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STUDIUM & FREIZEIT

Uni-Kita: Ein Frühling ohne Gesang der Brückenspatzen

Die Kita „Brückenspatzen” setzt alles daran, zum Regelbetrieb zurückzukehren.

[Foto: Saskia Ziemacki]

07.03.2021 18:34 - Saskia Ziemacki

In Kitas herrscht weiterhin eingeschränkter Pandemiebetrieb. Solange es hohe Corona-Infektionszahlen gibt, sei, so NRW-Familienminister Stamp, die Rückkehr zum Regelbetrieb nicht möglich. Die Leiterin der Kindertagesstätte „Brückenspatzen“ am Essener Campus, Erika Schramm, gibt Einblicke in die derzeitige Lage.

Die Kita „Brückenspatzen“ ist baulich integriert in das Studierendenwohnheim „die BRÜCKE“ auf dem Essener Campus der Universität Duisburg-Essen. Normalerweise werden hier 50 Kinder von Studierenden im Alter von vier Monaten bis zum Schuleintritt betreut.

Studium mit Kind vs. Corona

Das Studieren mit Kind wird gerade in der Pandemie zur Herausforderung.
 

„Seit der Pandemie kommen zwischen 21 und 26 Kinder, also ungefähr die Hälfte“, so Kita-Leiterin Schramm. Familienminister Stamp hat es klar für die Kitas formuliert: Eltern sollen eigenverantwortlich entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Kita bringen müssen.

Und das werde bisher gut umgesetzt, berichtet Schramm. Not habe man eben nicht nur als Krankenschwester oder in einem systemrelevanten Beruf. Not könne auch etwas anderes bedeuten. „Wir wollen natürlich auch unsere Eltern entlasten, die vor Prüfungen, Klausuren und Abschlüssen stehen“, sagt Schramm. Beim ersten Lockdown seien viele Familien in Bedrängnis geraten. Was auch mit dem Kinderschutz zu tun habe. Öffentliche Einrichtungen sind ein wichtiges Instrument, um Verhaltensänderungen eines Kindes, bedingt durch Vernachlässigung oder Gewalt wahrzunehmen. Deswegen stehe die Kita in der besonderen Verantwortung, dass die Kinder kommen können.

Mit gutem Hygienekonzept kann die Kita geöffnet bleiben

„Die Kita hat generell ein gutes Hygienekonzept“, versichert Schramm. „Es wird alles desinfiziert.“ Auch habe man Eingang und Ausgang getrennt, damit die Eltern sich möglichst nicht begegnen: von der Straße aus rein und durch „die BRÜCKE“ wieder raus. Alle müssen FFP2- oder OP-Masken tragen. „Darüber hat sich niemand beschwert. Wir haben sehr verständnisvolle Eltern“, sagt Schramm zufrieden.

Die Öffnungszeiten wurden um 10 Stunden pro Woche gekürzt. Statt 45 Stunden seien es jetzt 35. „Das können wir uns gar nicht anders leisten, weil die Gruppen getrennt sein müssen. Sonst haben wir in den Randzeiten immer die Kinder gemischt.“ Für berufstätige Eltern sei dies teilweise schwierig, wenn sie 45 Stunden arbeiten, aber ihr Kind nur 35 Stunden in die Kita kommen darf. Auch im Außengelände müssen die Kinder getrennt spielen. Das habe im Sommer gut geklappt, da der Garten in drei Bereiche geteilt war. „Im Winter, als der Schnee lag, war es nicht ganz so einfach, weil jeder mit dem Schlitten rodeln wollte“, lacht Schramm.

Die Kinder gehen laut Schramm sehr gut mit der Corona-Zeit um. „Wir haben ein Experiment gemacht, indem wir Wasser in einen Ballon gefüllt und es draußen gefrieren lassen haben. Die bizarren Eiskristalle, die sich gebildet haben, hat ein Kind als Corona bezeichnet. Daran sieht man, wie präsent es für Kinder ist – aber nicht mit einer Traurigkeit, sondern als eine Gegebenheit.“ In der Gruppe selbst herrschen keine Abstandsregeln. „Das wäre unter den Kindern nicht möglich. Sie müssen miteinander spielen.“ Auch die Erzieher:innen haben Körperkontakt zu den Kindern.

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Das Hygienekonzept wird von allen gut angenommen.
[Foto: Saskia Ziemacki]

 

Eine Sache ist jedoch strikt verboten: „Singen“, sagt Schramm schmerzlich. „Wenn man an Bildung und Sprache denkt, ist das ein großer Mangel.“ Dafür habe es bisher noch keinen Corona-Fall in der Kita gegeben. Kein Kind musste bisher getestet werden. Was dann passiert, will sich Schramm nicht ausmalen: „Wenn ein Fall auftreten würde, können wir gar nicht bestimmen, was zu tun ist. Wir müssten auf Anweisungen vom Gesundheitsamt warten.“

Impfungen, Tests und Zuschüsse entlasten den Betrieb

Die Kommunikation mit dem Ministerium laufe positiv, so Schramm, denn Familienminister Stamp schicke zu gegebenen Zeiten neue Schreiben. Diese vermitteln die Erzieher:innen an die Eltern, sodass auch sie immer aktuell informiert sind. Ein Zukunftswunsch von Schramm ist es, schneller Impfungen zu bekommen. Denn durch die Nähe zu den Kindern sei man ständig Risikofaktoren ausgesetzt. Nach einem Beschluss von Joachim Stamp werden Kita-Erzieher:innen in NRW nun ab dem 08. März geimpft und somit in der Impfreihenfolge von der dritten in die zweite Gruppe hochgestuft. Auch die Mitarbeiter:innen der „Brückenspatzen“ haben erste Impftermine für Mitte bis Ende März. Außerdem können sich die Erzieher:innen bis Ostern sechs Mal kostenlos auf COVID-19 testen lassen. 

„Kita-Gebühren mussten im Januar nicht gezahlt werden“, erklärt Schramm. Das sind die Gebühren, die die Stadt Essen pro Kita-Platz bekommt. Diese Beiträge sind  ans Einkommen der Eltern gebunden. Das entlastet geringer Verdienende. Das Essensgeld gehe ans Studierendenwerk. „Die Mensa kocht zurzeit nur für Kitas“, betont Schramm. „Hier kriegen die Kinder noch Verpflegung.“ Seit der Pandemie eine Seltenheit in vielen Kitas. Die Arbeitsplätze der Erzieher:innen konnten trotz der Kürzung der Stunden alle gehalten werden. Denn die Träger der Kitas werden vom Land bezuschusst. „Damit sind die Arbeitsplätze auch nicht von Kurzarbeit betroffen, weil die Gelder weiter fließen.“ Die fehlenden Kita-Gebühren von Januar habe die Stadt Essen übernommen.

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