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STUDIUM & FREIZEIT

Unisex: Was Männer über Menstruation wissen sollten

Wir lüften das Geheimnis um die Periode.

[Foto: Jacqueline Brinkwirth]

07.07.2020 11:51 - Jacqueline Brinkwirth

Zwei Worte mit M, die selten in einem Atemzug genannt werden: Männer und Menstruation. Wieso auch? Menschen ohne Uterus haben mit der Periode schließlich nichts zu tun, oder? Falsch gedacht. Denn um als aufgeklärter und solidarischer Mensch durch die Welt zu gehen, sollte jeder Mann die wichtigsten Fakten über den weiblichen Zyklus kennen.

1. Menstruieren ist weder eklig noch ein Tabu-Thema

Frauen* können nicht entscheiden, ob sie menstruieren wollen – es ist biologisch vorbestimmt. Menschen mit Uterus bekommen zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr zum ersten Mal und mit der Menopause zwischen dem 45. Und 60. Lebensjahr zum letzten Mal ihre Tage. Das bedeutet, dass sie rund 40 Jahre lang einmal pro Monat für etwa eine Woche bluten. Viel Zeit also, die Frauen* vor allem damit verbringen, sich über den eigenen Zyklus Gedanken zu machen. Und Grund genug für Männer, ein bisschen mehr Verständnis aufzubringen, wenn Frauen* in dieser Zeit keine Rücksicht auf männliche Befindlichkeiten nehmen wollen. Nur weil das patriarchalische System irgendwann mal entschieden hat, dass man(n) weibliche „Probleme“ nicht öffentlich thematisieren muss, heißt das nicht, dass die Menstruation heutzutage noch ein Tabu-Thema ist. Im Gegenteil: Darüber zu reden ist wichtig und sorgt für ein verständnisvolleres und harmonischeres Zusammenleben. 

2. Deutlich mehr als „nur“ bluten

Wie viel Blut ein Mensch während der Periode verliert, ist individuell unterschiedlich. Im Durchschnitt werden jeden Monat zwischen 20 und 60 Millilitern ausgeschieden. Das entspricht etwa drei Tequila Shots. Doch die Blutung ist nur ein kleiner Teil des Monatszyklus. Er beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation und endet mit dem letzten Tag vor der nächsten Blutung. Mit der Periode wird aufgebaute Schleimhaut in der Gebärmutter abgestoßen, indem sich die Muskulatur des Organs immer wieder zusammenzieht. Viele Frauen* leiden in dieser Phase deswegen unter Schmerzen im Unterleib. Die Muskelkontraktionen sind teils so stark, dass auch die umliegenden Organe in Bewegung geraten. Eine Begleiterscheinung davon können Blähungen, Durchfall oder Rückenschmerzen sein. Nach der Monatsblutung ist die Innenwand der Gebärmutter im Prinzip eine offene Wunde, die sich in der folgenden Zyklusphase regeneriert. Hierbei reift eine neue Eizelle heran und es kommt zum Eisprung. Gleichzeitig beginnt der Wiederaufbau der Gebärmutterschleimhaut. In der letzten Zyklusphase verdickt sich die Schleimhaut weiter und wird stärker durchblutet, um die Einnistung einer befruchteten Eizelle zu ermöglichen. Der natürliche Ablauf eines Zyklus wird durch eine veränderte Ausschüttung von Hormonen bedingt und kann somit zwar durch bestimmte hormonelle Verhütungsmittel beeinflusst werden. Komplett ausschalten kann man den Zyklus allerdings nicht. 

3. PMS, Schmerzen und andere Beschwerden betreffen jede 2. Frau*

Das prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, wird im Alltag häufig in herablassender Weise als Erklärung für weibliche Gefühls- und Stimmungsschwankungen vorgeschoben. Dabei ist PMS nichts anderes als eine medizinische Diagnose: Alle komplexen körperlichen und emotionalen Beschwerden, die in Zusammenhang mit dem Monatszyklus auftreten und 14 bis sieben Tage vor der Regelblutung einsetzen, werden unter PMS zusammengefasst. Rund jede zweite Frau* ist davon betroffen und durchlebt zum Teil starke Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen oder starke Erschöpfung – alles noch vor der eigentlichen Blutung. Während der Periode leiden zwischen 30 und 50 Prozent aller Frauen* unter mittleren bis starken Regelschmerzen. Häufig treten zusätzlich andere Beschwerden auf, gegen die oft nur Medikamente helfen. 

4. Periodenprodukte sind verdammt teuer

Dabei ist PMS nichts anderes als eine medizinische Diagnose.

Zwischen 10.000 und 17.000 Tampons verbraucht ein Mensch mit Periode in einem Leben. Das entspricht Kosten von bis zu 5000 Euro – zusätzliche Ausgaben für Schmerzmittel, Ersatzunterwäsche oder Verhütung nicht eingerechnet. Bis Ende 2019 wurden Periodenprodukte zudem mit 19 Prozent versteuert, ebenso wie Champagner, Kaviar oder andere Güter, die nicht unter den täglichen Bedarf fallen. Wieso? Nunja, Frauen* bluten eben nicht jeden Tag, weswegen Binden, Tampons und Menstruationstassen nicht als Alltagsgüter betrachtet wurden. Übrigens: Die meisten Periodenprodukte werden in die Vagina eingeführt und saugen oder fangen dort das ausgeschiedene Blut auf. Das kann jedoch in Ausnahmefällen das toxische Schocksyndrom auslösen und damit potentiell lebensgefährlich werden. Wenn Männer also gebeten werden, Periodenprodukte zu besorgen, sollten sie es einfach tun. Lebensgefährlich ist der Gang in die Drogerie nämlich nicht. 

5. Bluten ist keine Schwäche

Es ist für manche Menschen vielleicht schwierig zu begreifen, aber einen blutenden Uterus zu haben ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Frauen* sind stark, weil sie all die Dinge, die Männer tun, auch tun können – sogar blutend. Das ist Grund genug, sich den nächsten blöden Witz auf Kosten von Menschen mit Uterus noch einmal zu überlegen. Herzlichst, alle menstruierenden Menschen. 

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