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STUDIUM & FREIZEIT

Sonntags habe ich einen Skelettarm

Foto: sos

20.08.2018 13:02 - Sophie Schädel

Jeden Sonntag spiele ich mit ein paar Freund*innen Das Schwarze Auge (DSA). Es ist ein Rollenspiel, bei dem wir als Abenteurer*innen durch eine phantastische Welt reisen, Schlachten schlagen und Rätsel lösen – und dabei eigentlich nur gemeinsam um einen Tisch sitzen, viele Bögen Papier vor uns haben und würfeln.

Wir reisen zu sechst durch den Kontinent Aventurien, in dem Das Schwarze Auge stattfindet. Unsere Spielleiter*innen Lea* und Emil* entwerfen die Details für uns, liefern uns Hinweise für die Rätsel und lassen Gefahren lauern. Unser Auftrag: Der Wolfsritter hat der Elfengöttin Orima das Schwert Selflanatil gestohlen. Wir sollen es Orima zurückgeben. Nach Monaten des Spielens hoffen wir nun, das Schwert endlich zu finden.

Gestatten, Isliva Norhilddottir.

Ich spiele die Kundschafterin Isliva Norhilddottir. All ihre Daten stehen auf meinem Charakterbogen, der mehrere Seiten lang ist. Isliva ist groß, hat blonde Haare und grüne Augen. Vom rechten Arm sind nur noch die Knochen übrig, seit sie einen Deal mit einem bösen Dämon eingehen musste. Weil Menschen nichts mit Dämonen zu tun haben sollten, versteckt sie den Skelettarm unter ihrem Ärmel und einem Handschuh. Zum Glück sieht der Arm nur gruselig aus, ist aber voll funktionsfähig. Und das ist auch gut so, denn aktuell befinden wir uns ein einer angespannten Lage.

Wir sind auf einem Waldpfad zu der Ruine, wo der Wolfsritter gestorben ist und sich heute noch seine Nachfahren als Werwölfe herumtreiben. Wir vermuten, dass wir hier auch das Schwert finden. Die gesamte Handlung passiert In Time, kurz IT. (OT - Out of Time), – sitzen wir bei Kerzenschein und Pizza um den Wohnzimmertisch von Lea und Emil und malen uns aus, was gleich passieren könnte. Meistens ist das sehr gemütlich, es kann aber auch mal sehr hektisch oder gruselig werden. Denn wir alle wissen: Wenn wir Pech haben oder Fehler machen, können wir verletzt werden oder sterben. Erst kürzlich haben wir eine Gefährtin auf der Flucht vor einem Drachen verloren, und bei der Begräbniszeremonie hatte ich nicht nur im Spiel Tränen in den Augen.

Meine Freundin, die Zwergin

Was ist Aventurien?

Durch das Spielsystem von DSA ist vieles vorgegeben. Aventurien hat eine jahrhundertelange Geschichte, eine eigene Religion, beherbergt Wesen wie Elfen und Trolle und hat eine detailliert entworfene Flora und Fauna. Ihr seid neugierig? Erkundet die Welt unter wiki-aventurica.de.

Wir bleiben also wachsam und gehen in Kampfformation. Isliva reiht sich als Speerkämpferin direkt hinter den Schildträger*innen ein. Nornimaxa, unsere Zwergin, geht als Bogenschützin ganz hinten. „Wenn ich im Kampf rufe, müsst ihr euch ducken“, sagt Daria*, Nornimaxas Spielerin. „Sonst kann ich nichts sehen.“ „Im nächsten Dorf kaufe ich dir einen Klappschemel zum Draufsteigen“, sage ich und grinse. Wäre Nornimaxa so jähzornig wie Isliva, hätte daraus eine Schlägerei entstehen können, aber die Zwergin und Isliva sind befreundet, darum kann ich mir die Stichelei erlauben.

Nach drei Stunden kommen unsere Charaktere IT an einer Burgruine an, und OT entrollt Lea eine Karte mit den Grundrissen. Ich stehe auf, weil ich es vor Spannung nicht mehr aushalte, zu sitzen. Denn die Karte kommt nur zum Einsatz, wenn es einen Kampf geben könnte und alle genau wissen müssen, wo sich wer auf dem Feld befindet. Alle wählen je einen Würfel, der unsere Charaktere auf dem Feld darstellt, und postieren uns am Eingang zur Ruine.

Aufmerksam gehen wir in den Burghof. Auf der Karte rückt Sara*, die die Südländerin Irulla spielt, die Würfel weiter. Da beginnt Lea, Würfel auf die Karte zu legen. Sie stellen Wölfe und Werwölfe dar, die hinter Ecken und aus Schatten auftauchen und uns argwöhnisch beobachten. Immer mehr Würfel und Wölfe werden es. Ich rufe ihnen zu, dass wir gerne mit ihnen sprechen würden, bekommen aber keine Antwort. Wir senken unsere Waffen um zu zeigen, dass wir nicht vorhaben anzugreifen, da senken die Wesen die Köpfe und legen sich auf den Boden.

Die Wölfe kommen näher...

Weil uns nichts besseres einfällt, erkunden wir die Ruine. Lea bringt immer mehr Würfel ins Spiel, bis sich unsere Charaktere 22 Wölfen und Werwölfen gegenübersehen. Uns ist klar: Wenn wir jetzt einen Fehler machen und die Situation eskaliert, könnten wir alle sterben.  Wir kommen an eine verfallene Schmiede und finden darin, wonach wir so lange gesucht haben: Das Schwert Selflanatil in den Händen einer gefrorenen Leiche, die nur der Wolfsritter sein kann.

Am Tisch reden alle durcheinander: Wie bekommen wir das Schwert durch das Wolfsrudel nach draußen? Magie? Nein, denn dazu ist unser Magier nicht mächtig genug. Angriff? Die Gefahr zu verlieren, ist zu hoch. Lea bringt Tempo ins Spiel und schiebt das Rudel in Richtung unserer sechs Würfel. Richtig verloren sehen sie aus. „Das Rudel kommt immer näher“, ruft uns Irulla von draußen zu, und Saras Stimme klingt dabei ängstlich. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr uns ein paar Würfel mitreißen können.

Als wir mit dem Schwert aus der Hütte kommen, bildet das Rudel ein Spalier. Wir sind uns nicht sicher, ob sie uns tatsächlich gehen lassen oder uns nur von allen Seiten gleichzeitig anfallen wollen. Aber mangels anderer Ideen gehen wir wachsam hindurch. Das Rudel folgt uns, greift aber nicht an. Schließlich sind wir am Ausgang der Ruine, und das Rudel bleibt stehen.

Emil und Lea stehen auf und applaudieren uns, und wir atmen erleichtert auf. Offenbar haben wir mit viel Glück und Verstand die einzige Möglichkeit gewählt, das Schwert ohne Blutvergießen an uns zu nehmen. Was genau passiert wäre, hätten wir uns in den vergangenen fünf Stunden an irgendeiner Stelle anders entschieden, bleibt das Geheimnis der Spielleitung. Jetzt müssen wir nur noch die Elfengöttin Orima finden und ihr das Schwert geben – mal sehen, wohin uns das verschlägt und wie viel Pizza wir noch essen müssen, bis auch diese Aufgabe erfüllt ist.

* Namen geändert

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