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STUDIUM & FREIZEIT

Studium mit Kind vs. Corona

Zwischen Lernen, Wohnen und Kinderbetreuung verschwimmen die Grenzen.

[Foto:pixabay]

14.02.2021 12:12 - Helena Wagner

Um das Studium mit Kind zu bewältigen, ist viel Organisation und Stressresistenz gefragt. Wie das Leben von Studierenden mit Kind während der Corona-Pandemie aussieht und mit welche Schwierigkeiten sie im Moment fertig werden müssen, hat uns Safiye erzählt.

Den Laptop aufgeklappt, der Professor hält im Zoom-Call seine Vorlesung. Doch statt vor dem Laptop zu sitzen und aufmerksam mitzuschreiben, versucht Safiye den Professor über ihre Kopfhörer zu verfolgen, weil sie grade ihrer spielenden Tochter durch die Wohnung hinterherlaufen muss.

Für Safiye ist das Uni-Alltag. Ihre Tochter ist 13 Monate alt und hat gerade das Laufen gelernt. Nach der Geburt ihrer Tochter im Dezember 2019 wollte Safiye im Sommersemester 2020 wieder mit der Uni starten und den Präsenzunterricht wahrnehmen, aber durch die Corona-Pandemie trat sie das Semester von zuhause aus an. In den ersten Monaten war das für sie eher eine Erleichterung, da sie die Zeit mit ihrer Tochter zuhause genießen konnte. Doch jetzt, wo ihre Tochter immer aktiver wird und mehr Aufmerksamkeit braucht, wird der Balanceakt zwischen Uni und Kinderbetreuung zuhause immer schwieriger.

Sie verbringt den Tag mit ihrer Tochter, ihr Mann kommt tagsüber beim Nachbarn unter, um dort für sein Studium zu lernen. Abends passt er auf die Tochter auf, während Safiye erst nachts dazu kommt, in ihre Uniunterlagen zu schauen und sich auf ihre Klausuren vorzubereiten. Der Tag ist lang, die Konzentration schwindet durch den fehlenden Schlaf. Ihr fehlen die Bibliotheken zum ungestörten Lernen. Ihr Studium leidet unter der Situation. Eine gute Planung ist die wichtigste Voraussetzung für einen funktionierenden Alltag, gerade in dieser Zeit.

Trotzdem kann mit einem Kind immer wieder eine unerwartete Situation auftreten: „Kurz vor meiner Klausur letztes Sommersemester musste meine Tochter ins Krankenhaus – dann sitzt man im Wartezimmer und kann an nichts anderes mehr denken als sein Kind.“ Solche Stresssituationen gibt es in ihrem Alltag immer wieder.

Die größten Probleme verursachen die Live-Schaltungen und die damit verbundene fehlende räumliche Trennung: „Es fließt irgendwie alles ineinander, alles passiert gleichzeitig. Ich bin gleichzeitig Mutter und Studentin, Hausfrau und Ehefrau.“ Das belastet die Psyche, es sind viele Emotionen und Frust im Spiel. „Manchmal wird eben alles zu viel. Dann möchte ich für einen kurzen Moment von der Bildfläche verschwinden und mich kurz sammeln. In solchen Momenten ist es auch egal, dass eben das ein oder andere liegen bleibt.“

„Wir funktionieren auf Sparmodus“

Zur Entlastung hat das Ehepaar für den Januar einen Platz bei einer Tagesmutter beantragt. Doch durch den andauernden Lockdown fällt diese Kinderbetreuung weg, obwohl sie gerade jetzt so dringend benötigt wird. „Wir hoffen, dass wir unsere Tochter Mitte Februar zur Tagesmutter bringen können, um uns wenigstens noch ein bisschen auf die Klausuren vorbereiten zu können. In so einer Situation hilft der Gedanke an die Freiversuche und die verlängerte Regelstudienzeit doch sehr.“

Doch nicht nur die Kinderbetreuung macht dem Paar zu schaffen. Beide haben durch die Corona-Pandemie ihren Job verloren. Safiye hat vor der Schwangerschaft im Einzelhandel gearbeitet, ihr Mann war Gefahrgutlieferant für die Gastronomie. Kurz nach der Geburt kamen sie mit dem Elterngeld und einem Stipendium des Chancengleichheitsfonds noch über die Runden, doch seitdem das Stipendium ausgelaufen ist, haben sie finanzielle Sorgen. Safiye bekommt keine Überbrückungshilfe, da sie trotz Corona-bedingter Arbeitslosigkeit nicht alle Voraussetzungen für die Hilfen erfüllt. Ihr Mann hat seit kurzem einen Aushilfsjob in seinem alten Beruf als Gefahrgutlieferant, aber die finanziellen Sorgen verschwinden dadurch nicht komplett und die Arbeitszeit ihres Mannes fehlt Safiye in der Kinderbetreuung. „Man muss ständig Angst vor der Ungewissheit haben, es ist einfach anstrengend, alles zieht sehr viel Energie. Wir funktionieren auf Sparmodus.“

Freude an den kleinen Dingen

Safiye findet, die Uni macht schon einiges richtig, um den Studierenden das Lernen von zuhause aus leichter zu gestalten. „Viele Dozenten haben Verständnis, wenn die Kleine weint und ich kurz abschalten muss, da sie selbst oft in der gleichen Situation sind“, merkt sie an. Natürlich gebe es auch Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen ist sie mit der Arbeit der Uni zufrieden. Von der Politik wünscht sich Safiye jedoch einen einfacheren Zugang zu gut durchdachten Hilfen, denn dieser stellt in der Praxis eine Hürde dar.

Im Moment ist Safiye 14 Tage in Corona-Quarantäne, da sie einen Risikokontakt in einer Arztpraxis hatte. Sie darf das Haus auch zum Spazieren nicht verlassen. „Meine Tochter möchte auf den Spielplatz. Kinder interessiert es nicht, wie kalt es draußen ist, geschweige denn, ob man in Quarantäne ist und nicht raus darf. “ Zu all dem Stress kommt also noch die Angst, selbst an Corona zu erkranken. „Das ist meine größte Angst. Wenn ich wegfalle, wüsste ich nicht, was ich machen soll.“ Kraft schöpft sie aus ihrer kleinen Familie: „Ich sehe, dass es meiner Tochter und auch meinem Mann gut geht, wir sind gesund. Das macht mich glücklich.“

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