Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Schlechter Online-Matheunterricht

Die neue typische Lernumgebung vor der Schulöffnung [Foto: sos]
21.09.2020 11:37 - Sophie Schädel

Online Mathematik zu unterrichten, funktioniert, aber Deutschland hinkt dabei digital hinterher. 1.706 Mathematiklehrkräfte haben in einer Umfrage der Universitäten Duisburg-Essen (UDE), Antwerpen und Utrecht Bilanz gezogen. Wie sieht Mathematikunterricht während der Corona-Pandemie aus? Wie gut kannten sich die Lehrkräfte vorher schon mit digitalen Hilfsmitteln aus? Und wie genau gestalten sie den Online-Unterricht? Gerade während Corona und auch allgemein in der fortschreitenden Digitalisierung wichtige Erkenntnisse.

Erinnert ihr euch noch an die Lehrer:innen, die schon fürs Einschalten des Overhead-Projektors Schüler:innen um Hilfe bitten mussten? Spätestens als die Pandemie den kompletten Schulunterricht in die Kinderzimmer verbannt hat, dürfte vielen Lehrkräften die Anforderungen an ihr digitales Know-how über den Kopf gewachsen sein. Auch im Mathematikunterricht ist digital noch viel Luft nach oben.

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In Deutschland griffen viele Lehrer:innen für den Matheunterricht auf alte Kommunikationsformen wie E-Mails und Foren zurück. Hier hatten nur 47 Prozent der Lehrkräfte mindestens einmal pro Woche elektronisch direkten Kontakt zu ihren Schüler:innen, in Flandern und den Niederlanden mit 86 Prozent ungefähr doppelt so viele. 31 Prozent der deutschen Lehrkräfte haben sogar noch nie Videokonferenzen, Live-Chats oder andere synchrone Verfahren genutzt, in den beiden befragten Nachbarländern nur sieben Prozent.

Auch inhaltlich schwächelt Deutschland

Nicht nur digital, sondern auch inhaltlich hinkt Deutschland im Lernfortschritt hinterher: Hier wiederholten die Lehrer:innen oft nur Stoff, den die Schüler:innen schon kannten. „In den beiden anderen Ländern wurde dagegen mit einem Mix an Formaten kommuniziert, und es wurden auch neue Inhalte vermittelt“, sagt Dr. Marcel Klinger, der sich an der UDE-Fakultät für Mathematik mit Didaktik beschäftigt. An seiner Umfrage nahmen Lehrkräfte der Sekundarstufen und deren Schüler:innen teil.

Eine weitere Schwäche, die Deutschland im internationalen Vergleich aufweist: In Flandern und den Niederlanden wird im Unterricht auf Inhalte Wert gelegt, die das mathematische Verständnis der Schüler:innen und komplexe Fähigkeiten fördern. Deutscher Online-Unterricht besteht hingegen hauptsächlich aus dem Durchrechnen von Übungsaufgaben.

Doch auch positive Entwicklungen konnten in der Umfrage festgestellt werden. Klings Kollegin Professor Bärbel Barzel beobachtet: „Viele Lehrerinnen und Lehrer sind unglaublich kreativ geworden“, berichtet die Mathematik-Didaktikerin. „Um diesen Prozess auch für die Zeit nach Corona zu unterstützen, wollen wir herausfinden, wie Lehrkräfte und Schulen künftig nicht nur finanziell, sondern vor allem inhaltlich gezielter unterstützt werden können.“

Passend zum Bild, das die Umfrage unter UDE-Beteiligung vom deutschen Matheunterricht zeichnet, sind auch die befragten deutschen Lehrkräfte nicht sehr begeistert vom Fernunterricht in ihrem Fach. Allerdings sind sie – genau wie ihre Kolleg:innen aus Flandern und den Niederlanden – der Meinung, dass sie nach zwei Monaten Onlineunterricht Fortschritte machen.

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