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STUDIUM & FREIZEIT

Und dann ist mir wieder eingefallen, warum ich Freibäder scheiße finde

Foto:Flickr/Puste Blümchen/ CC BY-ND 2.0/ https://www.flickr.com/photos/129301077@N06/29709870263/

06.08.2018 11:28 - Die Redaktion

 

 

Eine Kolumne

Die Hitze brachte mich dazu, etwas zu tun, was ich vor vielen Jahren aus meinem Freizeitradar gestrichen habe. Verschwitzt stand ich dort, eingereiht in eine Schlange aus genauso erhitzten Menschen. Ich versprach mir Abkühlung, eine Erfrischung meines dösigen Sommerhirns. Eine Pause vom stetig tropfenden Schweiß.

Schon bevor wir im Freibad ankamen, zweifelten meine Freundin und ich, die gemeinsam mit mir nach der Arbeit etwas Erholung suchte, an unserem Entschluss. Fast nur junge Männer und vor allem Gruppen von Männern in der Schlange. Der Horizont verdunkelte sich außerdem buchstäblich, Gewitter lag in der Luft.

Unsere Befürchtung, blöd angemacht zu werden, bestätigte sich in dem Moment als wir ins kühle Nass eintauchten. Wir wurden mehrfach von Gruppen und Einzelpersonen mit Wasser bespritzt. Dass wir sichtlich genervt und gelangweilt von dieser tapsigen und von uns nicht gewünschten Kontaktaufnahme waren, gefiel den Plantschern umso besser. Meine Freundin meinte dazu nur trocken „Ich dachte, wir sind schon zu alt, um Ziel für sowas zu sein“. Glücklicherweise blieb es zunächst dabei. Geprägt von ersten familiären Freibadbesuchen mit meinen sechs Jahre älteren Cousins, die mich zu ihrer Belustigung gern unter Wasser drückten, verhalte ich mich im Wasser wie ein kleiner Vogel – den Himmel immer nach größeren Raubvögeln Ausschau haltend und auf der Hut. Dieses Mal wurde ich nicht gedöppt, die Angst war aber stets da.

Der Donner grollte, eine Lautsprecherdurchsage rief alle zum Verlassen der Schwimmbecken auf. Als ich auf der Treppe raus aus dem Wasser war, rieb ein Teenager sein Gesicht an meinem Hintern. Ich hatte leider keine Zeit, ihn zur Rede zu stellen, war ich an der Leiter hängend und vor dem Gewitter fliehend doch in einer ziemlich ungünstigen Lage.

Je länger ich mich im Freibad aufhielt, desto unwohler fühlte ich mich. Auch außerhalb des Beckens wurden wir abgecheckt, teilweise fast angestarrt. Zu den neuen Erfahrungen gesellten sich bislang verschollene Erinnerungen an sehr ähnliche Erlebnisse aus meiner Jugend. Jungs, die versuchen einem das Bikini-Oberteil unter Wasser heimlich zu öffnen. Generell ungewünschter Körperkontakt ob im Wasser, am Freibadkiosk oder auf der Liegewiese.

Ich wusste damals wie heute nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ignorieren? Reagieren mit ironischen Kommentaren? Lachen? Selbst auch handgreiflich werden? Ich war genervt. Wütend, weil man als betroffene Person immer reagieren muss. Und gleichzeitig auf eine kindliche Art und Weise erstaunt und irritiert: Warum verhalten sich diese Menschen so? Warum scheint es außer mir und meiner Freundin niemanden zu interessieren? Anscheinend gehört all das zur Freibadkultur. Zumindest sahen die Aufseher*innen nie einen Grund zum Einschreiten. Ich fing an, vor mich hin zu psychologisieren – darüber, wie solche Gruppendynamik entstehen, was die einzelnen Menschen von ihrem vermeintlichen Balzverhalten haben. Jetzt will ich wissen: Bin ich wirklich allein mit diesen Gedanken? Die Konsequenz, die ich für viele Jahre aus solchen Erfahrungen gezogen habe, war: nicht mehr hingehen. Aus Selbstschutz. Rummackernden Teenagern und und Männern, die Grenzen nicht respektieren, die Liegewiese zu überlassen kann aber auch nicht die Lösung des Problems sein.

 

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