Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Verhütung im Studium: UDE-Studentinnen erzählen

Ihr habt mit uns über Verhütung im Studium gechattet. (Symbolbild: peterm2000/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0)

18.02.2019 12:19 - Maren Wenzel

 

Nachdem wir unter anderem über den Verhütungsmittelfonds an der HS Niederrhein berichtet haben, haben wir euch über Soziale Netzwerke gefragt: Wie verhütet ihr? Geantwortet haben in der großen Mehrheit Studentinnen. Ihre Antworten zeigen, dass Verhütung und Studium manchmal nur schwer vereinbar sind. Warum, erzählen euch hier vier Studentinnen der Universität Duisburg-Essen.

Lisa ist 22 Jahre alt und studiert in Essen Lehramt. Um ihr Studium zu finanzieren, bekommt sie BAföG und Kindergeld. Am Wochenende geht sie in einem Restaurant in der Essener Innenstadt jobben. „Große Sprünge wie Urlaub sind definitiv nicht drin“, schreibt sie, weil sie unter anderem für die Semesterbeiträge sparen müsse. Seit Lisa 16 Jahre alt war und Sex hatte, hat sie sich die Pille verschreiben lassen. Dabei ist sie geblieben: „Weil ich die Pille bezahlen konnte. Ich kann mir Rezepte für drei oder sechs Monate ausstellen lassen. Also kann ich beeinflussen, wie teuer sie wird.“

„Alle sollten die gleichen Möglichkeiten bekommen, zu verhüten.“

Einfach ist das mit der Pille aber nicht seitdem sie 21 Jahre alt ist und sie selbst bezahlen muss. Die Pille belaste besonders dann, wenn sie nicht in einer festen Beziehung sei, was derzeit der Fall sei. In der Vergangenheit hätte sie ein Partner dabei unterstützt. „Verhüten ist für viele schwerer, alleine aufgrund von finanziellen Möglichkeiten – das höre ich immer wieder von Freundinnen. Ich würde gerne langsam von der Pille weg, aber dann müsste ich jahrelang sparen, wenn ich das alleine stemmen wollen würde“, sagt sie. Lisa findet ihre Situation ungerecht. Denn alle sollten die gleichen Möglichkeiten bekommen, zu verhüten. Solange das nicht so sei, müssten aber zumindest Partner die Verhütung übernehmen, findet sie.

Die 24-jährige Melek*, die in Duisburg Politikwissenschaften studiert, nimmt ebenfalls öfter die Pille. „Ich verhüte aber meistens nur dann, wenn ich in einer Beziehung bin. Bin ich Single, greife ich auf Kondome zurück“, erzählt sie. Alles andere würde sich für sie finanziell nicht lohnen. Sie wolle nicht pro Forma Hormone nehmen und gehe derzeit als Single das Risiko ein. „Ich weiß natürlich, dass ich mich auf dünnem Eis bewege und das Gefühl ist nicht unbedingt schön.“

„Toll war das nicht, den Opa für die Pille anhauen zu müssen, wenn man gerade erst aus dem Elternhaus war.“

Zu Anfang ihres Studiums war Melek nicht Single. Verhütung war trotzdem ein Problem: „Mein damaliger Partner hat nicht bezahlt und ich habe vom Unterhalt meiner Eltern in einer eigenen Wohnung gelebt. Ich hatte zum Glück Großeltern, die mich noch unterstützen konnten. Aber toll war das nicht, den Opa für die Pille anhauen zu müssen wenn man gerade erst aus dem Elternhaus war.“ Auch für die Duisburger Studentin ist eine Spirale oder Kette als Verhütungsmethode nicht greifbar: „Ich würde gerne eine Spirale oder Kette ohne Hormone haben, aber die kosten mehrere hundert Euro und werden von der Krankenkasse sowieso nicht übernommen.“ Geht es nach Melek, würden die Krankenkassen oder Sozialämter je nach Einkommen die Pille übernehmen, bis man sie sich leisten könne.

Was für Melek und Lisa nicht machbar ist – eine Kupferspirale – hat sich Sophie, Lehramtsstudentin aus Essen erarbeitet. Sie bekommt zwar Unterhalt von ihren Eltern, ist aber wegen eines Fachwechsels nicht mehr BAföG berechtigt und hat gleich zwei Nebenjobs mit insgesamt 19 Arbeitsstunden pro Woche. Neben der Doppelbelastung hat sie noch einen weiteren Preis für die Spirale gezahlt: Das zwischenzeitliche Absetzen der Pille. „Ich muss sagen, die fünf Monate nach dem Absetzen der Pille waren furchtbar. Diese ständige Unsicherheit war einfach die Hölle“, beschreibt Sophie.

„Generell möchte ich noch für eine viel stärkere Aufklärung im Bezug auf die Pille pochen.“

Verhütung & Einkommen

Laut „frauen leben 3“ verwenden insbesondere junge Frauen ab 22 eine Kombination aus hormoneller Verhütung und Kondom. Ab 25 Jahren gewinnen andere Verhütungsmittel an Bedeutung. Ähnlich habt ihr uns in den Sozialen Netzwerken geantwortet. Außerdem spielt auch das Einkommen eine Rolle, so befand die Studie: „Sexuell aktive Frauen mit einer niedrigen Bildung und/oder mit einer subjektiv als schlecht eingeschätzten finanziellen Situation verhüten häufiger nicht, obwohl sie keinen Kinderwunsch haben.“ Und: „Frauen, die staatliche Transferleistungen erhalten (ALG II, Grundsicherung), nehmen seltener die Pille und verhüten seltener mit der Spirale, dafür aber häufiger mit Kondomen.“

Sophie hätte sich finanzielle Unterstützung gewünscht, denn 130 Eurofür das Einsetzen und die Spirale seien auch bei der günstigsten Version eine Menge Geld gewesen. Selbst wenn es im Vergleich zu einem Kind eine gute Investition gewesen sei, so die Studentin. Verhütung solle so lange als Gesundheitsleistungen von der Krankenkasse übernommen werden, bis Menschen in der Lage sind, die Kosten für eine selbstbestimmte und verantwortungsvolle Verhütung selbst zu tragen, meint die werdende Lehrerin. Außerdem will sie auf viel stärkere Aufklärung im Bezug auf die Pille pochen, die oftmals schon ganz jungen Mädchen verschrieben werde, ohne dass über mögliche andere Optionen und Nebenwirkungen ordentlich aufgeklärt werde.

Die 23-jährige angehende Informatikerin* Sara aus Duisburg geht nochmal einen anderen Weg in Punkto Verhütung: Sie hat einen Monatsring. Aber auch ihr fällt es schwer, diesen im Studium zu finanzieren. Sie bekommt kein BAföG mehr und ihr Erzeuger weigere sich, ihren Unterhalt zu zahlen, berichtet sie. Sie hat deshalb einen Kredit genommen und arbeitet nebenbei als Wissenschaftliche Hilfskraft. „Verhütung war für mich ab 22 eine dauernde Herausforderung, genauso wie die Semestergebühren. Ich musste immer Geld dafür zurücklegen und mich drauf einstellen“, schreibt Sara. 

„Ich finde es anstrengend, von einem Mann finanziell abhängig sein zu müssen.“

 Seit sie einen festen Freund hat, sei es zwar besser geworden, weil er die Verhütung mit übernehme. „Auf der anderen Seite finde ich es anstrengend, von einem Mann finanziell abhängig sein zu müssen. Er sieht das natürlich anders und macht es gerne. Aber für mich stellt sich die Frage doch auch noch, falls wir nicht mehr zusammen sein sollten“, sagt Sara. Sara fordert Geld von den Krankenkassen. Verhütung sei schließlich gesundheitliche Prävention, das müsse übernommen werden.

 

*Name und Studienort nach Wunsch zur Anonymisierung geändert, der Autorin bekannt.

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