Peter Aurich: „Unsere Hauptmotivation ist, dass wir jedem Kultur nah bringen wollen. Es gibt einfach diese Kulturpaläste und da kann nur jemand rein, der Geld hat. Wenn man die Mittel hat, sich für 60 Euro ein Ticket zu kaufen, schön. Es gibt aber Menschen, die können sich auch kein Ticket für acht Euro kaufen. Denn wenn man nur 400 Euro im Monat hat, dann sind auch acht Euro viel Geld.“ Bisher nehmen jedoch erst wenige Student*innen das Angebot der Kulturloge wahr, obwohl nur die Wenigsten mehr als 700 Euro im Monat zur Verfügung haben.

Scheinbar unversehrt und dennoch krank

Wenn die Psyche krank wird - Studierenden sprechen über Herausforderungen im Alltag und die Zeichen ihrer Erkrankungen.
 

Totgesagte leben länger: Rechtsstaat holt AfD-Professorin ein

Die Kündigung der AfD-Professorin Karin Kaiser durch die Hochschule Niederrhein (HS Niederrhein) wurde bei einer Verhandlung des Arbeitsgerichts am Mittwoch, 21. März, für unwirksam erklärt. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule prüft nun rechtliche Schritte gegen die Professorin und beklagt einen „skandalösen Sachverhalt“. Kaiser hatte überregional Schlagzeilen gemacht, weil sie behauptet der Rechtsstaat sei tot.
 

Internationales Netzwerken mit Aurora

Das Ende 2016 gegründete Netzwerk Aurora versammelte sich vom 1. bis zum 3. Mai für ihre halbjährliche Tagung zum ersten Mal in Essen.
 
Konversation wird geladen