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UDE: Gregor Gysi beginnt Gastprofessur

Gregor Gysi betrachtet die Urkunde seiner Gastprofessur.

[Foto: Erik Körner]

02.12.2019 11:17 - Erik Körner

Nach einer Ausbildung zum Facharbeiter für Rinderzucht und einer langjährigen Karriere als Jurist und Politiker kann sich Gregor Gysi nun auch eine Gastprofessur an der UDE in den Lebenslauf schreiben. Am Dienstag, dem 26. November, hielt der Präsident der europäischen Linken seine Antrittsvorlesung im LX-Gebäude in Duisburg.

Das Thema der Vorlesung lautete „Neue Gräben, alte Feinde. Die Welt 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges“. In einer Stunde behandelte Gysi zahlreiche Themenkomplexe wie den Mangel an Konkurrenz in der deutschen Politik, soziale Ungerechtigkeit, das Ende des Sozialismus oder Menschenrechtsverletzungen.

Doch in erster Linie schienen die Anwesenden aktuelle Themen wie die Erläuterung des Wahlerfolgs der AfD oder die globale Fluchsituation zu interessieren. Mit Aussagen wie „Wer Leute in der Nähe der Nazis wählt, trägt dafür auch die Verantwortung. Punkt. Egal, wie die Motivation aussieht” oder „Im Libanon kommen 164 Flüchtige auf 1000 Einwohner*innen. In Deutschland zwölf. Das wird doch wohl zu schaffen sein“ erntete der Jurist und Politiker lautstarken Beifall.

Gekonnte Rhetorik

Eines von Gysis bekanntesten rhetorischen Merkmalen ist seine leicht verständliche Sprache. Dementsprechend hat er es sich nicht nehmen lassen, die klobigen Formulierungen seiner Kolleg*innen zu kritisieren. „Die Sprache der Politik ist unmöglich. Es sind doch Volksvertreterinnen und Volksvertreter. Sie müssen so sprechen, dass sie von der Mehrheit der Bevölkerung verstanden werden”, konstatierte er.

„Die Sprache der Politik ist unmöglich.“

Daran hielt er sich während seiner Vorlesung auch selbst. Mittels konkreter Beispiele dekonstruierte er abstrakte politische Konzepte. Durch Fragen wie „Wissen Sie, was er gesagt hat?“ oder „Wissen Sie, was das bedeutet? Ich erkläre es Ihnen.“ band er das Publikum ein. Passend dazu hatte Gysi eine großzügige Menge Anekdoten im Gepäck, die die menschliche Seite des politischen Alltags zeigten. Darüber hinaus hagelte es – wie gewohnt – teils scharfzüngige, teils humoristische Kommentare und Verbesserungsvorschläge für die nationale und internationale Politik.

Fragen über Fragen

Seinen Vortrag beendete Gysi mit einer Botschaft an die Studierenden: „Ich rechne auf Sie. Und das müssen sie noch lernen und einhalten.“ Was genau er damit meinte, war unklar. Im Verlauf des Vortrags lobte er die Rebellion der Jugend, beispielsweise in Form von Fridays for Future. Ergo liegt die Vermutung nahe, dass er die jüngeren Anwesenden wissen lassen wollte: Ein Teil der älteren Generation glaubt an euch. Enttäuscht sie nicht.

Anschließend folgte eine offene Fragerunde. Dort wurden unter anderem Fragen nach einer Altersobergrenze für Staatsoberhäupter gestellt sowie die Sprache der Politik erneut aufgegriffen. Der Schluss des Nachmittags sollte Fragen von Twitter gewidmet sein. Die Veranstaltung wurde auch via Livestream angeboten. So konnten auch Personen, die nicht vor Ort waren, am Vortrag teilhaben. Statt weiterer Fragen wurde über die außenpolitische Ausrichtung gegenüber China, den USA und Russland diskutiert. Trotz Zeitdruck – Gysi musste noch am selben Tag zurück nach Berlin reisen – nahm er sich fünf Minuten, um seine Meinung so detailliert es ihm möglich war zu äußern.

Gysi ist die zwölfte Person, die von der NRW School of Governance, eine Einrichtung des Instituts Politikwissenschaft an der UDE, und der Stiftung Mercator mit einer Gastprofessur an der UDE ausgezeichnet wurde. Vorherige Gastprofessor*innen waren unter anderem die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth oder der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff. Im laufenden Semester wird Gysi ein Seminar im Masterstudiengang Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung halten.

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